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Wie die Eidgenossen der Krise trotzen

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Das Coronavirus in der Schweiz - Wie die Eidgenossen der Krise trotzen

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In Deutschland wird oft über unvernünftige Menschen in der Corona-Krise geschimpft - in der Schweiz ist das kein Thema. Die Eidgenossen nehmen die Maßnahmen im Land ernst.

Coronavirus in der Schweiz: Plakat des des schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit
Mit einem Präventionsplakat zum Coronavirus - hier in einem Wohnraum im schweizerischen Daillens - appeliert das schweizerische Bundesamtes für Gesundheit an die Bürger.

Was in Deutschland der "Föderale Flickenteppich genannt wird, heißt in der Schweiz der "Kantönligeist". Die 26 Kantone der Föderation legen Wert auf ihre Eigenständigkeit und haben auch zu Beginn der Corona-Krise unterschiedliche und reichlich unkoordinierte Maßnahmen zum Schutz der Kantonsbevölkerung ergriffen.

Doch die schnelle Verbreitung des Virus im Kanton Tessin - an der Grenze zu Italien - und die dramatische Situation dort, haben die Regierung in Bern bereits am 16. März zu gravierenden Maßnahmen veranlasst. Sie stufte die Situation als "Außerordentliche Lage" ein.

Schweizer Armee wird mobilisert

Zur Unterstützung beschloss die Regierung außerdem "die größte Mobilmachung der Armee seit dem zweiten Weltkrieg. "Wir müssen" sagte Verteidigungsministerin Viola Amherd "alle Mittel einsetzen, die uns zur Verfügung stehen. Denn wir können nicht warten, bis nichts mehr geht."

Bis zu 8.000 Soldatinnen und Soldaten sollen bis Ende Juni im Gesundheitswesen, im Sanitätsbereich, bei logistischen Aufgaben und im Sicherheitsbereich unterstützen. Dazu wird die Grundausbildung verlängert.

Milizangehörige wurden per SMS aufgefordert, sich zu melden. Schon in den ersten zwanzig Minuten haben fast 80 Prozent das auch getan. Die Unterstützung kann bei Bedarf von den Kantonen abgerufen werden. Es werden also keine Truppen "auf Vorrat" mobilisiert - aber die Vorbereitungen sind getroffen.

Ausgangssperre schützt uns nicht - so ein Minister

Die beschlossenen Maßnahmen, erläutert Gesundheitsminister Alain Berset, "kommen einer Ausganssperre sehr nahe." Und: "Es ist nicht die Ausgangssperre, die uns schützt, es ist unser Verhalten, das uns schützt".

Zur Freiheit der Menschen gehöre nun einmal die Bewegungsfreiheit. Aber diese Freiheit werde auf lange Zeit eingeschränkt, das Leben der Gesellschaft verlangsamt sein. Eine Ausgangssperre habe die Regierung diskutiert und verworfen. "Wir machen keine Spektakelpolitik". Und der Blick in die Nachbarländer zeige, dass zu strenge Bestimmungen bei der Bevölkerung eher zu einer Gegenreaktion führen könnten.  

In der Coronakrise nehmen die Schweizer ihre Eigenverantwortung ernst

Der Wille zur Selbstbestimmung ist ein wichtiger Teil des Schweizer Selbstverständnisses. Selbstbestimmung aber verlangt auch Eigenverantwortung. Und die leben die Bürgerinnen und Bürger in diesen schwierigen Tagen mit neuem Ernst.

Sie halten sich an die Maßnahmen - und wer im Supermarkt den Mindestabstand nicht einhält, wird nicht nur von der Kassiererin hinter der Plexiglasscheibe angewiesen, das unverzüglich zu korrigieren.

"Surreal" ist das Wort der Stunde

Nachbarn grüßen sich über die Hecke und an Spielplätzen und Promenaden wird erörtert, wer den Vortritt erhält, wenn zwei dreiköpfige Gruppen das Gelände betreten möchten - auf dem sich nur fünf Personen aufhalten dürfen.

"Surreal" ist das Wort dieser Tage. Doch Pragmatismus und Verständnis für die Notwendigkeit der Beschränkungen bestimmen die Gespräche und auch die Stimmung im Land.

"Genau das hat die Schweiz immer ausgezeichnet", sagt Bundespräsidentin Simonetta Sommeruga in einem offenen Brief an die Bevölkerung. "Wenn es darauf ankommt, sind wir mehr als 26 Kantone und 8,5 Millionen Menschen. Wir sind ein Land. Und wir sind füreinander da."

Ärzte und Krankenschwestern am 22.04.2020 in einem Krankenhaus in Barcelona
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