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Gesundheitsämter: "Können nichts draufsetzen"

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Quarantäne-Kontrollen - Gesundheitsämter: "Können nichts draufsetzen"

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Schein und Sein: Bund und Länder wünschen strengere Corona-Quarantäne-Kontrollen. Das sei so nicht machbar, heißt es dagegen aus vielen Kommunen.

Das Personal im Gesundheitsamt Dortmund wurde aufgestockt
Das Personal im Gesundheitsamt Dortmund wurde aufgestockt - reichen tut das noch nicht.
Quelle: zdf

Bei einer angeordneten Corona-Quarantäne bleibt einem eigentlich nur eines: konsequent daheimbleiben und Abstand halten zu anderen Menschen. Weil Mitarbeiter der deutschen Ordnungsämter aber vermehrt Verstöße gegen die Auflagen feststellen, soll es künftig schärfere Kontrollen und hohe Geldstrafen bei Quarantäne-Brüchen geben.

Kommunale Gesundheitsbehörden voll ausgelastet

Das Problem: Während Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein "verstärktes Quarantäneregime" ankündigt und dabei die Ordnungs- und Gesundheitsämter in der Pflicht sieht, sind diese heute bereits vielerorts voll ausgelastet oder gar überlastet. Das ist das Ergebnis einer stichprobenartigen ZDFheute-Umfrage.

Die Corona-Situation in Dortmund steht demnach exemplarisch für das Geschehen in vielen deutschen Kommunen: Weil sich das Virus wieder verstärkt ausbreitet, "brauchen wir jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter, für die originäre Aufgabe der Gesundheitsbehörde, Infektionsketten zu unterbrechen und die Pandemie einzudämmen oder zu verlangsamen", teilt der Leiter des Gesundheitsamts Frank Renken mit.

Ohne Zusatz-Personal keine verstärkten Kontrollen

"Um flächendeckende Kontrollen gewährleisten zu können, bräuchten die Ordnungsbehörden mehr Personal", sagt Renken. Der Knackpunkt: Fachkräfte seien nicht "von heute auf morgen" zu bekommen. "Das ist auch den Ebenen bekannt, die immer mehr Aufgabenbereiche auf die Gesundheitsämter beziehungsweise auf die kommunale Ebene verlagern, ohne mit den Kommunen darüber zu kommunizieren", so Renken.

Im Gesundheitsamt Dortmund wird wegen der Corona-Pandemie sieben Tage die Woche gearbeitet, das Personal im Infektionsschutz wurde aufgestockt. Doch trotzdem sind es zu wenige Mitarbeiter, um Kontaktpersonen zeitnah ausfindig zu machen und zu informieren.

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Mit seiner Kritik steht er nicht allein: Aus vielen deutschen Städten heißt es, dass zusätzliche Aufgaben im Kampf gegen Corona nur mit erheblich mehr geschultem Personal bewältigt werden könnten. Eine Behördensprecherin, die anonym bleiben möchte, sagt:

Unsere Mitarbeiter haben heute schon alle Hände voll zu tun mit der Nachverfolgung der Infektionsketten - die arbeiten wirklich unter Volldampf, wir können nichts mehr draufsetzen.
Behördensprecherin

Ähnlich sieht es der Präsident der Bundesärztekammer: "Die Amtsärzte sind voll damit ausgelastet, Infektionsketten nachzuverfolgen und Quarantänemaßnahmen einzuleiten", sagte Klaus Reinhardt der Deutschen Presse-Agentur. Sein Vorschlag: Die Polizei solle aushelfen und Quarantäne-Brecher auch sanktionieren.

Polizeiliche Amtshilfe? Ja und Nein!

Die ZDFheute-Umfrage zeigt indes, dass dies in einigen Regionen zum Teil schon jetzt geschieht. So heißt es etwa von Seiten der Stadt Erfurt: "In Thüringen unterstützt uns die Polizei bereits in besonderen Fällen." Ob zusätzliche Amtshilfe realisierbar sei, müsste allerdings das Thüringer Innenministerium bewerten.

Auch im oberbayerischen Landkreis Rosenheim und im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge begrüßen Sprecher grundsätzlich eine polizeiliche Amtshilfe für Gesundheits- und Ordnungsämter.

In Dresden wird dagegen anders verfahren: Ein Übertragen von Teilaufgaben des Gesundheitsamts an die Polizei sei aus "datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich", teilt eine Sprecherin der sächsischen Hauptstadt mit.

Gesundheitsminister Spahn appelliert streng an Vernunft

Angesichts deutlich steigender Zahlen von Covid-19-Infektionen und der damit verbundenen Gefahren in vielen Regionen Deutschlands appelliert Bundesgesundheitsminister Spahn derweil verstärkt an Betroffene, sich an die Quarantänepflicht zu halten:

Das ist keine Bitte, sondern eine staatliche Anordnung.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
eine undatierte elektronenmikroskopische aufnahme des «u.s. national institute of health» zeigt das neuartige coronavirus

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