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Berechnungen von ZDFheute zeigen - Corona-Testpflicht kostet Millionen pro Woche

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Seit heute gilt die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Jede Woche entstehen dem Staat nun Millionenkosten. Warum besteht Spahn auf die Kostenübernahme?

Corona-Tests für Reisende am Flughafen Düsseldorf, aufgenommen am 27.07.2020
Eine Mehrheit befürwortet verpflichtende Corona-Tests für Reise-Rückkehrer - doch sie sollen die Tests selbst zahlen.
Quelle: Reuters

Seit heute gilt sie also, die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. "Jede bisher unentdeckte Infektion, die wir über diese kostenlosen Tests finden, macht einen Unterschied", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Kostenlos sind diese Tests jedoch nur für Urlauber - nicht für den Staat.

Eine genaue Prognose über die zu erwartenden Kosten ist schwierig, da die vom Robert-Koch-Institut (RKI) ausgewiesenen Risikogebiete sich täglich ändern können. Doch eine einfache Rechnung zeigt die ungefähre Größenordnung:

Tests für Flugpassagiere: Acht Millionen Euro pro Woche

In der 30. Kalenderwoche Ende Juli lag die Zahl der Passagiere, die aus Risikogebieten mit dem Flugzeug nach Deutschland zurückgekehrt sind, bei 120.000. Das ergab eine Umfrage des Flughafenverbands AVD, wie Pressesprecherin Isabelle Polders gegenüber ZDFheute erklärte. Die Zahl dürfte inzwischen geringfügig gestiegen sein, da nach der Erhebung des AVD die Gesamtpassagierzahlen derzeit Woche für Woche leicht steigen.

Die Kosten für einen Test belaufen sich auf 65,50 Euro - 50,50 Euro für das Labor, 15 Euro für den Abstrich. Allein für die Flugpassagiere dürften dem Staat so Woche für Woche Kosten von fast acht Millionen Euro entstehen - Tendenz steigend. Dazu kommen die Test-Kosten für die, die über Land oder mit dem Schiff nach Deutschland einreisen.

Bund übernimmt die Kosten für die Corona-Tests

Durch frühes Testen "können potenziell erhebliche Folgekosten vermieden werden. Nicht zu testen, wäre somit möglicherweise teurer", teilt das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage von ZDFheute mit.

Finanziert werden die Tests zunächst von den gesetzlichen Krankenversicherungen, auch für Privatpatienten. Der Bund übernimmt die Kosten dann aber über einen schon besiegelten höheren Milliardenzuschuss an die Kassen. Wird ein Test durch den öffentlichen Gesundheitsdienst der Länder durchgeführt, tragen die Länder einen Teil der Kosten selbst, wie ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums ZDFheute mitteilt.

Scharfe Kritik an Kostenübernahme

Nach Zahlen des ARD-Deutschland-Trends befürwortet eine große Mehrheit der Deutschen die Pflichttests für Einreisen aus Risikoländern. Doch eine Mehrheit von 57 Prozent ist auch der Meinung, dass die Betroffenen die Kosten selbst tragen sollten.

Und auch aus Spahns eigener Partei CDU hagelt es Kritik: "Der Aufwand für selbst gewählte Risiken kann nicht ständig auf die Gesellschaft abgewälzt werden", zitiert das Nachrichtenmagazin "Spiegel" beispielsweise Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff.

Spahn: "populistischer Ansatz"

Doch Spahn hält an der Kostenübernahme fest: "Von dieser Debatte halte ich nichts", verteidigte er seine Entscheidung:

Das ist in etwa so populistisch wie der Ansatz: 'Wer sich den Ski-Urlaub leisten kann, der kann sich auch das gebrochene Bein leisten'.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Dieser Ansatz stelle die solidarische Krankenversicherung in Frage, so Spahn. Doch es gibt vermutlich noch einen weiteren Grund:

Die Testpflicht lässt sich kaum für alle Rückkehrer kontrollieren. Während es noch vergleichsweise leicht ist, die Einreise aus Risikogebieten bei Flugpassagieren nachzuvollziehen und die Testpflicht durchzusetzen, lassen sich Einreisen über den Landweg weniger einfach überprüfen, vor allem bei Reisenden, die das Auto nutzen. Sind die Tests kostenlos, so offenbar die Hoffnung des Gesundheitsministeriums, lassen auch solche Rückkehrer eher einen Test durchführen, als wenn sie dafür zahlen müssten.

Dem Autor auf Twitter folgen: @OliverKlein

Reisende mit ihrem Gepäck am Flughafen Nürnberg am 01.08.2020
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von Lena Kirfel

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