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Wie finanziert sich die WHO?

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Kritik an Geldgebern - Wie finanziert sich die WHO?

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Das Finanzierungsmodell der Weltgesundheitsorganisation stößt immer wieder auf Kritik: Die Organisation sei nicht unabhängig. Kritiker fordern deshalb grundlegende Änderungen.

Heute findet die Hauptversammlung der Weltgesundheitsorganisation statt – virtuell und kürzer. Ziel ist es, sich auf ein gemeinsames Vorgehen in der Corona-Pandemie zu einigen.

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Spätestens seit der Corona-Krise steht sie im Fokus: die Finanzierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch jetzt zur zweitägigen Jahresversammlung, die wegen des Coronavirus bis morgen nur online stattfindet. Kritiker zweifeln an der Unabhängigkeit der UN-Sonderorganisation und fordern grundlegende Änderungen.

Für ihren Zweijahreshaushalt 2018/2019 verfügte die Weltgesundheitsorganisation über finanzielle Mittel in Höhe von rund 5,84 Milliarden US-Dollar. Das ist in etwa so viel, wie ein großes Krankenhaus in nur einem Jahr verbraucht.

Wie kommt die WHO an Geld?

Die WHO finanziert sich dabei über zwei hauptsächliche Kanäle: die festen Pflichtbeiträge ihrer 194 Mitgliedsstaaten und freiwillige Beitragszahlungen.

Die Höhe der Pflichtbeiträge orientiert sich an dem Grad des Wohlstandes des jeweiligen Mitgliedstaates und seiner Bevölkerungszahl. Wobei seit dem Jahr 1993 die Höhe der Pflichtbeiträge eingefroren ist. Das hat dazu geführt, dass die Pflichtbeiträge heute nur noch etwa 20 Prozent des Gesamtbudgets der WHO ausmachen.

WHO zu 80 Prozent aus Spenden finanziert

Zu 80 Prozent muss sich die WHO durch freiwillige Zuwendungen finanzieren. Die Spenden kommen teilweise von den Mitgliedstaaten und von privaten Stiftungen oder von Pharma-Unternehmen.

Ein Großteil dieser Spenden sind zweckgebunden (2018/2019: 3,6 Milliarden US-Dollar, 2020/2021: rund 4,8 Milliarden US-Dollar). Das heißt, der Spender legt fest, wofür die WHO dieses Geld ausgeben darf. Also welche Forschung gefördert wird, welche medizinischen Maßnahmen ergriffen werden und in welchem Land.

Das selbsterklärte Ziel der WHO ist in ihrer mehr als 70 Jahre alten Verfassung festgeschrieben: allen Völkern zur Erreichung des bestmöglichen Gesundheitszustands zu verhelfen.

Kritiker sagen, durch die zweckgebundenen Spenden sei die WHO bei der Erfüllung dieses Ziels aber massiv gehemmt. Sie könne nicht unabhängig handeln. Stattdessen würden die Geldgeber die Agenda der Organisation setzen. Außerdem habe die WHO keine Sanktionsmöglichkeiten, um ihr Ziel durchzusetzen, den bestmöglichen Gesundheitszustand zu erreichen.

Größter Geldgeber bislang die USA

Der größte dieser Geldgeber waren bisher die USA. Sie machten mit ihren Zahlungen knapp 15 Prozent des WHO-Zweijahreshaushaltes aus. US-Präsident Donald Trump hat die WHO seit Beginn der Corona-Krise mehrfach scharf kritisiert. Er warf ihr Einseitigkeit zugunsten Chinas vor und fror die Zahlungen seines Landes ein.

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Mit knapp zehn Prozent ist die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung die zweitgrößte Geldgeberin und hat dadurch Einfluss auf die WHO. Thomas Gebauer, Gesundheitsexperte von Medico International, kritisiert:

Die Geber sind darum bemüht, ihre eigenen Interessen zur Geltung zu bringen. Sie wollen nicht unbedingt breitenwirksame Gesundheits-Förderungsprogramme finanzieren, sondern sie wollen einzelne Krankheiten bekämpfen. Damit steht man dann, wenn es erfolgreich ist, gut in der Öffentlichkeit dar.
Gesundheitsexperte Thomas Gebauer

Das aber führe dazu, dass andere wichtige Aufgaben vernachlässigt würden - wie zum Beispiel die Förderung der Mitgliedsstaaten beim Aufbau ihrer Gesundheitssysteme.

Kritiker fordern Umstrukturierung der WHO-Finanzierung

Kritiker fordern deshalb, dass das Finanzierungsmodell der WHO grundlegend verändert werden müsse. Dass Problem der Organisation sei, dass sie "nicht stark genug für die Interessen, die sie eigentlich zu vertreten hätte, eintritt", sagt Gebauer. Und das ginge nur über "eine anständige, eine gesicherte, unabhängige Finanzierung", sagt der Experte.

Vor einem Liniendiagramm steht der Großbuchstabe R. Im Hintergrund sind zwei große, gezeichnete Viren zu sehen.

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