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Corona: Nur noch 60plus in Quarantäne?

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Was nach Ostern kommt - Corona: Nur noch 60plus in Quarantäne?

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Die Älteren bleiben in Quarantäne, die Jüngeren gehen wieder zur Arbeit? Ein Zwei-Stufen-Modell könnte den Corona-Shutdown ab 20. April ablösen. Doch die Politik ist skeptisch.

Alle Neuigkeiten des Tages zur Corona-Epidemie.

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Andreas Stang hat alle Covid-19-Statistiken ausgewertet. Wer ist in Italien, Spanien und den USA erkrankt, wer ist gestorben? Fazit: "Das Risiko ist bei den Älteren dramatisch höher als bei den Jungen", sagt der Leiter des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie am Universitätsklinikum Essen.

Schon die ab 60-Jährigen seien "als Hochrisikogruppe einzuschätzen", sagt Stang, der außerdem Ärztlicher Leiter des Landeskrebsregisters in Nordrhein-Westfalen ist.

Zweites Risiko: Vorerkrankungen. Allein in Italien hatten:

  • 30 Prozent der Infizierten eine Herzerkrankung
  • 36 Prozent Diabetes
  • 20 Prozent litten an Krebs.

Stang schlägt deswegen vor, die Älteren länger zu isolieren als die Jüngeren. "Wir haben keine Wahl. Wir können den Shutdown ja nicht über ein dreiviertel Jahr weiter laufen lassen."

Merkel und die Länderchefs: Planung nur in Etappen sagt Shakuntala Banerjee

Die aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen in Deutschland sollen bis nach den Osterferien aufrechterhalten werden. ZDF-Korrespondentin Shakuntala Banerjee schätzt die Situation ein.

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Wiedereinstieg: Erst bis 50, dann bis 59 Jahre?

Bis nach Ostern haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten die strengen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie verlängert. "Die Menschen verstehen das", so Merkel. Eine Perspektive für danach sei derzeit unmöglich. Stang schlägt für die Zeit danach vor, stufenweise vorzugehen. Erst sollten alle unter 50-Jährigen wieder arbeiten dürfen. Bleibt nach vier Wochen die Zahl der Neuinfektionen konstant oder geht zurück, die bis 59-Jährigen. Nach weiteren vier Wochen "kann man entscheiden, wann die soziale Isolation für die restliche Risikogruppe" aufgehoben werden kann, so Stang.

Den Stufenplan mit größeren Härten für die Älteren hält er für legitim. Zum einen weil sich auch sonst in der Medizin Prävention am Risiko orientiert. "Wir machen Hautkrebsscreening ab 35 Jahren und Mammographiescreening ab 50 Jahren", sagt Stang. Und zum anderen, weil die Alternative der längere Shutdown für alle wäre. Der aber "führt zu einer wirtschaftlichen Rezession, die schwere gesundheitliche Folgen hat", sagt Stang. Arbeitslosigkeit führe zu erhöhten Krankheitsraten bis hin zu höherer Sterblichkeit.

Wenn wir eine Rezession von zwei bis drei Jahren mit Millionen neuen Arbeitslosen in Kauf nehmen, dann erzeugen wir mehr Todesfälle.
Andreas Stang

Ethikrat fordert Balance

Der Ethikrat sieht das ähnlich. Schon jetzt gebe es "Solidaritätskonflikte", sagt der Vorsitzende Peter Dabrock. "Es ist ja nicht so, dass wir nur auf der einen Seite die Corona-Kranken und die Risikogruppen haben", sagt Dabrock. Auf der anderen Seite verzichten die Menschen auch auf viele Dinge, "die zu massiven Traumatisierungen führen können". Der Verlust der Existenz beeinträchtigt die "Lebensqualität von Menschen für viele Jahre" und könne "auch Leben kosten". Deswegen, sagt Dabrock, "müssen wir jetzt nachdenken, wie können wir das verantwortungsvoll balancieren."

Für die Parteien scheint eine längere Quarantäne für Ältere und Vorerkrankte derzeit keine Option. "Allein das Alter als Abgrenzungskriterium zu nehmen, verbietet sich aus meiner Sicht", sagt Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Maag beruft sich auf Zahlen des Robert Koch-Instituts: "Es kann auch bei jungen Patienten ein schwerer Krankheitsverlauf auftreten." Welche Kombinationen von Risikofaktoren und Lebensumständen ein besonders hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei Covid19 darstellen, seien "noch nicht hinreichend bekannt". Derzeit seien Kontaktbeschränkungen "das einzige, was im Moment ganz sicher ist".

SPD: Längerer Schutz "denkbar"

Auch Koalitionspartner SPD tritt auf die Bremse, verspricht aber: "Wenn es möglich sein wird, die Maßnahmen zu lockern, werden wir alle Vorschläge und Konzepte genau prüfen", sagt Vize-Fraktionschefin Bärbel Bas. Allerdings: All die jetzt diskutierten Ideen könnten "in zwei Wochen schon wieder andere sein". Noch seien die Informationen nicht ausreichend, um eine Entscheidung zu treffen. Gibt es sie, sagt Bas, "halte ich es heute für denkbar, dass wir Menschen mit höherem Risiko besonders und länger schützen müssen. Dazu würden dann nach heutigem Kenntnisstand auch ältere Menschen beziehungsweise solche mit Vorerkrankungen gehören".

Die österreichische Regierung hat im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie die Maßnahmen verschärft, unter anderem ist ein Mundschutz ab jetzt beim Einkauf Pflicht. Die Masken sollen vor Ort in den Märkten ausgegeben werden.

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Selbst die FDP, die als erste einen Plan für das Ende des Shutdowns gefordert hatte, bleibt vorsichtig. Es wäre "leichtsinnig, wenn man die Älteren und die Hochrisikopatienten isoliert, der Rest lebt normal weiter und denkt: Wenn ich mich infiziere, wird es harmlos sein", warnt Andrew Ullmann, Obmann im Gesundheitsausschuss und Professor für Infektiologie. Zwar sei die Sterblichkeit bei den Jüngeren geringer, aber "schwere Verläufe und Folgeerkrankungen gibt es bei ihnen genauso". Und dann:

Dann bricht unser Gesundheitssystem zusammen.
Andrew Ullmann (FDP)

Herdenimmunität immer später

Epidemiologe Stang sieht bei der Totalabschottung jedoch eine Gefahr. Wenn, wie vorausgesagt, sich 60 bis 70 Prozent mit Covid19 infizieren werden, dann wird der Zeitraum bis die Mehrheit immun gegen Covid19 ist, immer länger. "Je länger der Shutdown besteht, desto länger wird es dauern, bis die Herdenimmunität erreicht ist", warnt Stang.

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