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CDU-Politiker zu Tönnies - Fleischkonsum: "Lieber seltener, aber teurer"

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Corona im Schlachthof ist "ein Schlag in die Magengrube", sagt Alois Gerig, Vorsitzender des Agrarausschusses im Bundestag. An schnelle Abhilfe glaubt er aber nicht.

Nach dem großen Corona-Ausbruch bei Tönnies gerät die ganze Schlachtindustrie immer stärker unter Druck. Arbeitsminister Heil kündigt Maßnahmen an, um Missstände zu beseitigen.

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ZDFheute: Der Corona-Ausbruch in Gütersloh ist nicht der erste in einem Schlachtbetrieb. Muss man zuschauen, bis es beim nächsten passiert?

Alois Gerig: Nein, aber leider war es nur eine Frage der Zeit. Was jetzt passiert ist, ist ein Schlag in die Magengrube der ganzen Ernährungsbranche und Landwirtschaft.

ZDFheute: Warum werden die Schlachtbetriebe nicht besser kontrolliert?

Gerig: Das können nur die Behörden vor Ort sagen. Jeder Bäcker, jeder Metzger klagt jedenfalls darüber, dass bei ihnen viele Kontrollen stattfinden.

ZDFheute: Was muss passieren, damit der nächste Ausbruch in einem Schlachtbetrieb verhindert wird?

Gerig: Zunächst sind die Behörden vor Ort, aus den Landkreisen und aus dem Bundesland, gefragt. Natürlich aber auch der betroffene Unternehmer, denn das Kommunikationsverhalten von Tönnies war ja sehr zurückhaltend.

ZDFheute: Sollte Tönnies Schadenersatz zahlen und für die Folgen aufkommen?

Gerig: Er muss auf jeden Fall Verantwortung übernehmen. Die Kommunikation war  mehr als mangelhaft. Er ist gefordert und hat auch einen Ruf zu verlieren

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ZDFheute: Arbeitsminister Hubertus Heil hat vorgeschlagen, das ab Januar geplante Gesetz zum Verbot der Werkverträge vorzuziehen. Sind Sie auch dafür?

Gerig: Ich kann nicht sagen, wie kurzfristig man jetzt neue Strukturen schaffen kann. Dafür braucht es etwas Vorlauf. Es ist ja nicht nur die Fleischbranche betroffen. Diese Arbeitnehmerverleih-Praktik braucht eine generelle Sanierung.

ZDFheute: Die Probleme in der fleischverarbeitenden Industrie sind aber doch lange bekannt. Warum geht das nicht schneller?

Gerig: Wir müssen allen Druck ausüben, diese Missstände abzuschaffen.

Nichtsdestotrotz brauchen wir am Ende Schlachtbetriebe, nicht erst ab 1. Januar, und Mitarbeitende, die bereit sind, diese Arbeit zu machen. Darin liegt ein Problem, denn nur ganz wenige deutsche Arbeitnehmer sind bereit dazu.
Alois Gerig

Aber diese Verantwortungslosigkeit, über drei Ecken Menschen anzustellen und dann am Ende zu sagen, meiner war es nicht, das muss dringend geändert werden.

Das Gegenteil der Fleischindustrie ist die handwerkliche Fleischverarbeitung. Geschlachtet wird von Metzgern und nicht von Billiglöhnern, die im Akkord bezahlt werden und selbst unter prekären Umständen leben.

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ZDFheute: Welchen Druck können Sie im Bundestag machen?

Gerig: Mein Ziel ist, dass wir das Tierwohl-Label von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner durchsetzen, damit der Verbraucher tatsächlich erkennen kann, wo und wie ein Tier gehalten wurde. Und wir müssen die Zentralisierung bei Schlachtstätten und der Tierhaltung in Deutschland entzerren. Es ist überhaupt nicht einsehbar, dass lebende Tiere, egal ob Schweine oder Hühner, von Süddeutschland nach Niedersachsen gefahren werden, nur weil man dort ein paar Cent günstiger ist. Dafür brauchen wir aber den Handel.

ZDFheute: Das ist bislang selten gelungen …

Gerig: Ich habe keinerlei Verständnis, wenn jetzt schon wieder gefordert wird, dass die Preise für Wurst- und Fleischprodukte sinken müssen, weil die Schweinepreise runtergehen. Wir können nicht permanent die Produkte verramschen. Wir brauchen auch beim Verbraucher ein Umdenken:

Lieber weniger zu Fleisch- und Wurstwaren greifen, dafür aber lieber tiefer in die Tasche.
Alois Gerig

Die „Initiative Tierwohl“ und der Lebensmitteleinzelhandel wollen mit einem neuen Label die Lebensbedienungen von Masttieren verbessern. Tierschutzorganisationen kritisieren das neue Schweine-Label.

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ZDFheute: Eine Abgabe pro tierisches Produkt, wie es die Borchert-Kommission vorgeschlagen hat?

Gerig: So ist es. Es wurden etwa 40 Cent pro Kilogramm Fleisch vorgeschlagen. Umgelegt auf die Bürger und den Fleischverbrauch sind das überschaubare Kosten. Ich stehe mittlerweile voll hinter der Abgabe plus das Tierwohl-Label. Es kann nur Hand in Hand gehen.

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von Jan Schneider

ZDFheute: Weder Klöckners Label noch die Borchert-Kommission oder die Zustände in den Schlachthöfen sind neu. Hätten Sie nicht früher eingreifen müssen?

Gerig: Das kann man hinterher immer sagen. Jammern hilft nicht. Jetzt ist es an der Zeit, zügig zu handeln. Politische Prozesse dauern manchmal etwas länger, zum Glück haben wir viele Ansätze schon diskutiert, so dass wir möglichst zeitnah mit der Umsetzung beginnen können.

Das Interview führte Kristina Hofmann.

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