Sie sind hier:

Bilanz nach einer Woche - Offene Grundschulen im Norden - so läuft's

Datum:

In Schleswig-Holstein sind die Grundschulen wieder geöffnet. Für Lehrer und Bildungsministerin ein "Experiment", wie sie selber sagen. Eltern und Gewerkschaft bleiben reserviert.

Schülerinnen und Schüler sitzen mit Abstand im Klassenzimmer
Seit einer Woche wieder Unterricht in den Grundschulen: ZDFheute zieht Bilanz.
Quelle: dpa

Bildungsministerin Karin Prien aus Schleswig-Holstein hat Ehrgeiz und ihr werden deshalb auch bundespolitische Ambitionen nachgesagt. In der Jamaika-Koalition im Norden gilt sie seit Langem als große Stütze von Ministerpräsident Daniel Günther. Aber während der Corona-Wochen häuften sich die Pannen der Bildungspolitikerin.

Erst hatte sie sich mit ihrer Forderung nach einem Verzicht der Abiturprüfungen grandios vergaloppiert. Dann machte sie mit ihrem Vorschlag auf Sonnabendunterricht bundesweit Schlagzeilen – leider fand die Idee nicht wirklich jemand gut.

Kaum einer hat Lust auf den "Lernsommer"

Vergangene Woche ein neuer Versuch: Mit dem Projekt "Lernsommer" will sie lernschwachen Schülern und jenen aus bildungsfernen Familien Unterricht vor allem in den Kernfächern Mathe, Deutsch und Englisch bieten – aber auch da Vorbehalte. Nur 180 der rund 800 Schulen im Norden wollen mitmachen.

Um die Lern-Lücken durch den coronabedingten Schulausfall zu schließen, bietet das Land Schleswig-Holstein Unterricht in den Ferien, den "Lernsommer", an.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Karin Prien
Karin Prien, Bildungsministerin in Schleswig-Holstein
Quelle: dpa

Alles schlecht für Karin Prien? Nicht ganz: Seit vergangenem Montag können alle Grundschüler in Schleswig-Holstein wieder gemeinsam in den Unterricht. Zehn Tage Vorlauf hatte das Ganze nach dem Beschluss des Landeskabinetts.

Für 30.000 Schüler mussten auf die Schnelle Konzepte erdacht werden, vor allem, wie sich die Klassen so weit wie möglich aus dem Weg gehen können, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Ein großer organisatorischer Aufwand war das, sagt etwa Birkheid Torff, Schulleiterin der Grundschule im Kieler Stadtteil Russee.

Disziplinierte Schüler, gespannte Lehrer

Bei der Premiere am vergangenen Montag lief alles glatt. Diszipliniert sammeln sich die 286 Schüler auf dem Schulhof. Mit Mundschutz stehen sie da, einer hält ein Schild hoch, etwa 3b, 20 Meter weiter steht die 2a - alles also schön getrennt nach Klassen. Nacheinander geht es dann in sieben verschiedene Eingänge des Gebäudes der Grundschule.

In Schleswig-Holstein gilt nun wieder der Regelbetrieb für Grundschulen. Dafür gibt es Hygiene-Vorschriften, die eingehalten werden müssen - allerdings nicht der Mindestabstand.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Andere Schulen mit weniger Platz und weniger Eingängen behelfen sich mit unterschiedlichen Startzeiten. Die Kinder selbst freuen sich einfach nur auf den Neustart, bei den Lehrkräften ist es eine Mischung aus Freude und stillen Sorgen.

In der 3b müssen jetzt wie überall die Abstände im Klassenraum nicht mehr streng eingehalten werden. Die Lehrerin Juliane Schmidt-Hollenberg hat ihre 26 Schüler darauf vorbereitet. Im Kollegenkreis und bei Eltern habe es aber deshalb auch kritische Stimmen gegeben.

Das ist ein Experiment, mal gucken, ob wir dann in zwei Wochen in Quarantäne müssen, hoffentlich nicht oder ob wir alle gesund in die Sommerferien starten.
Lehrerin Juliane Schmidt-Hollenberg

In der 3b starten sie erst mal mit einer Stunde Deutsch.

Bilanz nach Woche eins: "Alles gut!"

Und wie ist die Bilanz nach einer Woche? "Alles gut gelaufen", sagt die Schulleitung, "keine Krankheitsfälle, aber das mit der Trennung klappt nicht immer. Da treffen sich auch mal Schüler der dritten Klasse mit jenen der vierten Klasse an der Toilette, um zu schnacken. Die kennen sich halt aus dem Fußballverein!"

Verhindern könne man so etwas nicht, sagt auch die Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft GEW. "Die Öffnung der Grundschulen ist für Lehrkräfte und Kinder pädagogisch und menschlich erfreulich", sagt Astrid Henke, "allerdings sind die Bedingungen für alle Beteiligten länger als drei Wochen aus vielerlei Gründen nicht akzeptabel."

GEW bleibt verhalten

Durch die klassenweise versetzten Pausen und Anfangszeiten meldeten die Schulen Dauerlärm, der das Lernen erheblich störe. Die Dauerbeaufsichtigung und der organisatorische Aufwand sei mit dem derzeitigen Personal auf längere Sicht nicht zu schaffen, so Henke weiter. 

Bisherige Vertretungskonzepte bei Erkrankungen von Lehrkräften funktionierten nicht mehr. Für den Start in das neue Schuljahr müsse zusätzliches Betreuungspersonal zur Verfügung gestellt werden.

Und was sagt die Ministerin? Sie bedankt sich bei allen Beteiligten für den Einsatz:

Grundschulkinder brauchen Nähe, brauchen ihre Gruppe und brauchen ihre Freunde in der Grundschule. Das und damit ein Stück Normalität haben wir ihnen gegeben.

Stichprobenartige-Corona-Tests für Lehrer

Sie sehe aber auch die Sorgen einiger Lehrkräfte und Eltern, die skeptisch und angstvoll sind, betont Prien. "Wir nehmen das ernst und haben uns für stichprobenartige Testungen auf Covid-19 bei Lehrkräften entschieden."

Eine spannende Woche in Sachen Schule ist vorüber, in zweieinhalb Wochen sind Sommerferien. Und im Bildungsministerium ist man sicher froh, wenn die Bilanz dann so aussieht wie nach der ersten Woche.

Schülerinnen und Schüler der Klasse 4c der Robert-Schumann-Grundschule nehmen am Unterricht bei ihrer Lehrerin Sylke Wassmann teil.

Kinder in der Corona-Krise -
Lehrer warnen vor planlosen Schulöffnungen
 

Lehrerverbände warnen: Schulen ohne Konzept zu öffnen, stelle ein Gesundheitsrisiko dar. Laut einer neuen Studie kam das Kindeswohl in der Corona-Krise generell zu kurz.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.