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Studie: Remdesivir hilft kaum gegen Corona

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"Enttäuschendes" Ergebnis - Studie: Remdesivir hilft kaum gegen Corona

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Remdesivir wirkt kaum im Kampf gegen das Coronavirus, so eine Studie der WHO. Mediziner nennen die Ergebnisse "enttäuschend", wollen aber erstmal nicht auf Remdesivir verzichten.

Eine Ampulle des Medikamentes Remdesivir. Symbolbild
Eine Ampulle des Medikamentes Remdesivir. Symbolbild
Quelle: Ulrich Perrey/dpa-POOL/dpa

Wie viel bringt das Medikament Remdesivir im Kampf gegen das Coronavirus? Eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) koordinierte Studie weckt Zweifel an der Wirksamkeit mehrerer potenzieller Medikamente.

Zwischenergebnisse weltweiter Testreihen legten nahe, dass die getesteten Medikamente wenig oder gar keinen Effekt hatten, teilte die WHO am Freitag mit. Demnach kann Remdesivir die Sterblichkeit nicht eindeutig senken.

Remdesivir ist der erste zugelassene Wirkstoff der EU gegen das Corona-Virus. Er verkürzt die Krankheitsdauer um etwa vier Tage. Einige Wissenschaftler feiern das Medikament als Meilenstein und großen Durchbruch, andere sind da skeptischer.

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"Kein signifikanter Effekt" auf die Sterblichkeit

Die Studie "zeigt keinen statistisch signifikanten Effekt von Remdesivir auf Covid-19-Patienten", erklärt Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie der Uniklinik Köln. Er bezeichnete die Ergebnisse der Studie als "enttäuschend".

Geprüft wurden unter anderem, welchen Einfluss sie auf die Sterblichkeit, den Zeitpunkt für den Einsatz von Beatmungsgeräten und die Länge des Krankenhausaufenthalts hatten. Das geht aus Daten der von der WHO koordinierten Solidaritätsstudie hervor, die bislang aber nicht in einem begutachteten Fachjournal erschienen sind.

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Sollte man Remdesivir weiter verwenden?

"Dies sollte jedoch nicht zu dem Schluss führen, dass Remdesivir keinerlei Effekt auf die Erkrankung hat und deshalb in der Klinik nicht mehr angewendet werden sollte", so Professor Fätkenheuer von der Uniklinik Köln.

Die Studien würden zeigen, dass bestimmte Patientengruppen trotzdem profitieren könnten. "Das bedeutet, dass ich Remdesivir derzeit weiter bei diesen Patienten einsetzen würde - zusammen mit Cortisonpräparaten, für die ein Überlebensvorteil gezeigt wurde."

Ähnlich äußert sich auch Prof. Dr. Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing. Das Medikament solle bei Patienten mit Atemnot und Lungenveränderungen in den ersten zehn Tagen der Erkrankung weiterhin zum Einsatz kommen: "Im Zweifel für den Angeklagten", so Wendtner.

Studie muss noch geprüft werden

Im Rahmen der von der WHO koordinierten Solidaritätsstudie mit Tausenden Patienten in fast 500 Kliniken in mehr als 30 Ländern waren Remdesivir, Chloroquin/Hydroxychloroquin, Lopinavir/Ritonavir und Interferon-Regime geprüft worden. Alle Medikamente waren ursprünglich für andere Krankheiten entwickelt worden.

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Die Ergebnisse seien bislang nicht veröffentlicht, betonte auch die WHO, sondern müssten noch von Experten geprüft werden. Ein Manuskript wurde auf dem Server medRxiv der amerikanischen Yale-Universität hochgeladen.

Der Hersteller von Remdesivir, Gilead, betonte am Freitag erneut die Wirksamkeit seines Medikaments. Man sei besorgt darüber, dass die Daten der WHO-Studie nicht die übliche strenge Überprüfung erfahren hätten.

Studien: Corona-Patienten genesen dank Remdesivir schneller

Die Zulassung in Europa erfolgte auf Basis von Studien, denen zufolge die Genesungszeit von Corona-Patienten durch Remdesivir um einige Tage verkürzt wird. Die europäische Arzneimittelagentur Ema teilte am Freitag auf Anfrage mit, dass sie unter anderem die Daten der WHO-Solidaritätsstudie anschauen werde. Dann werde man sehen, ob die Art, wie das Arzneimittel eingesetzt werde, geändert werden müsse.

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