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So verändert Corona das Rheintal

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ZDF in Rüdesheim - So verändert Corona das Rheintal

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Touristen aus dem Ausland gehören zum Kerngeschäft der Region. Die Corona-Pandemie trifft das Mittelrheintal deshalb besonders hart. Es gibt aber auch Profiteure der Krise.

Archiv: Menschenleer präsentiert sich die Drosselgasse in der Altstadt von Rüdesheim am Rhein
Die Drosselgasse in Rüdesheim ist aufgrund der Corona-Pandemie völlig verwaist. Die kleine Weinstadt am Rhein, zählt in normalen Zeiten alljährlich mehr als drei Millionen Besucher.
Quelle: dpa

Es ist ein seltsames Gefühl, Rüdesheim am Rhein so zu erleben: Abends kaum ein Mensch auf der Straße. Selbst in der berühmten Drosselgasse herrscht eine fast unheimliche Ruhe. Viele Lokale haben schon früh geschlossen, nur im Restaurant "Rüdesheimer Schloss" unterhält ein Musiker noch ein paar Gäste mit Evergreens wie "Moon river" und "Muss I denn zum Städele hinaus?"

Rüdesheim: Ausländische Gäste bleiben aus

Welch ein Kontrast zu Rüdesheim vor einem Jahr. Da drängten sich im Sommer jeden Tag Tausende durch die engen Gässchen der Altstadt. Rüdesheim ist in der ganzen Welt bekannt: Der Anteil der ausländischen Gäste liegt normalerweise bei fast 50 Prozent. Gäste, die nun fast komplett fehlen.

Vier Wochen vor Ort in Rüdesheim.

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Darunter leiden nicht nur die Schunkelbars auf der Drosselgasse. Den Souvenirläden ist fast das gesamte Geschäft weggebrochen. Deutsche kaufen nun mal keine Kuckucksuhren und Schwarzwaldpuppen. Wer sein Sortiment nicht anpasst, macht daher kaum noch Umsatz. So manches Geschäft hat daher gar nicht erst aufgemacht.

Die Profiteure der Krise

Der Tourismus hat sich durch Corona stark verändert. Zu den Profiteuren zählen Besitzer von Ferienwohnungen: Die sind kaum noch zu kriegen, weil viele Deutsche nun Urlaub im eigenen Land machen. Das sind aber oft nicht die Vergnügungssuchenden, für deren Unterhaltung Rüdesheim über Jahrzehnte bekannt war. Viel öfter trifft man Wanderer und Radfahrer, die die Gegend zwischen Rheingau und Mittelrheintal naturnah erkunden möchten.

So mancher hier glaubt, dass das ein langfristiger Trend wird. Und so bietet Kai Climenti zum Beispiel gut nachgefragte Weinwanderungen an, weil die Menschen nicht mehr nur im Lokal sitzen und sich dem Trinken hingeben wollen, sondern auch Hintergründe erfahren möchten.

Skandinavier kehren bereits zurück

Doch so ganz ohne die ausländischen Besucher wird der Tourismus in Rüdesheim nicht wieder auf die Beine kommen. Normalerweise machen Amerikaner, Briten und Asiaten einen Großteil der Gäste aus. Sie alle fehlen noch auf unabsehbare Zeit. Immerhin trauen sich wieder erste Skandinavier ins Rheintal.

Darüber freut sich auch Campingplatzbetreiber Oliver Richter. Nach verpasstem Start in die Saison haben sich seine Zahlen wieder normalisiert. Dänen und Norweger steuern Rüdesheim wieder mit ihren Wohnwagen an, vor allem aber Deutsche, die teilweise zum ersten Mal in ihrem Leben Urlaub auf dem Campingplatz machen. Weil Flugreisen ins Ausland einfach für viele noch keine Option sind.

Allein in Rüdesheim: Verluste bis 14 Millionen Euro

Und so versucht Martin Duda, Vorstand der Rüdesheim Touristik AG, Optimismus zu verbreiten: Wenn jetzt alle zusammenstünden, könne in Rüdesheim aus der Krise Gutes entstehen. Der Einschlag sei heftig gewesen. "Während des Lockdowns sind Einnahmen von 13 bis 14 Millionen Euro weggefallen."

Auch Susanne Breuer von der Weingaststätte "Rüdesheimer Schloss" glaubt an die Krise als Chance. Zusammen mit anderen Unternehmern aus der Drosselgasse hat sie eine Initiative gestartet, um dem berühmten Gässchen ein neues Image zu verpassen. Gerade werden Fahrradständer aufgestellt, weil das dem neuen Trend entspricht: Biken und Hiken im Rheingau.

Wann kehrt wieder Normalität ein?

Ungewohnt für Rüdesheim-Kenner ist die Atmosphäre allemal. Die ersten Kreuzfahrtschiffe legen in diesen Tagen wieder an. Doch ob der Tourismus jemals wieder so viel einbringen wird wie vorher? Das entscheidet sich einerseits daran, wie wohl sich die Neu-Touristen aus Deutschland hier fühlen. Aber auch daran, was das Corona-Virus in Zukunft erlaubt. Fröhlich schunkelnde Japaner im Drosselhof jedenfalls erwartet hier niemand so schnell wieder.

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