ZDFheute

Gesundheitsämter wollen kurzfristige Hilfe

Sie sind hier:

Sorge vor zweiter Welle - Gesundheitsämter wollen kurzfristige Hilfe

Datum:

Die Gesundheitsämter sehen sich für eine mögliche zweite Corona-Welle nicht gut aufgestellt und fordern schnelle Hilfe. Was für die Ämter getan wurde - und was sie fürchten.

Seit Wochen steigen die Zahlen der Neuinfektionen wieder an und somit auch die Sorge vor einer zweiten Welle. Die Gesundheitsämter sehen sich für den Kampf gegen das Virus nicht gerüstet.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Amtsärzte schlagen Alarm: Es könnte eine zweite Corona-Welle auf Deutschland zukommen - und die Gesundheitsämter sind dafür nicht ausreichend ausgestattet, so Ute Teichert, die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, im ZDF. Sie schlägt ein bundesweites Freiwilligen-Register vor:

Es wäre vielleicht eine Möglichkeit, dass wir eine Freiwilligenbörse aufmachen, wo sich Leute melden können, (...) die Interesse oder Zeit hätten, in den Gesundheitsämtern auszuhelfen.

Man könne so die Zeit nutzen, bis die Infiziertenzahlen weiter ansteigen, und Freiwillige in der Zwischenzeit fachlich qualifizieren, so Teichert. Eine solche Freiwilligenbörse gibt es seit April bereits für Medizinstudierende, die Gesundheitsämter unterstützen möchten.

Das Robert-Koch-Institut meldet derzeit wieder steigende Fallzahlen. Am Freitag wurden 870 Neuinfektionen gemeldet, einen Tag davor sogar 902 - das war der höchste Wert im Juli. Bis Mitte Juli hatte die Zahl wochenlang meist bei unter 500 gelegen. RKI-Präsident Lothar Wieler hatte die steigenden Fallzahlen als "sehr beunruhigend" bezeichnet. Menschen und Firmen seien "nachlässig" geworden, sagte Wieler am Dienstag. Ob das der Beginn einer zweiten Welle sei, könne man aber nicht wissen. Man sehe viele kleine Ausbrüche.

Eine mögliche zweite Corona-Welle bereitet den Amtsärzten Sorgen. Die Gesundheitsämter seien für diesen Fall viel zu knapp besetzt, sagt Verbandschefin Ute Teichert.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Was wurde bislang für die Gesundheitsämter getan?

Zentral für die Nachverfolgung von Infektionsketten sind die bundesweit 375 Gesundheitsämter mit ihren rund 17.000 Mitarbeitenden. Die Bundesregierung will sie mit einem vier Milliarden Euro schweren "Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst" unterstützen. Damit sollen sie personell und technisch besser ausgestattet werden. Doch insbesondere das Anwerben von Fachkräften braucht Zeit.

Ute Teichert sieht aber Bedarf für "mehr als 10.000 neue Stellen für Fachkräfte" in den Gesundheitsämtern. Tatsächlich ist die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Gesundheitsämtern zwischen 1995 und 2018 um mehr als ein Drittel gesunken - von 3.830 auf knapp 2.500. Ein Grund dafür dürften auch die Verdienstunterschiede sein. Ein Facharzt in Hessen verdient im öffentlichen Gesundheitsdienst in der ersten Gehaltsstufe brutto etwa 1.000 Euro weniger pro Monat als ein vergleichbarer Arzt in einem Krankenhaus. Das ergab eine Anfrage der FDP im hessischen Landtag Ende 2019.

Alle Zahlen und Grafiken zum Coronavirus

Covid-19 -
Zahlen zur Ausbreitung des Coronavirus
 

Wie breitet sich das Coronavirus aus? Infografiken, Zahlen und Daten zur Entwicklung von Covid-19 in Deutschland und weltweit - immer aktuell.

von Simon Haas, Robert Meyer

Wie könnten die Gesundheitsämter schnell gestärkt werden?

Neben der von Teichert angeregten Freiwilligenbörse hat der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach einen "Strategiewechsel bei der Pandemiebekämpfung" gefordert, der die Arbeit der Gesundheitsämter betrifft. Im "Spiegel" sagte er:

Statt jedem Einzelkontakt nachzutelefonieren, sollten sich die Ämter allein auf die sogenannten Superspreader konzentrieren.
Karl Lauterbach, SPD-Bundestagsabgeordneter

Als Superspreader werden Infizierte bezeichnet, die viele weitere Menschen anstecken. Lauterbach forderte, bei einem Corona-Test mit einem Formblatt immer abzufragen, ob die Person in den vergangenen Tagen bei einem größeren Treffen war und somit ein potenzieller Superspreader sein könnte. Sollte das Testergebnis der Person positiv ausfallen, müssten "alle anderen Teilnehmer der Veranstaltung sofort in Quarantäne geschickt werden, unverzüglich, noch bevor sie selbst getestet wurden", so Lauterbach.

Bei Infizierten, die bei keiner Gruppenveranstaltung waren, sollten die Gesundheitsämter dagegen künftig keine Kontakte mehr nachverfolgen müssen - das sei "reinste Ressourcenverschwendung".

Was die Gesundheitsämter tun - und was sie fürchten

Derzeit sieht die Strategie der Gesundheitsämter so aus: Infektionsketten erfassen und durchbrechen. Bei der Rückverfolgung haben viele Freiwillige geholfen - darunter auch Medizinstudierende. Um sie und andere Interessierte fortzubilden, hat die Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf einen Podcast produziert. Die Themen der Folgen reichen von "Grundlagen des Infektionsschutzgesetzes" bis hin zu "Telefonat mit positiv getesteter Person".

Nach Wochen mit weniger Fallzahlen wurden vielerorts die Corona-Krisenstäbe verkleinert, so auch im Gesundheitsamt in Mühldorf in Bayern. Eine Mitarbeiterin sagte im ZDF:

Wenn es noch einmal so brennt wie bei der ersten Welle, dann sind wir auf verlorenem Posten.
Daniela Lasner, Gesundheitsamt Mühldorf

Wie sich die Fallzahlen in Deutschland weiter entwickeln, ist auch angesichts der rückkehrenden Urlauber und der Schulöffnungen schwer einzuschätzen. Laut aktuellem ZDF-Politbarometer glauben 77 Prozent der Befragten, dass es in Deutschland in nächster Zeit zu einer zweiten Corona-Welle kommt.

In Deutschland sind die Infektionszahlen zuletzt wieder angestiegen. Drei Viertel der Deutschen befürchten, dass in der nächsten Zeit eine zweite Corona-Welle kommen wird. Nur 20 Prozent gehen nicht davon aus. Das zeigt das aktuelle ZDF-Politbarometer.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Demonstration gegen Corona-Beschränkungen in Berlin

Opposition in Krisenzeiten -
Wie viel Konsens verträgt eine Pandemie?
 

Die Demonstrationen am Samstag in Berlin richteten sich gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung. Aber nicht …

von Winnie Heescher, Berlin
Videolänge:
3 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.