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Reiserücktritt auch ohne Reisewarnung

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Wie Urlauber Geld zurückbekommen - Reiserücktritt auch ohne Reisewarnung

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Welche Rechte haben Urlauber im Falle eines Reiserücktritts? Welche Unterschiede gibt es bei Pauschal- und Individualreisen? Wer übernimmt die Kosten? Ein Überblick.

Leere Liegen am Strand einer Hotelanlage in Antalya
Bisher bestehen Reisewarnungen des Auswärtigen Amts für viele Länder bis zum 31. August
Quelle: dpa

Das Coronavirus macht Urlaubern das Reisen schwer. Die Reisewarnungen häufen sich und auch die Liste der als Risikogebiet eingestuften Länder ist lang. Viele Urlauber stehen vor der Entscheidung, ob sie die Reise antreten oder doch stornieren. Und dabei kommen oft einige Fragen auf.

Kann ich zurücktreten, wenn keine Reisewarnung besteht?

Grundsätzlich sind in der Corona-Krise Pauschaltouristen besser dran als Individualtouristen, sagt Reiserechtsexperte Kay P. Rodegra. Wenn absehbar, das heißt, wahrscheinlich sei, dass die Reisewarnung zum Reiseantritt noch besteht, dann könne man von der Reise kostenfrei zurücktreten.

Und die Reisewarnung ist nicht zwingend.
Kay P. Rodegra, Reiserechtsexperte

"Das Amtsgericht Frankfurt hat vor wenigen Tagen entschieden, dass man in dieser Corona-Krisenzeit auch dann kostenfrei zurücktreten kann, wenn zum Zeitpunkt des Rücktritts mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit einer Gefährdung oder mit einer Beeinträchtigung am Zielort zu rechnen ist. In diesem Urteil ging es um eine Italienreise, die vom Urlauber abgesagt wurde. Obwohl es keine Reisewarnung gab, konnte der Pauschaltourist kostenfrei zurücktreten und musste keine Stornokosten zahlen", erklärt Reiserechtsexperte Rodegra weiter (AZ: 32 C 2136/20).

Was Urlauber jetzt wissen müssen

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7 min
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Gefährdung am Zielort muss feststellbar sein

Allerdings muss die Reisewarnung oder Gefährdung zum oder in der Nähe des Reisezeitpunktes bestehen. Bislang bestehen Reisewarnungen des Auswärtigen Amts für viele Länder bis 31. August. Reiserechtsexperten und Gerichte würden auf einen Zeitraum von etwa vier Wochen vor Reisebeginn abstellen, so die Stiftung Warentest.

Bei Individualtouristen ist die Sache komplizierter. Eine Reisewarnung führt bei individuell gebuchten Reiseleistungen grundsätzlich nicht dazu, dass man kostenfrei stornieren könne, so das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ). Anders sieht es aus, wenn eine Leistung nicht erbracht werden kann, zum Beispiel bei generellem Einreiseverbot oder wenn die Anreise nicht möglich ist, weil der Flughafen geschlossen ist.

Reisewarnung im Urlaub - komme ich kostenfrei zurück?

Wenn eine Reisewarnung während des Urlaubs ausgesprochen wird, werden Pauschalreisende vom Reiseveranstalter auf dessen Kosten zurückgeholt, so der deutsche Reiseverband.

Der Reiseveranstalter bleibt auch nach einer Kündigung durch den Reisenden verpflichtet, für die Rückbeförderung zu sorgen, wenn der Rückflug mit zum Reisevertrag gehört. Individualtouristen dagegen müssen für sich selbst sorgen.

Nach der Reisewarnung für Spanien, mit Ausnahme der Kanaren, haben mehrere Reiseanbieter ihre Urlaubsangebote für das Land abgesagt.

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Urlaub vorsorglich abgesagt - zahlt die Reiserücktrittsversicherung?

Nein. Denn diese Versicherung zahlt nur, wenn bestimmte versicherte Zustände eintreten, etwa eine schwere unerwartete Erkrankung kurz vor der Reise und Sie daher nicht reisefähig sind.

Doch auch, wenn Sie an Corona erkrankt sind und die Reise absagen müssen, könnten Sie trotzdem leer ausgehen: Denn einige Versicherer haben ihre Leistungszusage für den Fall ausgeschlossen, wenn eine Pandemie die Ursache einer Erkrankung ist.

Dürfen Veranstalter nach Absage nur Gutscheine anbieten?

Nein. Zwar darf der Veranstalter dem Urlauber einen Gutschein anbieten. Er muss den Gutschein aber nicht annehmen, sondern kann sich für eine Rückerstattung bereits gezahlten Geldes entscheiden.

Was tun bei unwilligen Reiseveranstaltern oder Airlines?

Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, nach Reiseabsage den Reisepreis innerhalb von 14 Tagen zu erstatten. Er kann auch einen Gutschein anbieten, den der Kunde aber nicht annehmen muss. Sollte der Veranstalter keine Rückzahlung des Reisepreises veranlassen, sollte der Kunde per Einschreiben die Zahlung anmahnen und dafür eine Frist setzen.

Eine gute Hilfe sind Musterbriefe der Verbraucherzentrale zur Erstattung von Flugpreisen, Pauschalreisekosten und Veranstaltungstickets. Hilft das nichts, kann der Kunde erwägen, den Reiseveranstalter oder die Airline zu verklagen.

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