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Trotz Lockerungen - Warum die Corona-Neuinfektionen nicht steigen

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Experten haben vor den Lockerungen immer wieder vor einer neuen Infektionswelle gewarnt. Bisher ist die ausgeblieben. Ist die Corona-Gefahr gebannt?

Ein fast menschenleerer Platz. Symbolbild
Nach dem Corona-Ausbruch in einem Restaurant in Ostfriesland haben sich viele Menschen gefragt: Führen die Lockerungen der Maßnahmen zu einem Anstieg der Infektionen?
Quelle: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Menschen sitzen wieder in Restaurants, sie gehen shoppen oder zum Friseur - die Beschränkungen in der Corona-Krise wurden inzwischen weitreichend gelockert. Bislang hat dies nicht zu einem Anstieg der Neuinfektionen geführt.

Dem Robert-Koch-Institut (RKI) wurden in den vergangenen Tagen rund 300 bis 600 neue Corona-Fälle pro Tag gemeldet. Zum Vergleich: An einigen Tagen Anfang April waren es noch rund 6.000 Neuinfizierte täglich. Warum ist die Lage trotz der vielen Lockerungen so stabil?

Reproduktionszahl sank schon vor Beschränkungen

Eine wichtige Rolle für die Beurteilung des Infektionsgeschehens spielt die sogenannte Reproduktionszahl. Sie gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt. Liegt sie dauerhaft unter 1, flaut die Epidemie langsam ab. Für Anfang März schätzte das RKI diese Kennziffer auf rund 3: Ein Infizierter steckte also im Schnitt drei weitere Menschen an.

Noch bevor die Beschränkungen eingeführt worden sind, sei dieser Wert aber bereits auf 1 gesunken, sagt die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. "Das Verhalten der Menschen hat sich schon vorher verändert", erläutert sie. "Und auch jetzt gehen noch nicht alle gleich wieder normal einkaufen."

Maßnahmen seien richtig gewesen

Der Epidemiologe Rafael Mikolajczyk von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sieht das ähnlich. Durch die Sensibilisierung der Bevölkerung würden lediglich Menschen, die keine oder noch keine Symptome haben, das Virus übertragen. "Daraus resultiert eine niedrigere Reproduktionszahl." Um einen Anstieg der Fälle zu vermeiden, genüge es die Kontakte der Menschen etwas zu reduzieren.

Dennoch seien die strengen Corona-Maßnahmen und die starke Einschränkung der Kontakte durch den Lockdown wichtig gewesen, um die Infektionszahlen schnell zu senken. Hätte Deutschland die Corona-Beschränkungen später oder weniger streng eingeführt, gäbe es jetzt viel höhere Infektionszahlen, so der Wissenschaftler.

Kommt die zweite Welle?

Aus Sicht der Virologin Brinkmann sei es wichtig, dass der R-Wert unter 1 und die Zahl der Neuinfektionen niedrig blieben. In dem Fall könnten die Gesundheitsämter die Infektionsketten durch Kontaktnachverfolgung und Quarantäne unterbrechen. "Dann werden wir eine zweite Welle abwenden können." Könnten die Behörden Infektionsherde nicht mehr nachvollziehen, drohe wieder ein exponentielles Wachstum wie im März.

Ob und wie stark eine zweite Welle kommt, hänge vom Verhalten der Menschen ab. "Wichtig ist, dass alle am Ball bleiben - nur Treffen in kleinen Gruppen, Masken tragen, wenn man sich in Räumen aufhält und mit Menschen zusammen ist, die man nicht kennt", sagt Brinkmann.

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