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Di Lorenzo bei "Markus Lanz" : "Einschüchterungseffekt" aus der Gesellschaft

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Wie steht es um die Debattenkultur in Deutschland? Dass Menschen meinen, sich politisch nicht frei äußern zu können, sei ein neues Phänomen, so der Publizist di Lorenzo bei "Lanz".

Nach einer Umfrage des Allensbach-Instituts haben mehr Menschen in Deutschland das Gefühl, ihre politische Meinung nicht frei äußern zu können. Auf die Frage "Haben Sie das Gefühl, dass man heute in Deutschland seine politische Meinung frei sagen kann, oder ist es besser, vorsichtig zu sein?" antworteten 44 Prozent der Befragten - so viele wie noch nie -, dass es besser sei, vorsichtig zu sein.

Di Lorenzo: Keine Meinungsunterdrückung durch den Staat

"Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo zog das Ergebnis der Umfrage im ZDF-Talk "Markus Lanz" in Zweifel: "Für ein Land wie die Bundesrepublik ist das natürlich Quatsch."

Wir haben Meinungsfreiheit. Jeder kann sagen, was er möchte.
Giovanni di Lorenzo, Publizist

Meinungsunterdrückung durch Staat, Kirche oder Wirtschaft sei in Deutschland "nicht mehr gegeben", so der Publizist weiter. Dennoch sei es offenbar so, dass viele Menschen Sanktionen fürchten, wenn sie ihre Meinung äußern.

Wenn es diesen Einschüchterungseffekt gibt, dann kommt der aus der Gesellschaft selbst. Das ist ein relativ neues Phänomen und sehr vielen Menschen unheimlich.
Giovanni di Lorenzo

Der Journalist Giovanni di Lorenzo wurde als Sohn eines Italieners auch mal von einem Lehrer als "Itaker" bezeichnet. Aber Deutschland habe sich geändert.

Beitragslänge:
2 min
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Politologin Emilia Roig sieht Paradigmenwechsel

Die Politikwissenschaftlerin Emilia Roig stellt einen "Paradigmenwechsel" in der Debattenkultur fest, und zwar "in der Art und Weise, wie wir über gesellschaftliche Probleme sprechen, wie wir über andere sprechen".

Das liege an dem "Empowerment von Menschen, die bisher von außen definiert wurden, die wenig Handlungsmacht hatten, was ihr Selbstbild angeht", sagte die 38-Jährige bei "Markus Lanz".

Wir merken, dass die Debatte bisher nicht demokratisch war, dass es eine Debatte war und ist, die viele Menschen ausgeschlossen und von außen dargestellt hat.
Emilia Roig, Politikwissenschaftlerin

Nun sei klar, dass man sich in Deutschland nicht mehr offensichtlich rassistisch äußern darf, so Roig: Das sei auch eine "kollektive Verantwortung". "Denn wir tragen in uns allen diese Muster, die uns dazu bringen, manchmal rassistische oder sexistische Sachen zu sagen."

Autorin Thea Dorn: Behutsamere Sprache

Die Schriftstellerin Thea Dorn, ebenfalls Gast bei "Markus Lanz", stimmte di Lorenzo und Roig zu: "Wir sind behutsamer geworden." Und sie eröffnete einen weiteren Diskussionspunkt: "Meine Kritik setzt ein, wenn einzelne Worte nicht mal mehr zitiert werden dürfen, weil sie durch den schieren Klang offensichtlich als so verletzend und traumatisierend von Menschen wahrgenommen werden, dass man sagt: Ein solches Wort muss insgesamt völlig aus dem Sprachschatz verbannt werden."

Dorn warnte vor solchen Ideen, denn es sei eine Frage der Perspektive: "Wenn ich Nietzsches Texte lese, wird mir als Frau eine Beleidigung nach der nächsten um die Ohren gehauen." Sie könne die Texte unter der Perspektive lesen - das sei dann verletzend und auch verstörend. "Oder ich kann sagen: Was kann ich von dem trotzdem lernen? Wo sind trotz dieser Dinge, die mich irritieren, Gedankenfiguren, die dennoch interessant sind?"

Roig: Nietzsche und Co. nicht umschreiben

Politikwissenschaftlerin Emilia Roig sagte dazu: "Die Sprache ist organisch. Die Sprache ist flexibel. Sie verändert sich allmählich". Sie sprach sich dafür aus, dass Texte von Nietzsche und anderen Philosophen unverändert bleiben, "damit wir diesen Rassismus aufzeigen können und sie nicht als Kinder ihrer Zeit verharmlosen".

Denn sie hätten einen wichtigen Beitrag zum wissenschaftlichen Rassismus geleistet. "Sie haben diese Worte nicht nur benutzt, sondern ausgefüllt", so die Autorin bei "Markus Lanz".  

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