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Wie Idlib mit dem Coronavirus umgeht

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Umkämpftes syrisches Gebiet - Wie Idlib mit dem Coronavirus umgeht

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Neun Jahre Krieg und jetzt das Coronavirus: Es trifft Syrien völlig unvorbereitet. Besonders schlimm ist es im umkämpften Idlib. ZDFheute hat mit Menschen dort gesprochen.

Syrien, Idlib: Ein Mitglied des syrischen Zivilschutzes versprüht Desinfektionsmittel in einem Krankenhaus.
Syrien, Idlib: Ein Mitglied des syrischen Zivilschutzes versprüht Desinfektionsmittel in einem Krankenhaus.
Quelle: DPA

"Die Märkte und Straßen in Idlib sind voller Menschen, alle Geschäfte geöffnet - es ist fast so, als gäbe es hier keine Corona-Gefahr": Die 21-jährige Studentin Sarah schildert ZDFheute im Telefongespräch ihre Eindrücke vom aktuellen Geschehen im Nordwesten Syriens, in dem etwa drei Millionen Einwohner und Geflüchtete froh sind über eine Kampfpause.

Karte: Syrien - Idlib - Damaskus
Idlib liegt im Nordwesten Syriens.
Quelle: ZDF

Denn seit kurzem herrscht in der Konfliktregion eine Waffenruhe zwischen den Rebellen und der Armee des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad.

Trügerische Ruhe in Idlib

Sarah ist eine von circa 6,6 Millionen Binnenflüchtlingen in Syrien und hat gemeinsam mit ihren Eltern in einer kleinen Wohnung nördlich von Idlib Unterschlupf gefunden. Die derzeitige Situation empfindet sie als trügerisch - wie die Ruhe vor einem erneuten Sturm.

"Das Leben geht weiter wie zuvor", sagt die 21-jährige Studentin Sarah, die unerkannt bleiben will.

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Es gibt aber auch ganz andere Meinungen. Der Fotograf Izzadin al-Idlebi meint zum Beispiel:

Die Menschen fühlen sich zum ersten Mal seit langem sicher, viele drängt es nach draußen.

Viele Menschen auf engem Raum - so könnte sich das inzwischen fast weltweit gefürchtete Sars-CoV-2 auch in Idlib ideal ausbreiten.

Bislang gibt es dort noch keinen bestätigten Fall. "Die Region ist ja ziemlich abgeriegelt", sagt der Sanitäter Bilal Makhzom. Doch er weiß: Ganz abgeschlossen ist das Gebiet nicht. Es gibt vor allem Warenverkehr mit der Türkei. Auch könnten Soldaten das Virus einschleppen.

Coronavirus könnte Region mit voller Härte treffen

Das mangelnde Gespür in der Konfliktregion für die potenziellen Gefahren des Virus besorgt die Experten der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie befürchten, dass Idlib zur weltweit schlimmsten Corona-Region werden könnte. Das Virus würde die Region völlig unvorbereitet treffen. Es drohe ein "Massensterben".

Fast eine Millionen Menschen sind im Nordwesten Syriens auf der Flucht. Die humanitäre Katastrophe dort wird immer größer. Im letzten großen Rebellengebiet um die Stadt Idlib haben Flüchtende kaum noch Orte zum Leben.

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Im Krieg sind viele Kliniken dort zerstört worden. Es gibt kaum Krankenbetten und Desinfektionsmittel. Der Mangel an Ärzten und Pflegekräften ist gravierend. "Die Leute in den verbliebenen Krankenhäusern arbeiten jetzt schon am Limit", sagt Sanitäter Makhzom. Das beobachtet auch Sarah:

"Die Organisationen sind nicht in der Lage, mit so vielen Menschen umzugehen", sagt Sarah.

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Die Geflüchteten leben auf engstem Raum unter elenden hygienischen Bedingungen - häufig mehr als ein Dutzend Menschen in einem Zelt.

Die Menschen haben gar keine Chance, auf Distanz zueinander zu gehen, um sich zu schützen.
Sarah, Studentin

Inzwischen bestätigte das syrische Gesundheitsministerium erste Corona-Krankheitsfälle im Land. In den Nachbarstaaten gibt es Tausende Corona-Patienten.

In Idlib gibt es erst seit wenigen Tagen erste Corona-Tests. Sollte das Virus die Region erreichen, könnte es dort Zehntausende Menschen das Leben kosten, meint auch der Sanitäter Bilal Makhzom:

Wir können nur beten, dass das Virus nicht zu uns durchkommt. Wir haben ihm hier nichts entgegenzusetzen.

Der Sanitäter berichtet von kaum noch vorhandener medizinischer Infrastruktur. "Der Krieg hat fast alles zerstört." Laut WHO sind in den vergangenen drei Jahren durch Bombenangriffe etwa zwei Drittel der medizinischen Infrastruktur in Idlib vernichtet worden.

In der Region gebe es nur noch etwa 150 Beatmungsgeräte. Allerdings werden die meisten schon jetzt für Patienten gebraucht.

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