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Schulen: Wie realistisch ist die Leopoldina?

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Debatte um Corona-Lockerungen - Schulen: Wie realistisch ist die Leopoldina?

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Schulen wieder auf? Für alle oder nicht? Die Experten der Leopoldina haben Vorschläge dazu gemacht. Lehrer sind skeptisch, wie das funktionieren soll.

Bundeskanzlerin Merkel berät mit den Ministerpräsidenten über eine Lockerung der Corona-Maßnahmen. Besonders über die Öffnung der Schulen wird wohl kontrovers diskutiert.

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Was die Leopoldina vorschlägt

Wenn am Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten über Lockerungen des Corona-Lockdowns beraten, wird das Papier der Leopoldina-Experten eine besondere Rolle spielen. Zumindest hatte Merkel das vor Ostern betont. Für Schulen schlagen die 26 Wissenschaftler vor:

  • Schulen sollen schrittweise wieder geöffnet werden. Voraussetzung sind die Einhaltung von Hygiene, Abstand und Mund-Nasen-Schutz.
  • Grundschulen sollen zuerst mit den Kindern der Abschlussklassen beginnen, danach stufenweise die jüngeren Jahrgangsstufen. Zeitversetzter Unterricht in Deutsch und Mathematik in Gruppen mit maximal 15 Kindern. Gestaffelte Pausenregelung.
  • Bis zehnte Klassen aller Schularten: Zuerst die Klassen, die vor einem Abschluss stehen. Reduzierter Unterricht in Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen. Je höher die Klasse, desto später Face-to-Face-Unterricht.
  • Kurse in den Sommerferien sollen Nachteile für Schüler ausgleichen.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt, Schulen sobald wie möglich zu öffnen. Prof. Lars Feld, Mitglied der Arbeitsgruppe, nennt kein Datum. "Die Politik übernimmt das Risiko, die Politik ist diejenige, die entscheidet", sagt Feld.

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Lehrerverband: Schüler nicht gegeneinander ausspielen

Erst die Kleinen, dann die Großen? Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes, will nicht Schüler gegeneinander ausspielen. Richtiger findet er es, wenn alle Schulen mit einer Jahrgangsstufe beginnen. Und zwar mit der, "die es am notwendigsten hat". Also an der Grundschule mit den vierten Klassen, weil sie bald wechseln. An den weiterführenden Schulen mit den Abschlussklassen, danach mit Abstand andere Jahrgangsstufen, auch in Förderschulen.

Doch auch das wird nicht einfach, sagt Meidinger: Geschätzt ein Viertel der Lehrer gehört selbst zu der Risikogruppe. Weniger Lehrer gibt es also, die kleinere Klassen und damit mehr unterrichten müssen, um die Abstandsregeln einzuhalten. Also kann Unterricht nur in reduzierter Form stattfinden. Eine Woche Vorlauf ist nötig, sagt Meidinger, um das zu organisieren. Er wünscht sich, dass die Bundesländer diesmal einheitlicher als beim Lockdown vorgehen. "Wir brauchen klare Vorgaben." Auch um die "Bildungsungerechtigkeit in Deutschland nicht zu noch weiter zu verstärken".

Vor der Beratung von Bund und Ländern am Mittwoch stehe bereits fest, dass es regionale Unterschiede bei den Lockerungen geben wird, berichtet ZDF-Korrespondent Theo Koll:

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Grundschulverband: Lieber ein Tag frei, einer zuhause

Gruppen mit maximal zehn Kindern, getrennte Pausenzeiten, gestaffelter Unterricht – ein Tag frei, ein Tag zuhause – das ist laut Maresi Lassek vom Grundschulverband für die jüngeren Schüler vorstellbar. Allerdings wird es dort noch schwerer: Risikogruppe Lehrer. "Gerade in den Grundschulen ist die Gruppe der älteren Lehrkräfte an den prekären Standorten größer", sagt Lassek.

Was an den einzelnen Grundschulen angeboten werden kann, sagt Lassek, werde je nach Standort höchst unterschiedlich sein. Die Bundesländer könnten am Mittwoch daher nur Empfehlungen abgeben. Politik sei in der Zwickmühle: Es sei die größere Herausforderung, die Grundschulen zuerst zu öffnen. "Aber die noch größere Herausforderung für Eltern wird es sein, wenn die Grundschulen nicht geöffnet werden." Lassek schlägt vor: keine Noten bis Schuljahresende und nicht nur Deutsch und Mathe im Unterricht. Die Schüler müssten auch das Erlebte verarbeiten können.

Die Realität: Keine Waschbecken, keine Distanz

Harriet Kühnemann ist Leiterin einer Grundschule in Gießen. 150 Kinder werden dort normalerweise unterrichtet, es gibt drei Toiletten. "Ich kann überhaupt nicht gewährleisten, dass sich alle Kinder die Hände waschen", sagt sie. Eine 48-jährige Kollegin unterrichtet ebenfalls in Hessen in einem kleineren Ort, will aber lieber anonym bleiben. "Ich bin auf 180!", schreibt sie.

Mit den Grundschülern nach dem Lockdown anzufangen, sei die "die unglücklichste Variante". In jüngeren Klassen könnten die Kinder noch von Eltern unterstützt werden. Ab Klasse sieben sei das sehr schwierig. Außerdem hielten sich nicht alle Schüler an Absprachen. Anspucken, anfassen, um zu provozieren? "Ich arbeite jetzt seit 20 Jahren als Grundschullehrerin. Ich wette darauf, dass es keine zwei Wochen dauert und ich habe den ersten Übergriff."

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