ZDFheute

So zuverlässig sind Corona-Tests

Sie sind hier:

Tausende falsche Ergebnisse? - So zuverlässig sind Corona-Tests

Datum:

Kein Test ist fehlerfrei. Bei Gesunden kann ein Test positiv ausfallen, Infizierte können negativ getestet werden. Doch kommt so etwas tatsächlich sehr oft vor? Der Faktencheck.

Abnahme eines Abstrichs in einer Hausarztpraxis.
Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild

Seit Monaten kursiert in Sozialen Netzwerken die Behauptung, Corona-Tests seien unzuverlässig und produzieren massenweise falsch-positive Ergebnisse - weisen also bei gesunden Menschen fälschlicherweise eine Infektion nach.

Doch diese Behauptung ist so pauschal falsch. Zwar ist kein Test perfekt, es gibt durchaus falsch-positive Tests. Aber die Fehlerquote ist gerade bei den Abstrich-Tests, den sogenannten PCR-Tests, gering.

Wie wird die Zuverlässigkeit von Tests gemessen?

Generell wird die Zuverlässigkeit von Tests mit Werten für die Sensivität und die Spezifität gemessen: Je höher die Sensitivität ist, desto mehr Infizierte werden vom Test tatsächlich erkannt. Und je höher die Spezifität ist, desto weniger Fehlalarme gibt es.

So gibt beispielsweise der Hersteller "Bencard Diagnostics" für seinen Antikörper-Test eine Sensitivität von 98,4 Prozent und eine Spezifität von 99,8 Prozent an. Doch die Mehrzahl der durchgeführten Tests sind Tests mit Abstrichen, sogenannte PCR-Tests.

Für Urlaubs-Rückkehrer gilt: Die einen können sich freiwillig testen lassen, die anderen müssen zum Abstrich. Ärzte und Betroffene scheinen überfordert.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Was macht PCR-Testverfahren zuverlässig?

Marc Lütgehetmann, Mikrobiologe und Oberarzt im Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), schätzt die tatsächliche Trefferquote auf nahezu einhundert Prozent:

Diese Tests sind viel besser als bloß 98 oder 99 Prozent.

Viele Prozesse der Testauswertung im Labor seien vollautomatisiert und es gebe für den PCR-Test verschiedene Kontrollmechanismen, die die Zuverlässigkeit noch mal erhöhen, erklärt der Experte im Gespräch mit ZDFheute. Zusätzlich würden manche Fehler auch sofort erkannt: "Wenn wir eine auffällige Häufung positiver Tests haben, dann werden wir natürlich misstrauisch. Dann wird neu getestet."

Was sind die häufigsten Fehlerquellen?

Das häufigste Problem sind wohl Unsicherheitsfaktoren, die durch das Testen selbst entstehen: Wenn der Abstrich nicht richtig entnommen oder Proben falsch transportiert wurden. Auch der Zeitpunkt des Tests ist entscheidend: Hat die Infektion erst kurz zuvor stattgefunden, können meist weder Viren im Rachenabstrich noch Antikörper im Blut nachgewiesen werden und es kommt zu sogenannten "falsch-negativen" Ergebnissen: Dass also der Test negativ ausfällt, obwohl die Person infiziert ist.

Ein negativer Test ist also oft kein Freibrief: Bestehen berechtigte Zweifel am negativen Testergebnis, weil die Person zum Beispiel engen Kontakt zu einem Infizierten hatte, wird zu einem zweiten Test geraten. Deshalb sollten sich auch Urlauber, die aus Risikogebieten zurückkehren, ein zweites mal testen lassen, wenn Covid-Symptome bei ihnen auftreten - selbst, wenn der erste Test negativ ausfiel.

Wie groß ist das Problem der "falsch-positiven" Tests?*

Das umgekehrte Problem scheint weniger relevant: Das Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt auf seiner Webseite, dass falsch-positive Tests "nach derzeitigen Erkenntnissen nur selten" vorkämen. Die Positiv-Quote aller durchgeführten Tests lag im Juli teilweise bei nur 0,59 Prozent. Die Tests müssen also zwangsläufig eine deutlich geringere Falsch-Positiv-Rate haben.

In einer Mail an ZDFheute verweist eine Sprecherin des RKIs auf sogenannte "Ringversuche", bei der deutsche Labore sehr gut abschneiden.

Tatsächlich ist jedoch die wirkliche Anzahl der falsch-positiven Tests kaum abzuschätzen. Das RKI schreibt in einer Mail an ZDFheute, es könne "keine 'Falsch-Positiv-Rate' der PCR-Teste für Deutschland in der Gesamtheit angegeben werden." Das Institut geht jedoch nach eigenen Angaben von einer "Spezifität von mehr als 99,9%" aus. Diesen Wert gibt auch die österreichische Gesellschaft für Labormedizin an, die nach internen Auswertungen im Hinblick auf falsch-positive Testergebnisse von einer "absoluten Rarität" spricht.

Das Magazin SPIEGEL zitiert Peter Bauer vom Testlabor Centogene, das nach eigenen Angaben zwei Mal pro Woche alle 500 Mitarbeiter auf das Coronavirus testen lässt. Bei über 20.000 durchgeführten Tests habe es keinen einzigen falsch-positiven gegeben. Die drei einzigen positiven Tests hatten Mitarbeiter, die tatsächlich infiziert gewesen seien.

Dennoch besteht das Problem in der Masse der durchgeführten Tests, insbesondere, wenn nicht zielgerichtet getestet wird - also auch Menschen ohne einen konkreten Verdacht. Ein Rechenbeispiel: Einhunderttausend gesunde Menschen werden getestet, der Test hat eine Spezifität von 99,99 Prozent. Dann bekommen immer noch 10 ein falsch-positives Ergebnis.

*die drei letzten Absätze mit weiteren Fakten und Zahlen wurde am 27.8.2020 ergänzt.

Ein Computermodell des Coronavirus

Nachrichten | In eigener Sache -
Jetzt das ZDFheute Update abonnieren
 

Sie wollen morgens und abends ein praktisches Update zur aktuellen Lage? Dann abonnieren Sie unser ZDFheute Update.

Das Virus als Modell

Nachrichten | Politik -
Corona in 3D: Wie ist das Virus aufgebaut?
 

Corona bestimmt seit Monaten weltweit den Alltag der Menschen. Doch wie ist das Virus aufgebaut, was passiert im Körper und wie kann es bekämpft werden? Ein Überblick in 3D.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Archiv: Ein Mitglied der deutschen Bischofskonferenz hat seine Hände zum Gebet gefaltet.

Kirche im Corona-Modus -
Wenn die Basis selbst aktiv wird
 

Im kirchlichen Leben hat Corona wie ein Brennglas Defizite und Positives sichtbar gemacht. Eine Frage drängt …

von Jürgen Erbacher
Videolänge:
2 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.