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Coronavirus - WHO ruft internationalen Gesundheitsnotstand aus

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Die Weltgesundheitsorganisation hat einen internationalen Notstand wegen des Coronavirus ausgerufen. Welche Folgen hat das? Hat das bei Epidemien in der Vergangenheit geholfen?

Die WHO hat aufgrund des Corona-Virus eine internationale gesundheitliche Notlage erklärt. Hintergrund: die Zahl der Infektionen steigt stetig. Inzwischen hat das Corona-Virus die weltweiten Fälle bei der Sars-Pandemie vor 17 Jahren übertroffen.

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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in einer erneuten Krisensitzung zum Coronavirus am Donnerstag einen internationalen Gesundheitsnotfall ausgerufen. Obwohl chinesische Behörden weitreichende Sicherheitsmaßnahmen getroffen haben, breitet sich das Coronavirus weiterhin aus. Laut einer neuen Zwischenbilanz vom Donnerstag stieg die Zahl der Todesfälle in China um weitere 38 auf mindestens 170 an. Die Zahl der bestätigten Infektionen stieg auf weltweit mehr als 8.100 Patienten. Damit ist die Zahl der Infizierten nun höher als bei der Sars-Pandemie 2002 und 2003.

Die "größte Sorge" sei, dass sich das Virus auf Länder mit weniger gut ausgestatteten Gesundheitssystemen ausbreite, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Genf. Die Entscheidung sei kein "Misstrauensvotum" gegen China, die Maßnahmen der Chinesen wurden ausdrücklich gelobt.

Im Vorfeld des Krisentreffens hatte Ghebreyesus "tiefes Bedauern" darüber geäußert, dass die WHO bei ihrer Sitzung vergangene Woche die weltweite Gefährdung durch das Virus nicht als "hoch" eingestuft hatte. Damals hieß es zur Begründung, bisher gebe es außerhalb Chinas "keine Hinweise" auf eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Diese wurde aber nun auch in den USA nachgewiesen.

Gesundheitsexperten schätzen die Gefahr für die Bevölkerung in Deutschland aktuell aber als gering ein. Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus, der Ansteckungsgefahr und welche Anlaufstellen es gibt, lesen Sie in unserem FAQ.

Was ist ein internationaler Gesundheitsnotfall?

Offiziell spricht die WHO von einem "Notfall für die öffentliche Gesundheit von internationalem Ausmaß" (PHEIC). Das Ausrufen eines PHEIC ist das äußerste Mittel, das die WHO besitzt. Als solchen versteht die WHO ein "außergewöhnliches Ereignis", bei dem die Ausbreitung einer Krankheit über mehrere Staaten droht. Die Situation müsse "ernst, ungewöhnlich und unerwartet" sein und unmittelbare international koordinierte Gegenmaßnahmen erfordern. Diese Kategorisierung hat die WHO 2005 beschlossen als Reaktion auf die länderübergreifende Verbreitung der Erreger SARS und H5N1 in den Jahren davor.

Mit der Erklärung einer internationalen Notlage werden in der Regel mehr finanzielle und andere Ressourcen freigegeben. Sie kann aber auch dazu führen, dass der Reiseverkehr und Handel eingeschränkt wird.

Wie wird ein internationaler Gesundheitsnotfall erklärt?

Es ist die Aufgabe des WHO-Generalsekretärs, einen solchen Notfall auszurufen. Dafür steht ihm ein Beratergremium zur Seite. Darin sitzen Gesundheitsexperten, Virologen und andere Wissenschaftler aus zahlreichen Staaten. Dieses Gremium verfasst auch konkrete Handlungsempfehlungen für betroffene Staaten und passt sie kontinuierlich an die Lageentwicklung an. Die WHO verfügt über eine ständige Expertenliste, aus denen sich ein Notfallgremium rekrutiert. Jedem Staat, in dem ein PHEIC erklärt wird, steht mindestens ein Experte im Notfallgremium zu.

Chinas Präsident Xi habe das Coronavirus zum Top-Thema gemacht, sagt ZDF-Korrespondent Ulf Röller. Xi wolle zeigen, dass China eine Leistungsdiktatur sei, die ihre Leute schützen könne. Damit wolle China auch zeigen, dass es dem Westen überlegen sei.

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Welche Maßnahmen kann die WHO empfehlen?

Die Handlungsempfehlungen der WHO sind rechtlich nicht bindend. Jede Regierung ist in ihrem Handeln weiterhin souverän. Die WHO verfügt über keine direkten Sanktionsmaßnahmen gegen Regierungen, die etwa Handlungsempfehlungen bewusst ignorieren.

Die WHO-Empfehlungen können sehr unterschiedliche Maßnahmen umfassen – angepasst an die jeweilige Krise. In Extremfällen sind darunter Reisebeschränkungen für ganze Länder oder einzelne Risikogruppen wie etwa Schwangere im Fall des Zika-Virus. Häufig umfassen die Handreichungen der WHO aber auch konkrete Hinweise darauf, welche Maßnahmen nicht getroffen werden sollten, da sie unwissenschaftlich oder unnötig seien. Die Empfehlungen der WHO sollen ein Über- wie ein Unterreagieren von Regierungen gleichermaßen verhindern.

Wann wurde ein PHEIC in der Vergangenheit ausgerufen?

Fünf Mal wurde seit 2005 ein PHEIC ausgerufen:

  • 2009: Schweinegrippe (H1N1)
  • 2014: Polio-Ausbruch in Pakistan und Afghanistan
  • 2014: Ebola-Ausbruch in Westafrika
  • 2016: Zika-Virus in Nord- und Südamerika
  • 2018: Ebola-Ausbruch in der Kivu-Region in der Demokratischen Republik Kongo

Was hat die Erklärung eines Notstands in der Vergangenheit gebracht?

Wie erfolgreich die PHEIC-Ausrufung bei den zurückliegenden fünf Krisenlagen war, wird sehr unterschiedlich bewertet. Eine Studie des "American Journal of Public Health" fand etwa Anzeichen dafür, dass es für die Ausrufung eines PHEIC-Notstandes durch die WHO teils wichtiger war, ob US-Bürger betroffen waren, als das Gesamtausmaß der Krise.

Vor allem der Umgang der WHO mit der Ebola-Krise 2014 wurde weltweit kritisiert. Mehr als 1.000 Menschen starben damals in Westafrika, bevor die WHO einen PHEIC-Notstand erklärte. Ein Untersuchungsbericht im Jahr darauf kritisierte, dass die WHO mit der Krise überfordert gewesen sei. In frühen Stadien der Ebola-Ausbreitung hätten "Warnungen wichtige Entscheider nicht erreicht oder diese hätten sie nicht ernst genommen". "Es gab die Hoffnung, die Krise durch gute Diplomatie anstatt durch Notfallmaßnahmen bewältigt werden kann", so der Bericht.

Die WHO wird von Regierungen immer wieder politisch unter Druck gesetzt, einen Notfall nicht zu früh auszurufen, da die wirtschaftlichen Auswirkungen immens sein können. Häufig ist die WHO auch damit konfrontiert, dass Krisen des Gesundheitswesens in Diktaturen auftreten oder dass Menschen am Rand der Gesellschaft besonders stark betroffen sind. Soziale und politische Konflikte erschweren oft die Krisenbewältigung.

Gleichwohl betont die Weltgesundheitsorganisation, dass sie interne Prozesse nach jeder Notlage überprüfe und verbessere, um in Zukunft besser auf internationale Gesundheitskrisen reagieren zu können.

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