ZDFheute

Reagiert die Schweiz zu spät?

Sie sind hier:

Stärkere Corona-Maßnahmen - Reagiert die Schweiz zu spät?

Datum:

Der Schweizer Bundesrat hat einheitliche Maßnahmen gegen den starken Anstieg der Infektionen mit dem Coronavirus beschlossen. Bisher waren hauptsächlich die Kantone verantwortlich.

Menschen tragen Masken an einer Berner Bushaltestelle
Die Maskenpflicht gilt in der Schweiz neben allen öffentlich zugaenglichen Raeumen auch an den Bus- und Tramhaltestellen.
Quelle: dpa

In der Schweiz steigt die Zahl der Corona-Infizierten rasant an. Allein über das vergangene Wochenende verzeichnete das Bundesamt für Gesundheit 8.705 Neuansteckungen, seit Beginn der Pandemie haben sich insgesamt rund 83.100 Menschen infiziert. Zehn der 26 Schweizer Kantone werden inzwischen als Risikogebiete eingestuft. Nun reagierte der Bundesrat mit einer Verstärkung der Maßnahmen – und das landesweit.

Maskenpflicht wurde ausgeweitet

Seit dem Wochenende sind nun Zusammenkünfte von mehr als 15 Personen auf öffentlichen Plätzen verboten. Bei privaten Feiern mit über 15 Teilnehmern gilt Maskenpflicht. Und auch in allen öffentlich zugänglichen Einrichtungen, darunter zum Beispiel Restaurants, Geschäfte, Bibliotheken und Kirchen, aber auch Bahnhöfe oder Bushaltestellen, ist das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes nun in der gesamten Schweiz Pflicht.

In ganz Europa steigen die Corona-Fallzahlen rasant an. Wie die Menschen vor Ort mit dem Infektionsgeschehen umgehen, berichten unsere Korrespondenten aus Italien, Polen und der Schweiz.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Bisher handhabten die einzelnen Kantone den Umgang mit dem Virus auf eigene Faust. Das Ergebnis: ein "Gstürm", also ein Durcheinander auf nationaler Ebene, wie die Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga das Vorgehen bezeichnete. Doch dass die Kantone lange Zeit selbst über Corona-Maßnahmen entscheiden konnten, hat seine Gründe. "Die Kantone konnten die Situation vor Ort sehr gut einschätzen und viel spezifischer eingreifen als der Bund", erklärt Jonas Montani, Sprecher des Bundesamts für Gesundheit, gegenüber dem ZDF.

Problem inzwischen landesweit

Nun jedoch sieht die Lage anders aus. Nationale Regelungen seien zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll, sagt Lukas Engelberger, der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz:

Wir haben heute schweizweit ein Problem und nicht mehr nur in einzelnen Regionen.
Lukas Engelberger, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz

Der Bundesrat betonte, dass es sich dabei nicht um einen zweiten Shutdown handele: "Wir versuchen, den Mittelweg zu gehen und zu vermeiden, dass wir am Ende bei sehr einschneidenden Maßnahmen landen", sagt Gesundheitsminister Alain Berset. "Maskenpflicht ist nicht angenehm, das ist mir klar. Aber sie erlaubt, weiterhin ins Museum, in Geschäfte oder Restaurants zu gehen."

Archiv: Passagiere werden am Flughafen Rom-Ciampino, Italien, auf den Coronavirus getestet

Welche Regionen sind betroffen? -
Das sind die Corona-Risikogebiete in Europa
 

Das Robert-Koch-Institut hat weitere Corona-Risikogebiete in Europa ausgewiesen - ganz Italien und Schweden gehören auch dazu. Welche Regionen noch betroffen sind - ein Überblick.

Wirtschaft nimmt Regelungen positiv auf

Für die Wirtschaft seien die Regelungen bisher nicht besonders einschneidend, so eine Sprecherin des Gewerbeverbands SGV gegenüber dem ZDF. Dass die nationalen Regelungen das kantonale Durcheinander nun ersetzen, bewertet sie positiv: "Durch die einheitliche Maskenpflicht verhindert man zum Beispiel, dass Menschen aus Kantonen mit Maskenpflicht zum Einkaufen in Kantone ohne Maskenpflicht fahren."

Bei einzelnen Gewerbetreibenden hingegen verstärkt die aktuelle Situation die finanziellen Sorgen: "Wir haben sowieso schon nur 50 Prozent Einnahmen, während wir 100 Prozent der Kosten decken müssen", klagt Fredy Knie, Besitzer des Zirkus Knie. Die Bar- und Clubszene appelliert zudem an die Bevölkerung, die Corona-Warn-App in den nächsten Wochen verstärkt zu nutzen.

Verhindern will man vor allem eine Situation wie im März – und damit den nationalen Lockdown. Vor diesem Szenario warnt auch Tanja Stadler, Professorin für Biostatistik an der ETH Zürich. Sie verweist auf die Folgen der steigenden Infektionszahlen für die Schweizer Bevölkerung. Momentan würden in der Schweiz ungefähr 40 Corona-Erkrankte pro Tag ins Krankenhaus eingewiesen.

Das letzte Mal hatten wir diese Zahlen Anfang März. Das war eine Woche vor dem Lockdown.
Tanja Stadler, Professorin für Biostatistik
Ein Modell eines Körpers mit Organen.

Nachrichten | Panorama -
So kann Corona dem Körper schaden
 

Diese direkten und indirekten Schäden kann das Virus anrichten

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Infografik: Wo ist die Corona-Pandemie auf dem Rückzug?

Aktueller Tracker für Landkreise -
Wo ist Corona auf dem Rückzug?
 

Wo steigt die Corona-Inzidenz in Deutschland, wo sinkt sie? In unserem tagesaktuellen Tracker sehen Sie, wie …

von Robert Meyer
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.