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Was wusste der BND von Terrorplänen in Amerika?

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#Cryptoleaks - Was wusste der BND von Terrorplänen in Amerika?

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Am 11. September 2001 steuern Terroristen zwei Flugzeuge in das World Trade Center. Die #Cryptoleaks-Recherchen zeigen nun: Der BND hatte Hinweise auf die Terrorpläne von 9/11.

Am 11. September 2001 steuern Terroristen zwei Flugzeuge in das World Trade Center in New York.
Anschlag auf das World Trade Center: Es gab Warnungen über die bevorstehenden Anschläge.
Quelle: AP

Am 6. August 2001 bekam George W. Bush die bis dahin wohl deutlichste Warnung zu bevorstehenden Terroranschlägen der Al-Kaida in den USA. "Bin Laden Determined to Strike in U.S." - so hieß die Überschrift über dem Geheimdossier, das CIA-Chef George Tenet dem US-Präsidenten mitten in dessen Sommerurlaub auf seiner Ranch in Crawford, Texas, übergab.

Tenet informierte Bush auch mündlich über das gesamte Ausmaß der Bedrohung und bezog sich dabei auf Dutzende weltweit abgefangener Telefongespräche, nach denen "Anschläge mit dramatischen Konsequenzen für Regierungen und mit großen Opferzahlen" möglicherweise "unmittelbar" bevorstünden.

Warnungen zum Teil aus "Operation Rubikon"

Ein Teil der Warnungen stammte offenbar aus dem Aufkommen der "Operation Rubikon" von CIA und Bundesnachrichtendienst, über deren Details das ZDF, die Washington Post und der SRF im Februar 2020 berichtet hatte. Der amerikanische und der deutsche Geheimdienst hatten Hintertüren in Chiffriermaschinen der Schweizer Firma Crypto AG eingebaut. Deshalb landeten Hinweise auf die Terrorpläne von 9/11 auch beim BND.

Die Aktivitäten der Krypto AG in der animierten Karte:

Das Schweizer Unternehmen verkaufte Chiffriermaschinen an Staaten weltweit. Die Aktivitäten der Krypto AG in der animierten Karte.

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Das geht aus einem Dokument hervor, das einen Vorfall aus dem Jahr 2000 beschreibt. Demnach spähte der deutsche Geheimdienst die Regierungskommunikation Italiens aus, das die manipulierten Verschlüsselungsgeräte nutzte. Eine Warnung des italienischen Geheimdienstes erreichte auf diese Weise die Zentralstelle für Chiffrierwesen (ZfCh) des BND nahe Bonn und wurde - nach der Entschlüsselung - von einer Sprachexpertin ausgewertet.

Im Papier, das dem ZDF vorliegt, heißt es wörtlich: "Als eine der letzten Meldungen aus dem italienischen Netz lag der ZfCh in zwei Teilen eine des Inhalts vor, dass sich nun eine Gruppe von männlichen Arabern als Flugschüler in den USA anzumelden hätte, Landen und Starten sei nicht so wichtig, stattdessen aber das Geradeausfliegen. Geld spielte keine Rolle."

Gravierende Fehler beim BND

Diese Meldung hätte alle Alarmglocken im Bundesnachrichtendienst klingeln lassen müssen. Aber die Übersetzerin beging einige gravierende Fehler. Offenbar hatte sie einen Teil der Meldung "inhaltlich übersehen, falsch bewertet oder gar nicht erst bearbeitet".

Die Informationen hätte die BND-Mitarbeiterin eigentlich sofort dem zuständigen Gruppenleiter weitergeben müssen: "Entgegen der dienstinternen Anweisung hat sie eine so brisante Meldung nicht ihrem Gruppenleiter vorgelegt, sondern ist ins Wochenende gegangen", meint der Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom, der die Abläufe für das ZDF analysiert hat.

Die Warnung sei dann aber doch noch "an die Auswertung nach München gegangen, keine Reaktion", so notiert der Autor des Dokuments, nach ZDF-Informationen ein hochrangiger Beamter des Bundesnachrichtendienstes, der sich über die Ereignisse von damals ärgerte:

Noch bemerkenswerter ist die fehlende Reaktion der Amerikaner. Was hat das FBI gemacht?
hochrangiger Beamter des Bundesnachrichtendienstes

9/11: Eindringliche Warnungen nicht ausreichend

Dass dem BND einige Hinweise auf die Terrorpläne vorlagen, bestätigte der damalige Präsident des Nachrichtendienstes, August Hanning, im Jahr 2002 in einer ZDF-Dokumentation: "Wir haben gesagt, dass wir Anschläge aus dem Bereich der Al-Qaida erwarten, dass für uns aber noch nicht ganz klar war, wo diese Anschläge stattfinden würden, wie sie stattfinden würden, und natürlich welche Dimension diese Anschläge erreichen würden."

Das ZDF hat den Bundesnachrichtendienst und die Bundesregierung jetzt gefragt, was nach der brisanten Meldung aus Italien unternommen oder unterlassen wurde? Zu Operationen des BND gebe man keinen Kommentar ab, so die Antwort. In den USA häuften sich in den Jahren 2000 und 2001 die Warnungen, aber die Regierung in Washington ignorierte sie weitgehend.

ZDF-Dokumentation in voller Länge: "Geheimoperation Rubikon. Der größte Coup des BND"

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59 min
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Nach den Anschlägen vom 11. September beklagte Bushs damaliger Anti-Terrorkoordinator Richard Clarke, das Weiße Haus habe nicht auf ihn und CIA-Chef Tenet hören wollen: "George Tenet und ich versuchten, die Dringlichkeit zu vermitteln, indem wir häufig Geheimdienstberichte an den Präsidenten und andere Regierungsmitglieder gaben", so Clarke bei einer Anhörung im Kongress am 24. März 2004.

Selbst eindringliche Warnungen, darunter auch jene aus der "Operation Rubikon" von BND und CIA, reichten nicht aus, um den Terror-Angriff auf Amerika zu verhindern.

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