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Amtsärzte: Corona-App hat nur geringen Nutzen

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Gesundheitsämtern fehlen Daten - Amtsärzte: Corona-App hat nur geringen Nutzen

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Die Corona-Warn-App hat laut Amtsärzten nur einen geringen Nutzen in der Bekämpfung der Pandemie. Besonders die fehlende Weitergabe von Daten an Gesundheitsämter sei problematisch.

Ein Nutzer hält ein Handy mit der geöffneten Corona-Warn-App in der Hand.
Die Corona-Warn-App.
Quelle: dpa

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie in Deutschland schätzen Ärztevertreter die Wirksamkeit der Warn-App als äußerst gering ein.

Keine automatische Weiterleitung der Daten

Die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Ute Teichert, sagte den Zeitungen der "Funke Mediengruppe":

Da die Daten der App nicht automatisch an die Gesundheitsämter weitergeleitet werden, ist dieses Instrument in seiner derzeitigen Form für uns keine große Unterstützung bei der schnellen Bekämpfung und Eindämmung von Corona-Ausbrüchen.
Ute Teichert

Sie betonte, die App spiele "in der alltäglichen Arbeit der deutschen Gesundheitsämter so gut wie keine Rolle". Es komme "äußerst selten" vor, dass sich ein App-Nutzer wegen eines entsprechenden Warnhinweises bei den Ämtern melde.

100 Tage nach dem Start der Corona-Warn-App gibt es eine Zwischenbilanz. Die App funktioniert technisch zwar gut, jedoch wird sie aktuell noch nicht von genügend Menschen genutzt.

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Datenschutz über Pandemieschutz

Die Politik habe entschieden, den Datenschutz über den Pandemieschutz zu stellen. "Das haben wir so zu akzeptieren", sagte die BVÖGD-Vorsitzende.

Hilfreich wäre es aus Teicherts Sicht, wenn die App eine Funktion hätte, mit der die Nutzer eine direkte Weitergabe von Warnhinweisen an das Gesundheitsamt zumindest freiwillig zulassen könnten.

Den Behörden fehlen wichtige Daten

Damit würden die zuständigen Behörden wesentlich schneller über Infektionsfälle informiert und könnten zügig Maßnahmen ergreifen, um einen Corona-Ausbruch einzudämmen, erläuterte Teichert. "Dies ist ein entscheidender Punkt."

Derzeit bleibe es dagegen den App-Nutzern überlassen, ob sie sich nach einem registrierten Kontakt mit einem Infizierten bei den Gesundheitsämtern meldeten. "Ob sie es tatsächlich tun, lässt sich nicht überprüfen", sagte Teichert.

Corona-App: bereits 18 Millionen Downloads

Die Bundesregierung betrachtet die App hingegen als Erfolg. Sie sei in den ersten 100 Tagen seit ihrem Start in Deutschland mehr als 18 Millionen Mal heruntergeladen worden, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Dies entspreche in etwa der Zahl der Downloads aller anderen europäischen Warn-Apps zusammengerechnet. Auch hätten knapp 5.000 Infizierte ihre Kontaktpersonen über die Handy-Anwendung gewarnt, teilte Spahn mit.

Spahn: Zigtausend Menschen alarmiert

Es sei davon auszugehen, dass auf diesem Wege insgesamt "schon einige zigtausend Menschen" wegen Risikokontakten zu Infizierten alarmiert wurden. "Das ist viel, aber es reicht uns nicht", betonte der Minister.

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