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Trumps Bühne als "Wartime President"

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US-Wahlkampf und Corona - Trumps Bühne als "Wartime President"

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Die Corona-Krise hat den US-Wahlkampf komplett umgekrempelt. Es ist noch nicht klar, wer Präsident Trump herausfordern wird. Und der hat plötzlich nie dagewesene Zustimmungswerte.

Donald Trump bei einem Meeting im Weißen Haus
Donald Trump bei einem Meeting im Weißen Haus
Quelle: Reuters

Anfang März war die wichtigste Frage im politischen Washington, ob der ehemalige Vizepräsident und Präsidentschaftskandidat Joe Biden nach herben Niederlagen in den frühen Vorwahlstaaten das Ruder noch herumreißen könnte. Biden lieferte und manövrierte sich an die Spitze des demokratischen Kandidatenfeldes.

Doch noch bevor er seine Position endgültig festigen konnte kam der Wahlkampf zum Stillstand. Die Corona-Krise erreichte die USA. Als erster Staat verschob Ohio seine für den 17. März angesetzten Vorwahlen, seitdem hat keine weitere Abstimmung stattgefunden.

Verzögerte Entscheidung

Das Rennen um die Kandidatur hängt in der Luft. Alle Vorwahltermine sind fürs Erste abgesagt - allein Wisconsin hält an einer Abstimmung am ursprünglichen Termin, dem 17. April, fest - per Briefwahl.  

Das bedeutet, dass Biden nicht die absolute Mehrheit der insgesamt 3.979 Delegiertenstimmen erreichen kann, die ihm die Nominierung sichern würde. Bis diese Schwelle nicht überschritten ist, hat Bernie Sanders theoretisch noch eine Chance, die Kandidatur für sich zu gewinnen. Auch wenn der Druck innerhalb der Partei immer größer wird - Sanders macht keine Anzeichen, aus dem Rennen auszuscheiden.

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Virtueller Wahlkampf

Statt auf großen Rallys seine hauptsächlich jungen Anhänger für seine progressiven Ideen zu begeistern, streamt Sanders nun aus seinem Zuhause in Vermont. In gewisser Weise bietet die Corona Krise die ideale Bühne für seine Lieblingsthemen: Gesundheitsreform und soziale Gerechtigkeit. Auch wenn er letztendlich nicht der Kandidat der Partei wird will er wohl die Gelegenheit nutzen um diese Themen auf der Plattform der Partei zu verankern.

Auch Joe Biden versucht sich im virtuellen Wahlkampf. Anfänglich waren seine Auftritte aus dem häuslichen Wohnzimmer recht unbeholfen. Bidens Stil ist sehr auf persönlichen Kontakt ausgerichtet - seine Stärke ist, seinem Gegenüber Aufmerksamkeit und Wärme entgegenzubringen. Virtuell ist das schwierig.  

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Biden gegen Trump

Für einige überraschend hält Joe Biden sich mit Kritik an Donald Trump bisher zurück. Er baut vielmehr auf den Kontrast zwischen dem Präsidenten und ihm selbst, einer traditionellen Führungspersönlichkeit, deren Handeln von Expertise statt von Instinkt geleitet wird. 

Trump inszeniert sich indes als "Wartime President" und hofft auf den historischen Schulterschluss einer Nation in Krisenzeiten hinter ihrem Führer. Tatsächlich sind die Umfragewerte des Präsidenten durch die Corona-Krise angestiegen: 49 Prozent aller Amerikaner unterstützen ihn - das ist der höchste Wert seiner Präsidentschaft.

Die Krise als Chance für Trump

Dabei kommt Donald Trump sicherlich entgegen, dass er eine garantierte tägliche Bühne hat durch die nachmittägliche Corona-Pressekonferenz, während seine Gegner versuchen müssen sich virtuell Gehör zu verschaffen. Zumal das digitale Gefälle zwischen beiden Seiten dramatisch ist: Trump hat 75 Millionen Follower auf Twitter, seine Facebook-Seite wird von 28 Millionen verfolgt. Joe Biden bringt es gerade mal auf 4,6 Millionen bei Twitter und 1,7 Millionen auf Facebook.

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Auch finanziell steht Donald Trump wesentlich besser da. Er kann auf 225 Millionen US-Dollar in verschiedenen Wahlkampfkonten zugreifen. Biden und die Demokraten haben etwa ein Zehntel davon. In normalen Zeiten hätten jetzt exklusive Wahlkampfveranstaltungen Hochkonjunktur, wo wohlhabende Spender viel Geld für einen Abend mit dem Kandidaten zahlen. All das fällt jetzt weg. Und von den Wählern, die normalerweise vielleicht ein wenig Geld in den Wahlkampffundus ihres Kandidaten stecken würden, haben viele jetzt plötzlich selbst wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Ausgang ungewiss wegen Corona ungewiss

Die Corona-Krise hat den US-Wahlkampf komplett umgekrempelt. Das Vorwahlsystem und die Nominierungsparteitage wackeln und werden möglicherweise gar nicht, oder nur stark modifiziert, stattfinden. Inhaltlich werden unberechenbare Faktoren wie die Anzahl der Betroffenen, die wirtschaftlichen Konsequenzen und die Bewertung des Krisenmanagements eine wichtige Rolle spielen.  Der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl ist unvorhersehbarer denn je.

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