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Schleswig-Holstein - Streit über Corona-Auflagen in der Schule

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Das Ferienende in Schleswig-Holstein ist nah. Doch Lehrer und Eltern streiten mit dem Kieler Bildungsministerium noch um Unterricht unter Corona-Bedingungen.

Die Leopoldina fordert die Lockerung von Corona-Maßnahmen
Auch in Schleswig-Holstein startet das Schuljahr im Klassenzimmer - aber mit Corona-Auflagen.
Quelle: dpa

Schulkinder, Lehrer und Eltern auf Inseln und Halligen sind an diesem Montag die ersten, die mit Unterricht unter Corona-Bedingungen in das neue schleswig-holsteinische Schuljahr starten - auf dem Festland dauern die Ferien traditionell noch eine Woche länger. Aber klar ist: Der schulische Ernst des Lebens geht wieder los, und das Coronavirus bestimmt noch immer die Bedingungen.

Jungen und Mädchen melden sich bei ihrer Einschulungsfeier in der Grundschule Lankow am 01.08.2020

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Bildungsministerin Karin Prien (CDU) ist nach Kräften bemüht, zu geordneten Unterrichtsverhältnissen zurückzukehren, doch das ist gar nicht so einfach: Einerseits steigen aktuell die Infektionszahlen zwischen Nord- und Ostsee - vor allem Rückkehrer aus dem Urlaub haben das Virus ins bislang gering betroffene Bundesland eingeschleppt -, andererseits sind weder Elternvertreter noch Lehrer restlos begeistert vom Konzept des Bildungsministeriums für den sogenannten Corona-Regelbetrieb .

Lehrer befürchten hohes Corona-Ansteckungsrisiko

Der Schulbetrieb soll nach Monaten der pandemiebedingten Irrungen wieder Stundentafeln und Fachanforderungen folgen. Doch sind vor allem Lehrkräfte mit Vorerkrankungen verunsichert.

28.000 Lehrer hat das Land; zum Ende des vergangenen Schuljahres waren gut 1.600 Pädagogen vom Präsenzunterricht freigestellt, 780 haben nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) als Angehörige einer Risikogruppe ärztliche Atteste vorgelegt, um weiterhin nicht vor der Klasse Präsenzunterricht halten zu müssen; gerade einmal 32 dieser Atteste habe die Betriebsärztin des Bildungsministeriums nach Angaben der GEW anerkannt.

In den Augen der Gewerkschaft könne von sorgfältiger Prüfung daher keine Rede sein. Dem widerspricht der Sprecher des Bildungsministeriums, David Ermes: Ob Lehrkräfte vor der Klasse oder aus der Distanz arbeiten müssen, richte sich nach individuellen und konkreten Risikoabschätzungen. Unmittelbar vor den Ferien sei die Lage in Schleswig-Holstein relativ entspannt gewesen, so Ermes.

Die Situation nach den Ferien wird je nach Lage neu zu bewerten sein - und die Situation der Lehrkräfte wird selbstverständlich sorgfältig durch unsere Betriebsärzte geprüft.
David Ermes, Sprecher des Bildungsministeriums Schleswig-Holstein

Elternvertreter: Fehlende Mindeststandards für Unterricht auf Distanz

Verschärft sich das Infektionsgeschehen in der nächsten Woche weiter, dürfte das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen sein, wer vor den Schülern an der Tafel steht. Dringend empfiehlt das Ministerium älteren Kindern mindestens in den ersten zwei Schulwochen Mund-Nase-Bedeckungen auch im Unterricht zu tragen, damit sie nicht aus dem Urlaub eingeschleppte Viren im Klassenzimmer verbreiten.

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Doch auch die Elternvertreter finden ihre Erwartungen im Konzept der Bildungsministerin nicht erfüllt:

Wir fordern Mindeststandards und Regelanforderungen für den Unterricht auf Distanz sowie Verlässlichkeit, um Vergleichbarkeit zwischen allen Schulen und Klassen sicher zu stellen.
Claudia Pick, Mitglied der AG der Landeselternbeiräte in Schleswig-Holstein

Und das mit Blick auf den Fernunterricht, sollte Corona den Unterricht im Klassenzimmer nochmal stören.

Ministerium: Digitale Schulplattform soll helfen

Zu vage erscheinen den Elternvertretern auch Aussagen zur Einführung einer landesweit einheitlichen digitalen Schulplattform: Über 440 der fast 800 öffentlichen Schulen haben nach Ministeriumsangaben bisher Interesse an der Plattform angemeldet.

Ab Schuljahresbeginn will das Ministerium das neue Lernmanagementsystem schrittweise einführen und Kapazitäten schaffen, um pro Woche bis zu 100 Schulen damit auszustatten. In den nächsten Tagen stehen weitere Gespräche zwischen Ministerium und Elternvertretern an.

Stresstest fürs Schulkonzept könnte schon bald kommen

Aktuell nehmen die Infektionszahlen in Schleswig-Holstein zu - gut möglich, dass das neue Schulkonzept schon bald einem ersten Stresstest ausgesetzt ist. Dann wird sich zeigen, ob unter anderem die Einteilung der Kinder in Kohorten, die bekannten Hygiene- und Abstandsregeln, Zutrittsverbote bei Krankheitssymptomen und 15 Millionen Euro allein an Landesmitteln für die Gewährleistung hygienischer Standards ausreichen, um im neuen Schuljahr die Bildung der Kinder und die Gesundheit aller in der Schule zu gewährleisten.

Henner Hebestreit ist Korrespondent im ZDF-Landesstudio Schleswig-Holstein.

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