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Wie ein Virus die Welt verändert

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Corona global - Wie ein Virus die Welt verändert

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Wo breitet sich das Coronavirus aus und wo ist es bereits verdrängt? Wo sind die Gegenmaßnahmen am härtesten, die Folgen am dramatischsten? Überblick von Amazonas bis Aschchabad.

Ein Mann geht in Bogota eine leere Straße entlang.
Ein Mann geht in Bogota eine leere Straße entlang.
Quelle: Jhon Paz/XinHua/dpa

Die USA kehren langsam in den Wahlkampfmodus zurück - es bleibt ja auch nur noch weniger als ein halbes Jahr, bis US-Präsident Donald Trump sich gegen seinen designierten Kontrahenten Joe Biden zur Wiederwahl stellt. Und der Umgang mit der Pandemie dürfte eine wesentliche Rolle in der weiteren Auseinandersetzung spielen. In Europa schreiten drei Länder in Sachen Grenzöffnung voran. Und in Zentralasien behauptet die Führung eines autoritär regierten Landes weiterhin, dass es Corona dort gar nicht gebe. Ein Blick um die Welt in Zeiten von Corona.

USA - Die politisierte Krise

In Allentown im US-Bundesstaat Pennsylvania konnte man am Donnerstag kurz den Eindruck gewinnen, dass wieder alles beim Alten ist - zumindest im US-Wahlkampf. Unterstützer von Donald Trump postierten sich - teils ohne Atemschutzmasken und dicht gedrängt - mit Flaggen und Schildern am Straßenrand, um einen Blick auf die Fahrzeugkolonne des Präsidenten zu erhaschen.

Als Trump vor Beschäftigte eines medizinischen Versorgungsunternehmens trat, ertönte das Lied "Proud to be an American" - als hätte er einen seiner Wahlkampfauftritte wie in Zeiten vor Corona. Es folgten Seitenhiebe gegen die politischen Gegner, implizit gegen die Vorgängerregierung von Barack Obama, explizit gegen Trumps Herausforderer Joe Biden.

Die Corona-Pandemie ist seit zwei Monaten auch in den USA das dominierende Thema, wie US-Präsident Trump damit umgeht, hat ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen ausführlich ergündet in seiner Dokumentation:

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44 min
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Frankreich - Premier Philippe ist der Mann der Krise

In Frankreich glänzt in der Corona-Krise gerade weniger Präsident Emmanuel Macron als vielmehr seine rechte Hand - Premierminister Édouard Philippe. Der 49-jährige Konservative ist im Land so etwas wie das Gesicht der Krise - vorgeschickt vom Präsidenten hat er in unzähligen Reden, Interviews und Pressekonferenzen den Menschen den Weg durch die Krise aufgezeichnet. Macron hielt sich eher zurück - beschränkte sich weitgehend auf TV-Ansprachen. In einer jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop liegt Philippe mit 57 Prozent auf der Beliebtheitsskala deutlich vor Macron (48 Prozent). Der konservative Philippe machte sein Abitur in Bonn.

Philippe verteidigt die geplante Rentenreform.
Premierminister Édouard Philippe
Quelle: Francois Mori/AP/dpa/Archivbild

Der Premier ist in Frankreich ganz vom guten Willen des Präsidenten abhängig. "Gelbwesten", Rentenreform und jetzt Covid-19: "In den Umfragen beliebter als das Staatsoberhaupt, hat der Premierminister in den letzten drei Jahren eine Krise nach der anderen erlebt", schreibt die konservative Zeitung "Le Figaro" am Freitag. "Seine Ernsthaftigkeit, seine manchmal fast langweilige Seite, seine offensichtliche Demut beruhigen. (...) Er vermittelt nicht das Gefühl, auf einer Theaterbühne zu stehen", so das Magazin "L'Obs". Während er mit den Händen tief im Schlamm stecke, komme Macron wie ein Akrobat daher.

Schweden - Forscher kritisieren Hoffnung auf Herdenimmunität

Im Vergleich zu seinen skandinavischen Nachbarn ringt Schweden mit hohen Infektions- und Todesfallzahlen. Das Land hält dennoch weiter an seiner von vergleichsweise freizügigen Maßnahmen geprägten Corona-Strategie fest. Dagegen sträubt sich im Land eine Reihe von Wissenschaftlern, die nun Kritik an der Hoffnung auf Herdenimmunität übt, die sich in Stockholm breitgemacht hat. "Sich auf eine künftige Herdenimmunität zu verlassen, ist sowohl unrealistisch als auch gefährlich", monierten 22 Forscher, darunter Virologen, Infektionsärzte und Lungenmediziner, in einem am Donnerstag von der Zeitung "Dagens Nyheter" veröffentlichten Meinungsbeitrag.

Menschen sitzen im Stadtzentrum von Stockholm. Archivbild
Menschen sitzen im Stadtzentrum von Stockholm. Archivbild
Quelle: Ali Lorestani/TT News Agency/AP/dpa

Von einer solchen Immunität befinde man sich zudem noch weit entfernt. "Anstatt Menschen sterben zu lassen, sollten wir Menschen am Leben erhalten, bis wirksame Behandlungen und Impfstoffe eingesetzt werden können", erklärten die Wissenschaftler. Herdenimmunität bedeutet, dass ein Virusausbruch abklingt, da immer mehr Menschen dagegen immun sind, weil sie die Krankheit überwunden haben oder geimpft wurden.

Baltikum - Grenzöffnungen in Europa - drei Länder schreiten voran

Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen haben am Freitag ihre gemeinsamen Grenzen wieder geöffnet. Die Bürger der drei Nachbarländer im Nordosten Europas dürfen nun wieder frei innerhalb des Baltikums reisen, ohne sich wegen der Corona-Krise für zwei Wochen in Selbstisolation begeben zu müssen. Wer aus Drittstaaten einreist, muss weiterhin 14 Tage zuhause in Quarantäne. "Wir können froh sein, dass wir die erste Viruswelle erfolgreich unter Kontrolle gebracht haben und als erste in der Europäischen Union unsere Grenzen für die Bürger des jeweils anderen öffnen", sagte Litauens Ministerpräsident Saulius Skvernelis in einer gemeinsamen Videobotschaft der Regierungschefs. Man bleibe aber "vorsichtig und verantwortungsbewusst".

Zur Öffnung der Grenzen wurden Vorgaben ausgearbeitet, die in allen drei Baltenstaaten gelten. Der Mini-Schengenraum im Baltikum mit rund 6 Millionen Einwohnern könnte nach Angaben der Minister bald auch noch auf Finnland und Polen ausgeweitet werden. Estland, Lettland und Litauen hatten früh mit strikten Maßnahmen auf die Ausbreitung des Coronavirus reagiert. Die Infektionszahlen sind im internationalen Vergleich eher gering und hatten sich in den vergangenen Wochen deutlich verlangsamt.

Turkmenistan - Ist das Land wirklich frei von Corona?

Das autoritär geführte Turkmenistan in Zentralasien ist nach offizieller Darstellung nach wie vor ohne einen einzigen Corona-Fall. Das Gesundheitsministerium gibt auf seiner Internetseite aber Tipps, wie sich die Menschen in dem ölreichen Land vor "akuten Atemwegserkrankungen" schützen können: Hände waschen, Abstand halten von niesenden Menschen, ausreichend Schlaf und Bewegung sowie gesunde Ernährung werden als Schutzmaßnahmen empfohlen. Nicht ohne Grund. Lokale Medien berichten von zunehmend mehr Todesfällen in der Ex-Sowjetrepublik, überfüllten Leichenschauhäusern und mehr neuen Gräbern auf den Friedhöfen. Außerdem breitet sich das gefährliche Virus in den Nachbarländern weiter aus.

Allein deshalb gibt es Zweifel an der offiziellen Darstellung. Die Regierung unter dem Machthaber Gurbanguly Berdymuchammedow hat nun die Gesundheitsorganisation WHO eingeladen, sich selbst vor Ort zu überzeugen. Bislang sah das Land nach eigenen Angaben keinen Grund dafür, weil es ja frei von Corona sei. Medien berichten unter Berufung auf nicht genannte Quellen, dass der Präsident umgezogen sei - wohl aus Angst, seine Eltern anzustecken. Wann die WHO-Experten nach Turkmenistan reisen, blieb zunächst offen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Land vor wenigen Tagen von einem schweren Sturm getroffen wurde. Mindestens 30 Menschen sollen den Berichten zufolge ums Leben gekommen sein.

Kolumbien - Maßnahmen für das Amazonasgebiet verschärft

Kolumbien ist ohnehin bereits eines der Länder mit den strengsten Anti-Corona-Maßnahmen in Lateinamerika. Dennoch hat die Regierung von Präsident Iván Duque die Einschränkungen für das besonders gefährdete Gebiet Amazonas am Donnerstagabend noch einmal verschärft. Von Freitag an und erst einmal bis zum 30. Mai dürfen Bewohner der Provinz im Süden des Landes - an der Grenze zu Brasilien und Peru - nur mehr zur Besorgung von Lebensmitteln und zur ärztlichen Versorgung aus dem Haus.

Indigener sitzt auf einem Baumstumpf im Regenwald in Brasilien am 6.02.2020

Das Militär wurde an die Grenze zu dem im Umgang mit dem Virus nachlässigeren Brasilien geschickt. In der Hafenstadt Letícia am Amazonas und im Department Amazonas, das mit mehr als 100.000 Quadratkilometern flächenmäßig größer ist als Österreich, aber nur 75.000 Einwohner hat, war die Zahl der Infizierten in den vergangenen Tagen und Wochen rapide gestiegen: seit dem ersten bekannten Fall am 17. April auf zuletzt mehr als 900. Dass von 10.000 Einwohnern 90 positiv getestet wurden, bedeutet nach einem Bericht der Zeitung "El Tiempo" den höchsten Anteil im ganzen Land. Mindestens 30 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Coronavirus bislang gestorben.

In der Gegend um Letícia leben viele Indigene, die besonders anfällig für das Virus sind. Zugleich sind Krankenhäuser in der strukturschwachen Gegend an ihre Grenzen geraten. In den Medien kursieren Berichte von selbstgebauten Krankenbetten aus Karton, die sich in Särge verwandeln lassen. Aus Deutschland kamen diese Woche 80.000 Testkits und medizinische Geräte in Kolumbien an, von denen ein Teil in dem Department Amazonas zum Einsatz kommen soll.

Neuseeland - Vorsichtige Lockerungen, vergleichsweise geringe Fallzahlen

Seit Donnerstag sind in Neuseeland wieder Einkaufszentren, Einzelhandelsgeschäfte und Restaurants geöffnet. Viele Beschäftigte gehen zurück an die Arbeit. Weiter Bestand haben die Abstandsregeln für Sozialkontakte. Außerdem dürfen sich nur maximal zehn Menschen versammeln. Die Schule geht in der kommenden Woche wieder los. Bars aber bleiben noch mehrere weitere Tage geschlossen - unter anderem wegen der Erfahrung in Südkorea, wo nach der Öffnung von Nachtclubs in Seoul die Infektionsfälle wieder zugenommen haben.

ZDF-Reporter Carsten Rüger kam aus dem Staunen nicht mehr raus: "Die Regale waren voll. Es gab nicht nur jede Menge Pasta, es gab auch jede Menge Klopapier."

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1 min
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Bislang hat Neuseeland das Virus erfolgreich bekämpft - am Dienstag und Mittwoch verzeichneten die Behörden keine Neuinfektionen. Von 1.500 Menschen mit Covid-19 sind mehr als 1.400 wieder genesen, 21 sind gestorben.

Großbritannien - Der neue Boris Johnson

Zunächst wollte Großbritanniens Premierminister Boris Johnson nur eine Strategie verfolgen: Herdenimmunität. Diese Strategie hat sich nun geändert. Johnson selbst erkrankte vor einigen Wochen am Coronavirus, musste sogar einige Tage auf der Intensivstation eines Londoner Krankenhauses verbringen und zog sich kurzzeitig aus den Regierungsgeschäften zurück. Nun ist der Premierminister wieder in seinem Regierungssitz 10 Downing Street. Er bedankte sich beim Gesundheitsdienst NHS und sagte, die Ärzte im Krankenhaus hätten ihm das Leben gerettet.

Johnson scheint seit seiner Rückkehr in die Downing Street wie ausgewechselt. Er scheint die Corona-Pandemie nun, da er selbst betroffen war, ernster zu sehen. Wie auch in anderen Ländern werden in Großbritannien nun nach und nach Lockerungen umgesetzt, allerdings mit einem klaren Phasenplan. Dabei scheint das Ziel zu sein, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und gleichzeitig die katastrophalen Fallzahlen zu kontrollieren. Mit über 241.000 Infizierten liegt Großbritannien weltweit auf Platz drei. Mehr als 34.500 Menschen starben bereits. Großbritannien liegt damit bei den Todeszahlen auf Platz zwei hinter den USA.

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