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Schützt Boris Palmer wirklich die Alten?

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Tübingens Oberbürgermeister - Schützt Boris Palmer wirklich die Alten?

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Spezielle Einkaufszeiten und kein Busfahren: Tübingens Oberbürgermeister will Senioren vor Corona schützen, indem sie sich einschränken sollen. Die sind wenig begeistert.

Seniorinnen in einem Reisebus.
Eine Busfahrt, die ist lustig? Nicht für Senioren zu Corona-Zeiten, findet Boris Palmer.
Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Es ist still geworden in der Tübinger Altstadt. Seit Anfang November bleiben die meisten Menschen vorwiegend zuhause. Auch im Löwenladen, einem genossenschaftlich betriebenen Supermarkt nahe des Marktplatzes, sind am frühen Nachmittag nur vereinzelt Kund*innen unterwegs.

Besonders ältere Menschen kaufen anders ein als vor der Pandemie.
Andrea Jacobi, betreibt einen Genossenschaftsladen

"Sie kommen seltener, um sich besser vor einer Infektion zu schützen", sagt Andrea Jacobi, Vorstand der Genossenschaft. In Tübingen sollen Senior*innen nun sogar ein spezielles Zeitfenster nutzen, um ihre Besorgungen zu machen - getrennt von jüngeren Menschen.

Das sieht ein Appell des Oberbürgermeisters Boris Palmer vor. "Wir wollen die Alten in der Stadt besonders schützen. Zum Beispiel, indem wir ein Einkaufszeitfenster definieren, in dem die anderen nicht einkaufen", sagt er.  

Der Katalog, der diese Schutzmaßnahmen festlegt, umfasst noch einiges mehr: Statt mit dem Bus zu fahren, sollen Senior*innen zum Beispiel auf spezielle Sammeltaxen oder das Fahrrad umsteigen, um sich so weit wie möglich von Infektionsquellen isolieren zu können.

Auch eine Erstausstattung mit FFP2-Masken stellt die Stadt kostenlos zur Verfügung. Außerdem, so der Appell, sei man Vorreiter darin, vor Besuchen in Alten- und Pflegeheimen Corona-Schnelltests durchzuführen.

Kritik an den Vorschlägen kommt von Senioren

"Man kann darüber streiten, wie sinnvoll diese Maßnahmen sind und ob sie zum richtigen Zeitpunkt kommen", kontert Martin Horn, Oberbürgermeister von Freiburg. In der jetzigen Situation hat er wenig Verständnis für Sonderregelungen. Bundesweit habe man sich gerade erst auf einen gemeinsamen Maßnahmenkatalog für die Lockdown-Phase geeinigt.

Die Menschen wollen Klarheit.
Martin Horn, Freiburgs Oberbürgermeister

Gegenwind erntet Boris Palmer auch aus den Reihen der Senioren selbst. Uwe Bähr, Vorsitzender des Landesseniorenrates, warnt davor, im Zuge der Pandemiebekämpfung jung gegen alt auszuspielen: "Das ist der falsche Weg."

Masken-Kontrolle im ICE

Zu voll, kaum Maskenkontrollen -
Politiker sehen Corona-Gefahr in Bus und Bahn
 

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch fordert in der Corona-Zeit mehr Maskenkontrollen und einen schnelleren Takt bei öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Bahnen seien zu voll.

"Durch Maßnahmen wie gesonderte Einkaufszeiten oder die Forderung, Sammeltaxen statt Bussen zu benutzen, entstehen gesellschaftliche Grabenkämpfe. Das sollte man unbedingt vermeiden.“ Auch Martin Horn sieht das kritisch:

Die Pandemie hat auf jeden Fall spaltendes Potenzial.
Martin Horn, Freiburgs Oberbürgermeister

Durch die erste Welle sind wir in einer gemeinschaftlichen Anstrengung gut durchgekommen. Jetzt werden die gesellschaftlichen Spannungen immer größer."

Stigmatisieren zusätzliche Corona-Angebote?

Die Tübinger Bürger*innen sehen den Vorstoß ihres Oberbürgermeisters unterschiedlich: Uwe Liebe-Harkort, Vorsitzender des Stadtseniorenrats, sieht in den Maßnahmen einen sinnvollen Weg, jene zu schützen, die das Virus besonders bedroht.

Andere fühlen sich in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt: "Für mich ist das nichts", sagt der 75-jährige Tübinger Peter Storz. "Ich bin schon vernünftig genug, um selbst entscheiden zu können, was ich mache."

Man mache mit dem Appell einzig zusätzliche Angebote zu den bestehenden Kontaktbeschränkungen, kontert Boris Palmer. "Wir bieten mehr Schutz für die Älteren. Die Kritik, wir würden diese Gruppe dadurch stigmatisieren, finde ich ziemlich abwegig."

Man sieht verschiedene Menschengruppen, also Cluster, die mit dem Corona-Virus (symbolisch) infiziert sind.

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Wie Corona-Cluster entstehen
 

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