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Die Angst vor Ostern

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Pflegenotstand in Corona-Zeiten - Die Angst vor Ostern

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Das Rückgrat der Pflege in Deutschland sind die Helferinnen aus Osteuropa. Viele fahren Ostern nach Hause und werden erst einmal nicht wiederkommen, fürchten Kenner der Szene.

Die Zahl osteuropäischer Helferinnen in Deutschland wird auf mindestens 300.000 geschätzt. Sechs bis acht Wochen lang wohnen sie in den Haushalten pflegebedürftiger alter Menschen, kehren dann für einen oder zwei Monate in die Heimat zurück und kommen anschließend wieder. Im Idealfall wechseln sich so zwei Polinnen in einem deutschen Haushalt ab.

Archiv: Die polnische Krankenschwester Irena Guza betreut am 28.10.2013 die 90jährige Gertrud Schröter in deren Wohnung in Bonn.
Eine Pflegerin aus Polen betreut eine ältere Dame.
Quelle: Imago

Pflegesystem droht während der Corona-Krise zusammenzubrechen

Die Betreuung rund um die Uhr kostet mit einer offiziell angemeldeten Kraft ungefähr 2.500 Euro im Monat. Die meisten deutschen Familien können oder wollen sich aber nur eine schwarz arbeitende Helferin leisten; für die zahlt man etwa 1.000 Euro weniger.

Der Staat schaut normalerweise weg. Alle wissen, was keiner gern ausspricht: ohne die illegal beschäftigten Polinnen würde das Pflegesystem vollends zusammenbrechen. Heimplätze sind knapp, unbeliebt und für viele unbezahlbar. Außerdem haben derzeit viele Häuser Aufnahmestopp, weil Schutzkleidung für das Personal fehlt.

Helferinnen müssen erst in Quarantäne

Seit Beginn der Corona-Krise kommen immer weniger polnische Helferinnen nach Deutschland. Die Gründe: Schwarzarbeiterinnen dürfen nicht mehr einreisen - nur noch angemeldete Kräfte sind zugelassen. Und wenn die wieder zu ihren polnischen Familien fahren, müssen sie dort erst einmal zwei Wochen in Quarantäne.

"Ich möchte nicht zwei Wochen in der Wohnung sein - isoliert von anderen Leuten. Das ist für mich sehr unangenehm", sagt Jadwiga Stachowska, Pflegehelferin aus Polen.

Auch Betreuungskräfte haben Angst, sagt Markus Küffel vom Vermittlungsdienst "Pflege zu Hause".

Die Corona-Krise stellt das komplette System der Pflegekräfte aus Osteuropa auf den Kopf. Viele werden nach Ostern nicht mehr zurückkehren – mit weitreichenden Folgen.

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Pflegerinnen haben Angst, sich zu infizieren mit Covid-19

Die Vermittlungsdienste versuchen, das Transportproblem durch Improvisation zu lösen: Weil die großen Buslinien nicht mehr fahren, beauftragt man Kleinbusse mit viel Platz zwischen den Insassen. Manchmal springen auch einzelne Fahrer mit Privat-PKW ein.

Weil auch die nicht mehr ohne Quarantäne über die Grenze dürfen, fahren sie nur bis zum Grenzübergang. Den überqueren die Frauen zu Fuß – auf der anderen Seite werden sie dann abgeholt.  

Bleibeprämie für Polinnen?

In Polen gilt Corona als ein Virus, der vor allem aus Deutschland importiert wird. Manche Frauen, die vom Pflegeeinsatz im Ausland zurückkehren, müssen mit Anfeindungen rechnen. Angesichts von Grenzkontrollen, Quarantäne-Angst und allgemeiner Verunsicherung sei nach Ostern die Versorgung mit Betreuerinnen aus Osteuropa nicht mehr sichergestellt, so Daniel Schlör, Vorsitzender des Verbandes für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP).

Der Verband fordert finanzielle Anreize des Staates, um polnische Pflegerinnen zum Verbleib in Deutschland zu bewegen – nach dem Vorbild Österreichs, wo die Regierung zur Zeit über einen "Bleib-da-Bonus" für osteuropäische Helferinnen in Höhe von 1.000 Euro im Monat berät.  

Schon jetzt ist die Situation schwieriger geworden. Dass der Job in Deutschland für polnische Frauen nicht mehr so attraktiv ist, merken Angehörige der Pflegebedürftigen zuweilen an der nachlassenden Qualität der Arbeitskräfte: Häufiger als früher fehlt es an Sprachkenntnissen, an Einsatzfreude oder an Zuverlässigkeit. Familien spüren den Wandel:

Die Corona-Krise stellt das komplette System der Pflegekräfte aus Osteuropa auf den Kopf. Viele werden nach Ostern nicht mehr zurückkehren – mit weitreichenden Folgen.

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Regierung: Viele Pflegekräfte kommen wohl nach Ostern nicht mehr zurück

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, sieht die Gefahr, dass viele Helferinnen aus dem Osterurlaub nicht mehr zurückkehren. Möglicherweise werden es um die 200.000 Pflegerinnen sein, die dann einfach zuhause bleiben, fürchtet der Verband für häusliche Pflege und Betreuung (VHBP).

Und manche Pflegemanager denken noch weiter voraus: Wenn in Deutschland die Ausbreitung des Virus begrenzt wird, während sie in Polen weitergeht, wolle man die Helferinnen aus dem Osten vielleicht gar nicht mehr haben wollen.

Die Corona-Krise stellt das komplette System der Pflegekräfte aus Osteuropa auf den Kopf. Viele werden nach Ostern nicht mehr zurückkehren – mit weitreichenden Folgen.

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Schwere Zeiten für Pflegebedürftige und Familien

In diesem Fall müssten notfalls einheimische Aushilfskräfte einspringen. Ob das klappen wird, weiß niemand. Sicher ist nur: Auf viele Pflegebedürftige und ihre Familien kommen schwere Zeiten zu.

Altenpflege vor dem Kollaps: Wenn Hilfskräfte aus Polen wegbleiben - das beschreiben die Kollegen von Frontal 21 im Video:

In Deutschland betreuen, Schätzungen zufolge, rund 300.000 Pflegehilfskräfte aus Ost- und Mitteleuropa bedürftige Menschen in der privaten Altenpflege. Doch die Corona-Krise erschwert die Ein- und Ausreise.

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