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Warum der Norden anders mit dem Virus umgeht

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Kampf gegen Corona - Warum der Norden anders mit dem Virus umgeht

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Die Skandinavier setzen im Kampf gegen Corona mehr auf Eigenverantwortlichkeit als andere europäische Länder. Ihre Regeln sind teils liberaler - sie haben aber auch einen Vorteil.

Die Statuen am Hauptbahnhof in Helsinki tragen Masken
Die Statuen am Hauptbahnhof in Helsinki tragen Maske. Finnland setzt auf Empfehlungen statt Verbote - und hat niedrige Corona-Zahlen.
Quelle: ZDF

Einreisebeschränkungen, Schutzmasken, Abstandhalten. Es sind dieselben Maßnahmen wie in allen anderen europäischen Ländern. Und auch in Skandinavien verschärfen die Regierungen gerade die Maßnahmen, die dem Virus den Garaus machen sollen. Laute Proteste und Demonstrationen gibt es in den fünf nordischen Ländern bisher jedoch nicht.

Eigenverantwortung als Selbstverständlichkeit in Dänemark

Grundlage aller Beschlüsse bleibt auch im Corona-Herbst das für Nordeuropa typische Prinzip der Eigenverantwortlichkeit - in unterschiedlicher Auslegung. Søren Riis Paludan, Professor für Biomedizin an der Universität von Aarhus, beschreibt es für Dänemark in einem Interview mit der "Financial Times" so: "Entscheidend war und ist in den nordischen Ländern die öffentliche Akzeptanz der Verhaltensempfehlungen." Außerdem:

Leute zu zwingen, Masken auf der Straße zu tragen, würde nicht funktionieren. Für Dänen und andere Skandinavier müssen die Empfehlungen Sinn machen, damit sie sie befolgen.
Søren Riis Paludan, Professor Universität von Aarhus

Zum Thema Masken fügt Paludan hinzu: "Es ist für Dänen sehr wichtig, das Gesicht des Gegenübers zu sehen, um Vertrauen zum Gesprächspartner aufbauen zu können. Deshalb sind vor zwei Jahren doch auch vom dänischen Parlament die Burka und andere Komplettverhüllungen verboten worden. Und nun Maskenpflicht? Eine komplizierte Geschichte."

"Wer schon im Land ist, kann bleiben", so ZDF-Reporterin Heike Kruse über den Einreisestopp in Dänemark. Deutsche Urlauber dürfen ab morgen nicht mehr einreisen.

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Trotzdem muss in Dänemark seit kurzem in öffentlichen Verkehrsmitteln und gastronomischen Betrieben ein Mundschutz getragen werden. Undenkbar war das noch im Sommer.

Schwedens liberale Strategie

Noch viel "skandinavisch-liberaler" als Dänemark war von Anfang an Schweden. Begründung für den schwedischen Weg der Corona-Bekämpfung, das Land möglichst nicht zu "schließen": Der Schutz vor Covid-19 müsse immer gegen andere Risiken für die Gesundheit abgewogen werden.

So könne ein landesweiter Lockdown in der Bevölkerung  psychische Schäden anrichten und Schwerstkranke könnten sterben, weil sie sich nicht mehr ins Krankenhaus trauten. Ähnliches gilt für die Bildungspolitik: Kinder hätten ein Recht auf Bildung und Homeschooling werde diesem Anspruch nicht ausreichend gerecht.

Großes Vertrauen in den Staat

Der Staatsepidemiologe der Obersten Schwedischen Gesundheitsbehörde, Andres Tegnell, setzt in einem ZDF-Interview auf Kontinuität der Maßnahmen trotz steigender Fallzahlen:

Wir machen nun fast alles so weiter wie bisher. Dadurch bekommen wir bessere Ergebnisse, weil die Leute sich nicht ständig an neue Maßnahmen gewöhnen müssen.

Der Vorteil, so Tegnell: "So halten sie sich viel besser an die Maßnahmen. Und es kann sein, dass es nach den hohen Infektionszahlen im Frühling mehr Menschen gibt, die nun immun sind."

Seit Beginn der Corona-Krise verfolgt Schweden eine liberale Strategie zur Bekämpfung des Virus. Schwedens Weg ist im Ausland jedoch sehr umstritten, was wiederum Folgen für die nationale Tourismusbranche hat.

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Das Vertrauen in die Gesundheitsbehörde ist jedenfalls unverändert groß. Im September gaben knapp zwei Drittel der Schweden in einer Studie an, dass sie hohes Vertrauen in die Behörden und den Umgang mit dem Coronavirus hätten.

Finnland: Empfehlungen statt Verbote

Auch in Finnland ist traditionell das Vertrauen in die Regierung groß. Empfehlungen statt Verbote - das nordische Prinzip der Eigenverantwortlichkeit führt zu mehr Gelassenheit im Alltag mit dem Virus: "Die da oben machen das schon richtig", denkt die Mehrheit der Skandinavier und Finnen.

Hinzu kommt die Nähe der Politiker zu den Menschen. In Norwegen erfreut sich eine regelmäßige TV-Fragerunde zum Thema Corona großer Beliebtheit: Ministerpräsidentin Erna Solberg beantwortet Fragen von Schulkindern.

Island: Wenig Vertrauen in Corona-Politik

Nur Island schert ein wenig aus. Nach einer aktuellen Umfrage ist das Vertrauen der Isländer in die Corona-Politik ihrer Regierung von 70 Prozent im Frühjahr auf nur noch 25 Prozent im Herbst gesunken. Die Einführung strikterer Maßnahmen führte offensichtlich zu steigendem Unmut.

Viel Land - wenig Menschen

Für alle nordischen Staaten gibt es noch eine Gemeinsamkeit, die die Bekämpfung der Pandemie leichter macht: Eine geringe Bevölkerungsdichte. Während in Deutschland 233 Menschen auf nur einem Quadratkilometer leben, sind es etwa in Finnland gerade mal 18 Personen. Da hat das Virus nicht immer, aber oft viel weniger Chancen, sich zu verbreiten.

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