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Britische Corona-Politik - Ex-Berater Cummings rechnet mit Johnson ab

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Ex-Regierungsberater Cummings hat vor Parlamentariern den britischen Premier Johnson hart attackiert. Zehntausende Corona-Tote gingen auf das Konto der Regierung, so Cummings.

Dominic Cummings, ehemals Berater des britischen Premierministers Boris Johnson, wirft der Regierung Versagen in der Corona-Krise vor: Sie habe zu spät auf die Pandemie reagiert.

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Lügen, Chaos, Versagen: In einer stundenlangen Generalabrechnung hat der ehemalige Top-Regierungsberater Dominic Cummings über die Corona-Politik von Premierminister Boris Johnson hergezogen. Johnson sei "ungeeignet", die Regierung zu führen, sagte Cummings in London am Mittwoch vor Parlamentariern. Der Regierungschef habe das Virus völlig unterschätzt, es habe keine vorbereiteten Krisenpläne gegeben. Johnson wies die Vorwürfe zurück.

Zehntausende Menschen sind gestorben, die nicht hätten sterben müssen.
Dominic Cummings

Cummings wirft Gesundheitsminister Lügen vor

Ins Visier nahm Cummings vor allem Gesundheitsminister Matt Hancock, dem er Lügen und kriminelles Verhalten vorwirft. Der Ressortchef habe etwa bei der Beschaffung von Schutzausrüstung versagt und versucht, die Schuld auf andere zu schieben.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums wies die Vorwürfe gegen seinen Chef zurück: Jeder in dem Ministerium habe "unglaublich hart gearbeitet", um den Gesundheitsdienst NHS zu schützen und Leben zu retten. Auch Johnsons Sprecher verteidigte Hancock, der weiterhin im Amt ist.

Dem Premier sprach Cummings ohnehin die Qualitäten ab. Es gebe "Abertausende" Menschen, die kompetenter seien als Johnson. Dabei gebe es unter den Berufsbeamten viele brillante Köpfe.

Das Problem in dieser Krise war, dass immer wieder Löwen von Eseln geführt wurden.
Dominic Cummings

Cummings: Johnson wollte sich absichtlich infizieren lassen

Cummings zeichnete vor den Mitgliedern zweier Parlamentsausschüsse das Bild eines selbstverliebten Premierministers, dem es nur um den Machterhalt geht, und der die Gefahr einer Gesundheitskrise lange ins Lächerliche zog. Der Regierungschef habe sich sogar absichtlich das Virus live im Fernsehen injizieren lassen wollen, um zu zeigen, dass Corona nicht gefährlich ist, behauptete Cummings.

Johnson infizierte sich später tatsächlich und musste tagelang - "fast auf dem Sterbebett", wie Cummings sagte, auf einer Intensivstation behandelt werden. Auch der Ex-Berater erkrankte schwer an Corona.

Johnson und Symonds nennen ihren Sohn Wilfred. Archivbild

Britischer Premier Johnson - Verkündigung des Todes wurde vorbereitet 

Der britische Premier Boris Johnson war mit dem Coronavirus infiziert. In einem Interview spricht er nun über die Behandlung und sagt: Es hätte "so oder so ausgehen" können.

Vorwurf: "Der Weiße Hai" als Vorbild

Dennoch habe Johnson Kurs gehalten, so Cummings. Als er eine schärfere Einreisepolitik wie in Taiwan gefordert habe, habe der Premier lieber gegen den landesweiten Lockdown gewettert. Demnach sagte Johnson, er hätte sich lieber wie der Bürgermeister aus dem Spielfilm "Der Weiße Hai" verhalten sollen, der trotz des menschenfressenden Raubfischs die Strände nicht schließt - aus Sorge um den Tourismus.

Grundsätzlich gab es keine richtige Grenzpolitik, weil der Premierminister nie eine richtige Grenzpolitik wollte
Dominic Cummings

Medienberichten zufolge sagte Johnson damals, lieber nehme er in Kauf, dass sich "die Leichen zu Tausenden auftürmen". Cummings bestätigte die Aussage, die der Premier wiederholt dementiert hat.

Der eigentliche Plan der Regierung sei gewesen, eine Herdenimmunität zu erreichen. So habe Mitte März 2020 der damalige oberste Spitzenbeamte Mark Sedwill gesagt, Johnson solle zu Coronavirus-Partys aufrufen, ähnlich wie Eltern Windpockenpartys für ihre Kinder veranstalten. Kabinettsmitglieder hatten die Vorwürfe schon vor der Aussage zurückgewiesen.

ZDF-Korrespondent: Konservative unbeeindruckt

Viele Details, mit denen Cummings Zehntausende Tote auf dem Konto der Regierung belegen wollte, "waren bekannt, schon vorher dokumentiert oder zumindest kein Geheimwissen", sagt ZDF-Korrespondent Andreas Stamm.

Das eigentlich Explosive ist, dass es Boris Johnson, die konservative Partei, kalt lässt. Und lassen kann. Weil ein Großteil der britischen Wähler in einem stark polarisierten Land darauf gar nicht mehr reagiert.
Andreas Stamm, ZDF-Korrespondent London

Cummings sei eine äußerst umstrittene Person, so Stamm. "Aber man ist als Beobachter stark geneigt, ihm beizupflichten: Wenn er erklärt, dass es völlig irre sei, dass es Menschen wie ihm und Boris Johnson erlaubt sei, diese Nation anzuführen. Und welche Fragen das aufwerfe über den Zustand des gesamten politischen Systems."

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