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Spanien und Frankreich - Warum Corona wieder den Süden Europas trifft

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Auch in Deutschland steigen wieder die Corona-Infektionen - jedoch lange nicht so drastisch wie in Spanien und Frankreich. Woran liegt das?

In Spanien und Frankreich herrscht wieder Corona-Alarm. In Spanien ist die Zahl der bestätigten Corona-Fälle auf mehr als 500.000 gestiegen.

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In Europa steigen die Corona-Zahlen wieder an. Während sie sich in Deutschland im Sieben-Tage-Schnitt wieder um 1.200 eingependelt haben, schießen die Zahlen in Teilen Südeuropas drastisch in die Höhe. Spanien verzeichnet in der vergangenen Woche laut Johns-Hopkins-Universität durchschnittlich 9.000 Infektionen pro Tag, Frankreich etwa 6.880.

"Seit 15 Tagen steigt die Patientenzahl exponentiell an", erklärt Lionel Velly, Arzt aus Marseille. "Das könnte uns ans Limit bringen." In Spanien steht der Schulstart an und könnte für weitere Neuinfektionen sorgen.

Doch wieso ist der Süden wieder ungleich härter betroffen als Deutschland? Gibt es überhaupt große Unterschiede bei Verhaltensweisen und politischen Maßnahmen?

Mehr Tests

In Spanien und Frankreich wird zurzeit häufiger getestet als zu Beginn der Pandemie. Wurden in Frankreich Ende Mai binnen einer Woche noch weniger als 40.000 Menschen getestet, waren es in der Woche vom 24. bis 30. August mehr als 850.000. Spanien macht zurzeit knapp 50.000 PCR-Tests pro Tag, Ende März waren es etwa 200.000 pro Woche.

"Je mehr ich teste, desto mehr finde ich auch", erklärt Virologe Martin Stürmer. Das sei jedoch nur die halbe Wahrheit. "Einen gewissen Anstieg kann man dadurch erklären, aber der Anstieg im Vergleich zu den Testkapazitäten ist schon überproportional." Auch Deutschland steigere zuletzt die Tests auf mehr als 1.000.000 pro Woche, verzeichne aber weiterhin geringere Fallzahlen.

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Tourismus

Spanien und Frankreich sind touristische Hotspots und beherbergen EU-weit mit Italien die meisten Urlaubsgäste. In Spanien und Italien überwiegt die Zahl der ausländischen Touristen. Umso größer war das Aufatmen, als Grenzen wieder geöffnet und Reisen wieder zugelassen wurden. Stürmer sieht es als Problem, dass erwartet wurde, dass sich im Urlaub jeder so strikt verhält, wie er es auch zuhause tun würde.

"Die Realität war dann, dass viele junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenkommen, um den Kopf freizubekommen", erklärt er. Gerade im Urlaub sei oft leichtsinniges Verhalten an den Tag gelegt worden. "Dadurch wurde das Virus am Urlaubsort verbreitet und wieder in die Heimatländer geschleppt", so Stürmer. Insbesondere von jungen Menschen und Touristen würden Schutzmaßnahmen nicht richtig eingehalten, bestätigt Epidemiologe Gerard Krause.

Lockerungen und Einhaltung der Maßnahmen

Durch die Lockerungen im Sommer sei für viele der Eindruck entstanden, "das Virus sei ja doch nicht so schlimm", so Stürmer. "Wir sagen in Deutschland immer, wir sind disziplinierter, aber so pauschal würde ich es nicht machen."

Man habe auch in anderen Ländern gesehen, dass disziplinierte Maßnahmen zuerst Infektionszahlen gesenkt hätten, ehe durch Tourismus und Feiern vor allem bei jungen Menschen nun wieder ein Anstieg zu verzeichnen sei.

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Gesellschaftliches Leben

Im Süden Europas sei das Zusammenleben deutlich anders als in Deutschland, erklärt Stürmer. Oft lebten viele Generationen unter einem Dach, es gebe zudem einen körperlich betonteren Umgang.

"Beispielsweise sind mediterrane Begrüßungsrituale deutlich enger", sieht der Epidemiologe Gerard Krause eine ähnliche Problematik. So verbreite sich das Virus letztlich auch mehr.

Verhalten zu Beginn der Pandemie wirkt sich aus

"Ein wahrscheinlich hinreichender Grund ist, dass in Frankreich einfach viel mehr Infektionstätigkeit war während der ersten Welle", sagt Virologe Christian Drosten zuletzt in seinem Podcast bei NDR-Info. Deshalb sei möglicherweise im Hintergrund mehr Rest-Infektionsmasse übrig. "Ich glaube, dass es solche Perkolationseffekte gibt und dass die möglicherweise in Frankreich erreicht worden sind und bei uns diese Perkolationsschwelle nicht erreicht worden ist - bisher", so Drosten.

"Wir konnten am Anfang vom Süden lernen", bestätigt Stürmer. Weil zudem etwa Spanien ein stark heruntergewirtschaftes Gesundheitssystem habe, gehe es uns bis heute in der Gesamtzahl der Infizierten deutlich besser. "Wir haben den Vorteil, das wir von einer anderen Grundinfektionsrate ausgehen."

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