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Wie Erdoğan mit der Krise und Kritik umgeht

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Corona in der Türkei - Wie Erdoğan mit der Krise und Kritik umgeht

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Kein Virus ist stärker als die türkische Nation, so Erdoğan. Wer das hinterfragt, gilt schnell als Verräter. Die Behörden tun Kritik als manipulative Fake-News ab.

Türkische Polizeibeamte halten Autos an und überprüfen die Erlaubnis ihrer Fahrer, aufgenommen am 04.04.2020 in Istanbul
Bislang schreckt die türkische Regierung noch vor allgemeinen Ausgangssperren zurück. Für bestimmte Gruppen gelten aber Beschränkungen.
Quelle: epa

Nie sei es seine Absicht gewesen, Panik zu schüren, erklärt der leitende Arzt Yusuf Savran in einem Twitter-Video Anfang April. Er vertraue den Daten des Gesundheitsministeriums, und sollte er Menschen verunsichert haben, so wolle er sich bei den staatlichen Institutionen und bei seinem Volk öffentlich dafür entschuldigen.

Ein paar Tage zuvor hatte sich das noch ein bisschen anders angehört. Da hatte Savran, Internist am Universitätsklinikum in Izmir, in einem Video davor gewarnt, dass die Türkei wegen des dramatischen Anstiegs der Corona-Infektionen härter getroffen werden könne als Italien.

In der Türkei werden immer mehr Coronavirus-Fälle bekannt. Laut Johns-Hopkins-Universität verdoppelt sich die Zahl der Infektionen dort so schnell wie kaum in einem anderen Land.

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Türkische Behörden gehen hart gegen Kritiker vor

Man kann sicher davon ausgehen, dass der Arzt zu dieser Richtigstellung gedrängt wurde. Solch alarmistische Äußerungen rufen sofort die türkischen Behörden auf den Plan, die unnachgiebig gegen jeden vorgehen, der nach ihrem Verständnis Fake-News verbreitet oder Panik schürt.

Knapp 400 Ermittlungsverfahren wegen "manipulativer Beiträge in den sozialen Medien" im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie seien bereits eingeleitet worden, hatte der türkische Justizminister vor zwei Wochen bereits verkündet. Solch hartes Vorgehen hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Öffentliche Kritik an den Maßnahmen der Regierung ist kaum noch zu hören.

Erdoğans Beschränkungen kommen scheibchenweise

Nach der Einführung des Präsidialsystems im Jahr 2018 könnte der türkische Präsident auch per Dekret regieren. Er hat nahezu uneingeschränkte Macht. Doch obwohl er es könnte, schreckt Recep Tayyip Erdoğan noch davor zurück, sein Volk wegen der Corona-Krise zu Hause einzuschließen.

Noch will er keine allgemeine Ausgangssperre verhängen. Wohl fürchtet er zum einen, dass ein solcher Schritt nicht besonders populär sein könnte. Vor allem aber fürchtet er sicher noch größeren Schaden für die Wirtschaft, als es ihn sowieso bereits gibt.

Welche Auswirkungen die Corona-Krise auf den Tourismus in der Türkei hat, sehen Sie im Video:

Seitdem das Coronavirus die Türkei erreicht hat, schließen auch in Atalya an der türkischen Riviera immer mehr Hotels. Unzählige deutsche Urlauber sind bereits vorzeitig abgereist – tausende Arbeitsplätze in der Tourismusbranche stehen auf dem Spiel.

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So zieht Erdoğan die Zügel alle paar Tage ein bisschen straffer, verhängt in kleinen Schritten immer mehr Einschränkungen für die Menschen. Schulen, Universitäten, Bars, Restaurants, Theater, Kinos und Bazare, sogar die Moscheen sind seit Längerem bereits geschlossen.

Türkische Regierung appelliert an Nationalstolz

Gab es bereits eine Ausgangssperre für Ältere ab 65 Jahren und Risikogruppen, so dürfen seit dem vergangenen Wochenende auch junge Menschen unter 20 Jahren nicht mehr auf die Straße. Erst, als klar wurde, welche Auswirkungen es auf die Wirtschaft, auf Verwaltungen, Krankenhäuser und Betriebe haben würde, wenn diese jungen Arbeiter und Angestellten nicht mehr zur Arbeit kämen, wurden Ausnahmegenehmigungen zugelassen.

Und wie bereits bei den Militäraktionen in Syrien und Anti-Terror-Einsätzen in den Kurdengebieten appelliert der Präsident auch diesmal wieder an das Nationalbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger.

Kritik an der Politik der Regierung käme dem Verrat am eigenen Volk gleich. "Kein Virus auf der Welt", verkündete Erdoğan kürzlich in einer seiner regelmäßigen Fernsehansprachen, "ist stärker als unsere Einheit, Solidarität und Brüderlichkeit". Das türkische Gesundheitssystem befinde sich in hervorragendem Zustand, so Erdoğan. Und wehe dem, der anderes behauptet.

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