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Solidaritäts-Demo Gelsenkirchen - "Zeichen, dass wir nicht alleine sind"

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Antisemitische Parolen, verbrannte Israel-Flaggen: Judenhass scheint wieder salonfähig. Deutsche Juden sind entsetzt über die Wut. Aber auch überzeugt: "Das sind einige wenige."

In mehreren deutschen Städten ist es nach der Eskalation im Nahost-Konflikt zu antisemitischen Ausschreitungen gekommen, auch in Gelsenkirchen. Welche Maßnahmen werden getroffen?

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Antisemitische Parolen auf offener Straße, verbrannte israelische Flaggen. Offene Judenfeindlichkeit scheint in Deutschland mit dem Nahost-Konflikt wieder salonfähig zu werden. Aber es gibt auch viele Gruppen und Organisationen, die dagegen halten. Zum Beispiel am Freitagabend in Gelsenkirchen vor der jüdischen Synagoge.

Demonstration gegen Antisemitismus in Gelsenkirchen

"Betroffenheit und Fassungslosigkeit" sei das "vorherrschende Gefühl" hier, berichtet ZDF-Reporter Thomas Münten vor Ort. Rund 300 Menschen hätten sich hier versammelt, um gegen Antisemitismus zu demonstrieren. Sie folgten damit einem Aufruf der Gelsenkirchener "Initiative gegen Antisemitismus". Die Organisation hatte als Reaktion auf die jüngste gewalttätige antisemitische Demonstration an der Synagoge zur Teilnahme aufgerufen.

Die meisten hier, so Münten weiter, seien einfach "entsetzt, dass sowas mitten im Ruhrgebiet passieren kann". Das Ruhrgebiet lebe vom "Miteinander verschiedener Kulturen". Vom Stadtvertreter bis hin zu Politikern fast jeder Partei seien alle gekommen.

ZDF-Reporter Thomas Münten über die Stimmung bei der Mahnwache an der Synagoge.

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Und sie seien sich auch alle einig, dass sich so ein Vorfall nicht wiederholen dürfe. NRW-Innenminister Reul, so Münten, habe eine "Null-Toleranz-Politik" ausgerufen:

Wir werden bei jedem Angriff so gut wie möglich reagieren.
Herbert Reul, NRW-Innenminister

Dennoch, berichtet der ZDF-Reporter weiter, seien die Gelsenkirchener erstaunt gewesen, dass die Behörden so überrascht waren über den sich verdichtenden Judenhass.

Jüdische Gemeinde: "Viel Solidarität erfahren"

Warum es ausgerechnet die Synagoge Gelsenkirchen getroffen hat, das fragt sich auch die Vorsitzende der dortigen jüdischen Gemeinde, Judith Tasbach-Neuwirth. Es sei zwar eine "ganz wunderbare Erfahrung, aus so vielen verschiedenen Bereichen Solidarität zu erfahren.

"Andererseits sind wir traumatisiert", sagt sie. Und weiter:

So einen Hass, so eine Wut zu ertragen, das weckt Erinnerungen an alte Zeiten. Das Judentum gehört in dieses Land.

Über Behörden-Versagen will sie nicht so recht sprechen, das Ganze werde jetzt "noch aufgearbeitet werden". "Wir sind dankbar, dass die Polizei die Synagoge schützen konnte. Und so dankbar, dass diese Menschen nicht bis hier gekommen sind".

Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen setzt im ZDF-Interview auf Gemeinschaft.

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Tasbach-Neuwirth: Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden

Beim letzten antisemitischen Vorfall seien mit Gullydeckeln Scheiben eingeschlagen worden. So etwas könne schrecklich traumatisieren. Tasbach-Neuwirth findet es wichtig, die Täter zu benennen. "Das sind Radikale, die das tun". Die müssten "zur Rechenschaft gezogen werden für uns und die ganze Gesellschaft". Für sie ist jetzt wichtig: Solidarität. Das sei "der Grundpfeiler jeder Gesellschaft".

Wir können das nur gemeinsam überwinden, sowohl in der Gemeinschaft wie auch rundherum.

Bloggerin Grossmann: Antisemitismus in bürgerlicher Mitte angekommen

Die jüdische Bloggerin Juna Grossmann hat keine Angst vor Judenhass. Sie sei eher entsetzt darüber, wie die deutschen Behörden davon überrascht worden seien. "Antisemitismus ist überall und nicht einer Gruppe zuzuordnen. Er ist auch in der bürgerlichen Mitte angekommen", sagt sie im ZDF. "Wie er geäußert wird, das unterscheidet sich in der Tat." Aber:

Antisemitismus ist in Deutschland überall.
Juna Grossmann

Natürlich werde Antisemitismus von arabischstämmigen Flüchtlingen und Migranten aus Krisengebieten mitgebracht - auch. Aber, wenn sowas komme von einem "gebildeten Menschen aus Deutschland, in allem Komfort, den wir hier genießen dürfen und in all der Bildung", das findet sie schwerwiegender.

Die jüdische Bloggerin sieht im ZDF in Deutschland den Antisemitismus überall.

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Als deutsche Jüdin werde sie oft gefragt, warum Israel so handle: "Ich bin aber keine Israelin". Keine der jüdischen Einrichtungen in Deutschland habe mit Israel etwas zu tun. Sie sei "nicht verantwortlich für Politik des israelischen Staates im Nahen Osten".

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Die Demo in Gelsenkirchen sei ein wichtiges Zeichen, "dass wir nicht allein sind". Solche Momente seien wichtig, in denen "man hingeht und sagt: Wir sind da". Es sei eine Gefahr, "wenn man das Gefühl hat, man ist nicht sicher im eigenen Land". Wie im Fall der NSU-Mordserie beispielsweise.

Im übrigen werde es sicher nicht mehr lange dauern, dann "werden auch die muslimischen Bürger in unserem Land wieder einiges abbekommen", meint Grossmann. Da sei "Zusammenrücken und Zusammenstehen besonders wichtig".

Islam-Experte Bassam Tibi über Antisemitismus in Deutschland

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"Das ist die Hoffnung", sagt die Bloggerin. "Die, die diesen Hass verbreiten, sind einige wenige und einige wenige gefährliche." Die müsse man "im Auge behalten und nicht die Augen davor verschließen".

Wir machen das gemeinsam und wir wissen, dass wir funktionieren.
Juna Grossmann, jüdische Bloggerin
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