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Irans Bürger sind verzweifelt

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Kaum Corona-Tests oder Schutz - Irans Bürger sind verzweifelt

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Gerüchte über Massengräber, keine ausreichende Gesundheitsversorgung für Corona-Patienten und Angst vor Ansteckung und Armut lassen die Menschen im Iran verzweifeln.

Taxifahrer in Teheran (Iran) warten auf Gäste, aufgenommen am 02.03.2020
Kaum Kundschaft, kein Corona-Schutz - nicht nur Taxifahrer verzweifeln im Iran und hoffen auf Hilfen der Regierung. (Archivfoto 02.03.2020)
Quelle: epa

Offiziell zählen die iranischen Behörden knapp 76.389 Covid19-Infizierte, von denen bisher knapp 4.777 gestorben sein sollen. Jeder weiß, die Zahlen können nicht stimmen. EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich oder die USA können bisher nicht ausreichend testen - der von UNO-Sanktionen wirtschaftlich zermürbte Iran kann das schon gar nicht.

Arbeiten ohne Schutzausrüstung

Natürlich habe ich Angst, meine Frau und die drei kleinen Kinder anzustecken.

Ali Merizadi (Name geändert) geht jeden Tag mit einem flauen Gefühl zur Arbeit. Der 45-Jährige kontrolliert zwischen 5 und 14 Uhr Fahrscheine im öffentlichen Nahverkehr von Teheran. Er wisse, dass er in dem Job besonders gefährdet sei, sich zu infizieren. "Natürlich habe ich Angst, meine Frau und die drei kleinen Kinder anzustecken."

Als einziger Ernährer der Familie habe er jedoch keine andere Wahl, als für die umgerechnet 88 Euro pro Monat zur Arbeit zu gehen. Für einen Mundschutz müsse er selbst sorgen, berichtet Merizadi. Die Teheraner Busgesellschaft stelle keinerlei Schutzutensilien zur Verfügung.

"Aber deshalb nicht zur Arbeit zu gehen, hieße, neben dem Job noch die Krankenversicherung zu verlieren". Von Seiten der Regierung höre er nur Worthülsen. Sein Wunsch: "Wie in anderen Ländern sollte auch unser Land arme Familien in der Not finanziell unterstützen."

Frauen in Teheran mit Mundschutz

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von Kamran Safiarian

Volk leidet unter Sanktionen

Im Moment schwirren durch den Iran Gerüchte über Massengräber und eine Todeszahl von deutlich über 20.000. Beides lässt sich auch aufgrund der rigiden Informationspolitik des Landes weder belegen noch dementieren. Die Skepsis gegenüber den offiziellen Zahlen steigert die kollektive Angst.

Das einfache Volk hat ohnehin schon seit Jahren an den Folgen der Sanktionen zu leiden. Durch Corona addieren sich weitere existentielle Probleme hinzu. Viele Iraner fürchten jetzt, durch das US-Embargo im Falle einer ernsten Erkrankung weder auf Medikamente, noch auf Beatmungsgeräte hoffen zu dürfen.

Sterberaten aus Ländern wie Italien und Frankreich sprechen sich auch im Iran herum. Der Taxifahrer Akbar Madadi (Name geändert) benutzt ein Bild, das an den Hund auf der Jagd nach dem falschen Hasen erinnert: "Je schneller ich renne, desto rasanter steigt die Inflation". Der Mann berichtet, in seinem Wagen momentan sieben Tage die Woche Ausschau nach Kundschaft zu halten.

Weiter Taxifahren aus Angst vor Armut

Wohl in der ganzen Welt warten Taxifahrer länger, als sie fahren. Doch seit der Krise verbringt Akbar weit mehr Zeit am Straßenrand als vorher. Die Nachfrage für die Chauffeurdienste des 60-Jährigen sank in den letzten Wochen rapide. "Ich verdiene zwei Drittel weniger als noch Mitte März". Von morgens um sechs bis um Mitternacht kann er auf seinem Fahrersitz nicht wirklich den Schlaf nachholen, den er nachts versäumt. Auf mehr als drei, vier Stunden, die er tatsächlich durch Teheran rolle, komme er nicht.

Trotz der miserablen Aussicht und der Furcht vor einer Infektion gilt für Akbar, "ich kann auf keinen Fall zu Hause bleiben". Denn im Gegensatz zum Einkommen sei weder die Rate für den Kredit seines Taxis, noch die Miete der Wohnung gesunken. Er habe vier Kinder. Zwei studierten. Die Gebühren für die Universität müsse er ebenfalls bezahlen. Akbar resümiert: "Die meisten Familien leiden seelisch und finanziell. Der Staat lässt uns alleine."

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