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Hat Trump Recht mit seiner WHO-Kritik?

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Zahlungsstopp der USA - Hat Trump Recht mit seiner WHO-Kritik?

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China-hörig und zu langsam im Krisenmanagement? US-Präsident Trump kritisiert die Weltgesundheitsorganisation und zahlt keine Beiträge mehr. Experten halten das für verfehlt.

Tedros Adhanom Ghebreyesus am 10.02.2020 in Genf
Er steht im Zentrum der Kritik: WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesu (Archivbild)
Quelle: picture alliance/KEYSTONE

Die USA haben angekündigt, ihre Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation WHO einzustellen. US-Präsident Donald Trump warf der WHO vor, sie hätte China dabei unterstützt, die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus im eigenen Land zu verheimlichen und hätte den internationalen Gesundheitsnotstand zu spät ausgerufen.

Mit einem Budget von 5,6 Milliarden US-Dollar für den Doppelhaushalt 2018 und 2019 ist die Weltgesundheitsorganisation WHO eine vergleichsweise kleine Organisation verglichen mit ihren weltumspannenden Aufgaben. Schon die Berliner Charité hat jährliche Gesamteinnahmen von 1,8 Milliarden Euro.

Großmacht-Konflikt auf dem Rücken der Weltgesundheit

Aufgabe der WHO ist es, in globalen Krisen die Koordination höchst unterschiedlicher Gesundheitssysteme vorzunehmen. Sie entwickelt gemeinsame Standards, bringt Forscher und Experten zusammen und führt in den ärmsten Ländern der Welt Impfprogramme durch. Bislang waren die USA größter Geldgeber der WHO. 893 Millionen US-Dollar stellten sie dem zurückliegenden Doppelhaushalt 2018-2019 zur Verfügung.

Chinas Behörden hätten den Ausbruch von Covid-19 mehrere Wochen vertuscht, so der Vorwurf. Dennoch war fast jeder öffentliche Auftritt der WHO gegenüber China voll des Lobes. Besonders an Taiwan zeigt sich, wie die Organisation vor Peking kuscht.

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"Noch ist nicht bekannt, welche WHO-Bereiche vom Zahlungstopp betroffen sein werden. Wenn es auch Corona-Hilfen sind, dann ist es ein Schuss ins eigene Knie", sagt Maike Voss, Expertin für internationale Gesundheit bei der Stiftung Wissenschaft und Politik.

In ihren Augen trage Trump so mitten in der Krise den Konflikt der Großmächte USA und China auf dem Rücken der Weltgesundheit aus.

Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für Schuldzuweisungen. Die WHO muss so gut es geht unterstützt werden.
Maike Voss, Stiftung Wissenschaft und Politik
Ein Computermodell des Coronavirus

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WHO ist auf Unterstützung der Mitgliedsländer angewiesen

Die WHO fahre grundsätzlich keinen konfrontativen Kurs mit Blick auf ihre Mitgliedsstaaten. Das liege auch daran, dass die WHO über keine Sanktionsmöglichkeiten verfüge. "Eine externe und unabhängige Evaluierung ist prinzipiell möglich, die Einzelstaaten müssen dem aber zustimmen. Und das ist in der aktuellen politischen Großwetterlage schwierig zu erreichen", erklärt Voss mit Blick auf häufig pikierte Reaktionen auf Kritik von Staaten wie China oder den USA.

Dr. Andreas Wulf von der Hilfsorganisation Medico International kritisierte die WHO bereits häufig für ihre Abhängigkeit von privaten Geldgebern und Zusammenarbeit mit Pharma-Konzernen. Trumps aktueller Argumentation möchte er aber nicht folgen: "Die Informationspolitik der WHO ist immer nur so gut wie die Informationen, die sie aus den jeweiligen Ländern bekommt."

Präsident Trump hat Zahlungen der USA an die WHO vorerst eingestellt. "Es liegt der Verdacht nahe, dass Trump (…) einen Sündenbock gesucht hat, um von den Versäumnissen der eigenen Regierung abzulenken", so ZDF-Korrespondentin Ines Trams.

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Lob für China damit WHO-Kommission ins Land durfte?

Die WHO-Führung um Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus und Nothilfekoordinator Michael Ryan lobte die Krisenarbeit Chinas im Januar und Februar noch explizit – was auf Unverständnis in vielen Ländern stieß angesichts der Bemühungen Chinas, die Bedrohung herunterzuspielen.

Andreas Wulf sieht die WHO in einem Dilemma gefangen. Damit eine WHO-Kommission im Februar nach China reisen durfte, um endlich eigene Erkenntnisse zu gewinnen, musste die WHO zuerst politisch auf Peking einwirken. "Diese Lob hätte zaghafter ausfallen können", gibt Wulf zu bedenken.

Die Fundamentalkritik Trumps sei Wulf zufolge dennoch überzogen:

Verglichen mit der Ebola-Epidemie 2014 und 2015 hat die WHO ihre Leistung und Kommunikation deutlich verbessert.

Das Ausmaß der Krise liege nun auch daran, dass die einzelnen Mitgliedsstaaten selbst so lange wie möglich gezögert hätten.

WHO braucht mehr Finanzmittel, um kritisch und unabhängig zu sein

"Die WHO bearbeitet ein sehr großes Thema. Ihr müssen dafür aber auch geeignete Mittel zur Verfügung gestellt werden. Viele UN-Organisationen kämpfen mit hohen Erwartungshaltungen an eine weltumspannende Organisation. Viele Mitarbeiter haben aber nur Zeitverträge, viele Fördergelder sind Projektgebunden", gibt Wulf zu bedenken.

Beide Experten sind sich einig, wenn die WHO in Zukunft mehr Kritik an einzelnen Regierungen, Menschenrechtsverletzungen oder Wirtschaftsinteressen üben solle, dann müsse sie finanziell auch dazu in die Lage versetzt werden. "Indem die USA jetzt Zahlungen an die WHO stoppen, geben sie auch Macht über sie ab", so SWP-Forscherin Voss. Die Lücke würden dann andere füllen.

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