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Arbeit und Reisen: Was bleibt von Corona?

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Nachhaltigkeit - Arbeit und Reisen: Was bleibt von Corona?

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Homeoffice, weniger Reisen: Corona ist gut für die Umwelt. Doch ob sich nachhaltig etwas ändert, ist offen. Soziologe Harald Welzer glaubt: nicht beim Reisen, bei der Arbeit schon.

Corona hat unser Leben verändert. Viele reisen weniger, kaufen dafür häufiger online ein. Ein Viertel aller Arbeitnehmer arbeitete zeitweise im Homeoffice. Das könnte so bleiben, auch nach Corona

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ZDFheute: Der Kampf gegen Corona-Pandemie hat viele Routinen verändert, vor allem beim Reisen. Glauben Sie, dass diese Änderungen dauerhaft sein werden?

Harald Welzer: Das ist abhängig von der Entwicklung der Pandemie. Wenn wir jetzt sagen, das Schlimmste ist erst einmal überstanden, werden wir starke Veränderungen bei Geschäftsreisen sehen. Ansonsten, glaube ich, werden die Bürgerinnen und Bürger zu ihrer vorherigen Form der Mobilität zurückkehren.

ZDFheute: Aus Sicht des Klimaschutzes keine optimistische Aussicht.

Welzer: Wir haben jetzt gesehen, dass es auch Möglichkeiten gibt, das Leben zu verbringen, ohne pausenlos unterwegs zu sein und irgendwohin zu fliegen. Reisen mit dem Kreuzfahrtschiff zum Beispiel werden an Attraktivität verlieren, da wird der Schock wahrscheinlich nachhaltig sein. Bei den anderen Dingen sind zehn Wochen Corona-Zeit als Erfahrung nicht nachhaltig genug, dass das zu fundamentalen Verhaltensveränderungen führt.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze

Studie -
Weniger Pendelei, mehr Betrieb im Netz
 

Homeoffice und Videokonferenzen - das bringt weniger Verkehr, aber viel mehr Betrieb in den Datennetzen. Umweltministerin Schulze will die nachhaltige Digitalisierung vorantreiben.

ZDFheute: Haben wir etwas aus dem Kampf gegen Corona für den Kampf gegen den Klimawandel gelernt?

Welzer: Das Wichtigste ist, dass es gesellschaftliche Situationen gibt, in der die Wirtschaft nicht das Primat hat. Sondern die Gesundheitspolitik. Die Bekämpfung des Klimawandels als langfristige Lebensbedrohung könnte auch ein Primat haben. Vielleicht haben wir eine Neusortierung in den politischen Prioritäten. Meine Hypothese wäre, dass wir in zehn Wochen digitale Arbeitsformen durchgesetzt haben, wozu wir sonst zehn Jahre gebraucht hätten.

Die Arbeitswelt hat sich radikal verändert, das wird auch nicht zurückgeschraubt werden.
Harald Welzer

ZDFheute: Was gut für den Klimaschutz ist?

Welzer: Wenn Mobilität durch weniger Dienstreisen, Flugbewegung, Autoverkehr eingeschränkt wird, dann ist das für die klimarelevanten Emissionen natürlich sehr gut. Auf der anderen Seite muss man auch sehen, dass der Energieverbrauch für digitale Anwendungen sehr schnell an den Flugverkehr heranreicht. Da muss man sehen, dass man nicht das eine Übel gegen das andere austauscht.

ZDFheute: Wenn wir uns bei der Corona-Pandemie so radikal ändern können, warum können wir es nicht bei der Bedrohung durch den Klimawandel?

Welzer: Der zentrale Unterschied ist, dass wir bei der Pandemie ein direktes Gefühl der Betroffenheit haben und deswegen auch bereit sind, Zumutungen zur Abwehr der Gefahr in Kauf zu nehmen. Die Bedrohung durch den Klimawandel scheint dagegen fern zu sein, zu abstrakt, ohne direkte Betroffenheit.

"Dass wir den Kampf gegen die Abwrackprämie noch gewinnen, war überraschend", so die Klimaschutzaktivistin Carla Reemtsma über das Konjunkturpaket.

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ZDFheute: Aber die Gefahr des Klimawandels ist doch auch konkret.

Welzer: Aber die Betroffenheit ist unterschiedlich, je nachdem, wo man sich auf der Welt befindet, welcher Generation man angehört oder wie groß die Handlungsmöglichkeiten sind. Wir leben in einem Land mit Technischem Hilfswerk, Katastrophenschutz, mit relativ geringer Betroffenheit bei den direkten Auswirkungen und mit sehr viel Geld, mit dem man sich Sicherheit und Prävention kaufen kann. Das ist woanders nicht so. Deswegen haben wir kein kollektives Risiko, das gleich verteilt wäre.

ZDFheute: Was ist die größte Lehre aus der Pandemie für den Kampf gegen Klimawandel?

Welzer: Die größte ist, dass man Prioritäten anders sortieren kann. Und eine ist, dass gesellschaftliche Wertigkeiten falsch verteilt sind. Stichwort Systemrelevanz von Berufen. Da ist eine Lernerfahrung der vergangen Monate so klar, das muss ein gesellschaftliches Umdenken nach sich ziehen.

Das Interview führte Florian Neuhann. Neuhann ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio. Auf Twitter: @fneuhann

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