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Eine Krise des Vertrauens?

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Presse in Zeiten von Corona - Eine Krise des Vertrauens?

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Österreich wird vorgeworfen, zu spät auf Corona reagiert zu haben. ZDF-Reporterin Britta Hilpert machte ungewöhnliche Erfahrungen mit der Pressearbeit der Krisenmanager.

Österreich  - Arbeiter mit Mundschutz entladen Schutzausrüstung für Tirol und Südtirol
Schutzausrüstung für Tirol und Südtirol
Quelle: dpa

"Geschätzte Frau Hilpert", adressiert mich der Pressesprecher des Landes Tirol nur noch - aber ob er das wirklich so meint? Denn unsere Fragen nerven, soviel ist klar, spätestens seit das ZDF von der elektronischen Tiroler Pressekonferenz zur Corona-Krise ausgeschlossen wurde.

"Bzgl. der Zuschaltungen zu den Pressekonferenzen dürfen wir um Verständnis bitten, dass aufgrund der technischen Herausforderungen nur eine bestimmte Zahl an Schaltungen möglich sind. Deshalb werden diese Schaltungen ausschließlich Tiroler Medien angeboten." 

Keine Frage für das ZDF

Als wir dann Kollegen baten, für uns zusätzlich zur eigenen unsere Frage zu stellen, wurde das ebenfalls abgelehnt: "Nur eine Frage pro Medium!", schnitt der Sprecher die kollegiale Hilfestellung ab. Heißt konkret: keine Frage des ZDF! 

Österreichische Polizistin auf Bundesstraße bei St. Anton

Kritik an Krisenmanagement -
Corona in St. Anton: "Keiner wollte es hören"
 

Corona-Quarantäne im Tiroler Skiort St. Anton - vor zwei Wochen wurde sie verhängt. Das Krisenmanagement: schlecht bis rechtswidrig. Was Urlauberinnen und Ärzte erlebten.

von Britta Hilpert

Auch die schriftlichen Fragen wurden bis heute größtenteils nicht beantwortet. Weder von der Landesregierung, noch von den Bundesministerien oder sogar dem Bundeskanzleramt. Das verwies zuletzt auf das Land, das sei zuständig - dort aber, wie gesagt, adressiert man mich zwar als "geschätzte Frau Hilpert“, lässt aber die Fragen unbeantwortet.

Pressearbeit in Krisenzeiten

Es ist Krise. Und es ist auch eine Krise der Verantwortung. Natürlich werden in einer neuen Situation auch Fehler gemacht, das ist nur menschlich. 

Die Aufgabe der Presse aber ist es, nachzuhaken, transparent zu machen. Denn eines ist klar: Fehler sollen sich nicht wiederholen.

Wenn die Verantwortlichen in dieser Situation kritische Nachfragen abbügeln, dann geschieht zweierlei: Vertrauensverlust in ihr Handeln jetzt. Wachsendes Misstrauen gegenüber ihren Entscheidungen in der Vergangenheit.

Das Misstrauen wächst, denn die Erfahrungen bei der Recherche zu dem Krisenmanagement in Tirol in der Corona-Krise sind ungewöhnlich für eine Demokratie. 

Auch für uns Journalisten ist die Verbreitung des Coronavirus eine echte Herausforderung. Unsere Korrespondenten erzählen im Video, was das für sie täglich bedeutet.

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8 min
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Keiner der Mitarbeiter der Gastronomie, mit denen wir sprachen, war bereit, seine Aussagen mit Gesicht und Namen zu verbinden.  Beispielhaft für alle sei dieser zitiert: "Dann gelte ich als Nestbeschmutzer, auch bei meinen Verwandten. Und habe Schwierigkeiten in Tirol wieder einen Job zu bekommen."

Es stimmt nachdenklich, dass in Tirol der Druck, Missstände unter den Tisch zu kehren, so groß zu sein scheint.  Umso wichtiger ist Quellenschutz, in Österreich gesetzlich verankert, und ein wichtige Basis für die Pressefreiheit, die Verfassungsrang hat.

Umso mehr erstaunte mich, wie Ischgl reagierte, als ich sie mit den (anonymisierten) Aussagen der Gastronomie-Mitarbeiter konfrontierte: vor einer Antwort bekam ich eine Mail von der Bezirkshauptmannschaft Landeck:

In diesem Zusammenhang ersuche ich um Übermittlung der Daten (Namen, Adressen, Kontaktdaten, usw.) Ihrer Informanten.

Selbstverständlich lehnte ich das mit Hinweis auf die Rechtslage ab - und grübelte darüber, ob die Bezirkshauptmannschaft den Wert der Pressefreiheit zu schätzen weiß. Sie leitete außerdem meine Anfrage als "Sachverhaltsdarstellung" an die Staatsanwaltschaft weiter. Die ermittelt nun.

Übrigens, auch das sei erwähnt: Der Bürgermeister von Ischgl antwortete - kurz und knapp und alles-von-sich-weisend, aber immerhin. Der Tourismusverband Ischgl engagierte einen Anwalt, der mir antwortete. In St. Anton antwortete der "Krisenstab". Die Bezirkshauptmannschaft Landeck antwortete auch als ich noch zu den Vorgängen in St. Anton recherchierte.

Skiurlauber drängen sich dicht an dicht in einer Apres-Ski Hütte – heute unvorstellbar. Allerdings hätte das Treiben in Ischgl auch schon Anfang März verhindert werden müssen – sagen Mitarbeiter des Ski-Paradieses.

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Der Ort war am 13.3. unter Quarantäne gestellt, der Nachbarort (manche sagen sogar Ortsteil) St. Christoph aber nicht. Dort hatte in der Woche ein Ärztekongress stattgefunden, der zwar abgebrochen wurde wegen der Infektions-Gefahr bei großen Menschenmengen, aber viele Ärzte blieben anscheinend trotzdem noch ein paar Tage. Und einige infizierten sich.

Auf die Frage, warum St. Anton unter Quarantäne gestellt wurde, St. Christoph aber nicht, wo offenbar viele systemrelevante Ärzte anwesend waren, antwortete die Bezirkshauptmannschaft: "Wie Ihnen bekannt sein sollte, gibt es nach jeder Entscheidung ausreichend meist unberechtigte und unqualifizierte Kritik (gerade Ärzten kann man genug Eigenverantwortung und Sachverstand zumuten, dass sie nicht in ein Risikogebiet fahren!!!!)." Und weiter: "Da meine Zeit äußerst knapp bemessen ist, ersuche ich Sie in Hinkunft (sic) die Pressestelle des Landes Tirol zu kontaktieren." 

Die allerdings, wie gesagt, nennt mich nur noch geschätzte Frau Hilpert und beantwortet meine Fragen nicht.

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