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US-Senatoren verkauften Aktien vor Corona-Krise

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Insiderwissen? - US-Senatoren verkauften Aktien vor Corona-Krise

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Mindestens zwei US-Senatoren hatten Kenntnis von als geheim eingestuften Informationen über das Coronavirus. Dann verkauften sie Aktien und spielten die Gefahr öffentlich herunter.

Die Wall Street in New York. Archivbild
Kasse gemacht mit Insiderwissen? Wall Street in New York
Quelle: Heikki Saukkomaa/Lehtikuva/dpa

Richard Burr hatte wohl die Panik gepackt, als ihm dämmerte, welche Gefahr von dem Coronavirus ausgeht – nicht nur gesundheitlich, sondern auch wirtschaftlich. Der Geheimdienstausschuss im Senat wird regelmäßig über die Ausbreitung des Coronavirus informiert. Der Republikaner ist Ausschussvorsitzender.

Also begann Burr Ende Januar eilig, Aktien abzustoßen, bevor am Aktienmarkt die schreckliche Talfahrt begann. Bis Mitte Februar tätigten er und seine Frau mehr als 30 Transaktionen. Gesamtwert: 1,7 Millionen Dollar. Das geht aus Unterlagen des Senats hervor.

Und Burr ist nicht das einzige Mitglied des US-Kongresses, das vor dem Crash an der Börse seine finanziellen Schäfchen ins Trockene brachte: Auch Kelly Loeffler, republikanische Senatorin aus Georgia, verkaufte Aktien im Wert von mehreren hunderttausend Dollar – und zwar am 24. Februar, nachdem Gesundheitsexperten die Senatoren im Kongress über die Gefahren durch das Virus informiert hatten.

Private Vorteilnahme und öffentliche Schönrederei

Haben die Politiker ihren Zugang zu nicht-öffentlichen Informationen missbraucht, um ihren Kopf rechtzeitig aus der Schlinge zu ziehen? Der Verdacht liegt nahe.

Und noch mehr Vorwürfe stehen im Raum: Die Senatoren sollen ihre Kenntnisse nicht nur für private Zwecke genutzt, sondern sie der Öffentlichkeit gleichzeitig verschwiegen und die Risiken heruntergespielt haben.

Schwere Auswirkungen vorausgesagt

Barr etwa hielt kurz nach dem 13. Februar, an dem er die meisten seiner Aktien verkauft hatte, eine Rede in Washington. Vor einem äußerst überschaubaren Publikum der North Carolina State Society sagte er in ernstem Ton schwere Auswirkungen des Virus voraus, sprach bereits von Schulschließungen und davon, dass das Virus viel aggressiver sei als alles, was man in der jüngeren Geschichte gesehen habe.

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Düstere Äußerungen – viel düsterer als die, die der Republikaner zu dieser Zeit in der Öffentlichkeit verbreitete. Schließlich war auch die US-Regierung noch lange nicht in den Krisen-Modus gegangen und Präsident Trump nutzte jede Gelegenheit, das Virus kleinzureden.

Rede mitgeschnitten

Dumm nur für Burr, dass jemand seine Rede im kleinen Zirkel mitgeschnitten hatte. Die Tonaufnahme veröffentlichte das amerikanische öffentlich-rechtliche Radio (NPR) am Donnerstag.

Und auch Kelly Loeffler forderte die Öffentlichkeit in den Wochen nach ihren Aktienverkäufen auf, Vertrauen in die Fähigkeit der Trump-Regierung zu haben, die Nation auf das Virus vorzubereiten. In einem Tweet vom 27. Februar erklärte sie, Trump und seine Regierung machten einen großartigen Job, die Amerikaner gesund und sicher zu halten.

Forderungen nach Rücktritt

Nun hagelt es Kritik. Demokraten fordern den Rücktritt der beiden Senatoren. Und selbst der konservative Nachrichtensender Fox stimmt ein, sollte etwa Burr "keine glaubhafte Erklärung für seine Aktienkäufe liefern können".

Kelly Loeffler versucht es: In einer offiziellen Erklärung schreibt sie von einer "absurden und haltlosen Attacke". Sie treffe gar keine eigenen Investmententscheidungen. Das würde alles von externen Beratern erledigt und zwar ohne, dass sie etwas davon erfahre.

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