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Stimmungsmache im Netz : Wie Moskaus Desinformation an Polen abprallt

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In Polen, wo aktuell die meisten Geflüchteten ankommen, versuchen pro-russische Accounts die Solidarität der Menschen zu untergraben. Bisher ohne größeren Erfolg.

Nadarzyn, 25.03.2022: Ein Junge sitzt mit einem Baby im Arm auf einem improvisierten Bettenlager.
Vor dem Krieg geflüchtete Kinder in Polen.
Quelle: dpa

Polen nimmt aktuell in Europa die meisten Geflüchteten Menschen aus der Ukraine auf: in den vergangenen vier Wochen sind laut Daten des UNHCR mehr als 3,8 Millionen Menschen aus der Ukraine geflüchtet, 2,27 Millionen davon nach Polen. Die Solidarität mit den Geflüchteten ist aktuell groß, doch es gibt Versuche, den Zusammenhalt mit Desinformation und Fake News zu untergraben.

Diese Versuche begannen schon vor der russischen Invasion am 24. Februar. In den sozialen Medien habe es schon seit dem 22. Februar anti-ukrainische Aktivität im polnisch-sprachigen Internet gegeben, berichtet Marta Kozłowska, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM) der TU Dresden.

Die Themen sollten alte Wunden öffnen: Verbrechen im Zweiten Weltkrieg, viel erniedrigende Sprache, Positives über Putin. Ukrainer wurden als Gefahr für den Arbeitsmarkt dargestellt und die Nato als sinnlos.
Marta Kozłowska

Vorbereitung der Invasion: Misstrauen und Angst

Ganz genau untersucht haben diese Aktivitäten die Mitarbeiter des Instituts für Internet- und Social-Media-Forschung in Warschau. Bereits am 21. und 22. Februar, also kurz vor dem russischen Angriffskrieg, registrierten die Wissenschaftler 4.500 Erwähnungen pro-russischer Natur oder zur Unterstützung von Russlands Vorgehen gegenüber der Ukraine. Zwei Millionen Nutzer wurden mit diesen Beiträgen etwa erreicht. Ukrainer wurden in den Beiträgen als "Hunde" und "Mörder" bezeichnet, oder es wurde geschrieben, "sie sind keine Menschen".

Das Hauptziel der Verbreitung dieser Botschaften habe darin bestanden, ein Gefühl des Misstrauens gegenüber dem Handeln der polnischen Regierung und internationaler Organisationen hervorzurufen und gleichzeitig ein Gefühl der Bedrohung durch die Bürger der Ukraine zu schaffen.

ZDF-Korrespondent Johannes Hano berichtet aus New York über die Sitzung des UN-Sicherheitsrates.

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Start der Invasion auch im Netz

Am 24. Februar etwa gegen 9 Uhr wurde dann ein Massen-Desinformationsangriff auf das polnische Internet und die sozialen Medien zugunsten der russischen Erzählung der "Militäroperationen in der Ukraine" registriert. Etwa 300 Accounts und Profile beteiligten sich an dem Desinformationsangriff, der hauptsächlich auf die großen Nachrichtenportalen mit uneingeschränktem Zugriff auf die Kommentarfunktion sowie auf Facebook und Twitter zielte.

Der Angriffs soll dazu gedient haben, die positive Stimmung der Polen in Bezug auf die Moral der ukrainischen Soldaten abzuschwächen und Berichte über russische Verluste zu diskreditieren. Es wurden aber auch nationalistische Ressentiments bedient und Hassbotschaften gegen ukrainische Bürger gepostet.


Faktencheck

Angriff auf Kinderkrankenhaus - Wie Moskau im Ukraine-Krieg Fake News streut  

Nach dem Angriff auf eine Klinik in Mariupol verbreitet Russland Erklärungen, die sich gegenseitig widersprechen. Plausibel sind sie alle nicht. Manche dafür höchst zynisch.

von Oliver Klein und Stefan Hertrampf

Organisierte Desinformation gegen EU und Nato

In den folgenden Tagen der Invasion konnten die Experten des Instituts für Internet- und Sozialmedienforschung die Aktivität von mindestens drei organisierten Arbeitsgruppen identifizieren. Diese zielten mit ihren Botschaften auch darauf ab, die polnischen Behörden und internationale Organisationen wie die EU und die Nato zu diskreditieren und parallel das Image der Russischen Föderation zu verbessern.

Es wurden aber auch andere Themen in den Fokus genommen: Ende Februar versuchten die Accounts etwa Desinformation über Kraftstoffpreise und die Verfügbarkeit von Diesel und Benzin in Polen zu streuen.

Baltikum und Polen appellieren an Tech-Firmen

In dieser Phase riefen die baltischen Staaten und Polen Meta (Facebook, Instagram), Twitter, Google und Youtube dazu auf, die Verbreitung von Desinformationen über Russlands Invasion in die Ukraine einzuschränken. In einem gemeinsamen Schreiben fordern die Regierungschef*innen der vier EU- und Nato-Länder, proaktiv Konten in sozialen Medien zu sperren, die zu Angriffskriegen anstiften oder diese rechtfertigen und falsche Informationen verbreiten.

Russland hat viele Jahre lang Konfrontation und Misstrauen in den Köpfen der Menschen gesät und die Realität manipuliert, um seine politischen Ambitionen zu nähren. Heute werden wir Zeugen der tragischen Folgen dieses lang geduldeten Prozesses auf Kosten des Lebens unschuldiger Ukrainer.
Ingrida Simonyte, Ministerpräsidentin von Litauen
Montage: Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj vor einem Blick auf das zerstörte Mariupol

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Desinformation zeigt noch keine größere Wirkung

Aktuell scheinen die pro-russischen Beiträge jedoch noch nicht in der polnischen Gesellschaft anzukommen: "Die eindeutig negative antirussische Stimmung hält an", schreibt das Institut für Internet- und Social-Media-Forschung in seinem Blog.

Und auch Marta Kozłowska bestätigt die anhaltende Solidarität mit den Menschen aus der Ukraine. Die Bereitschaft, Menschen aufzunehmen, sei weiterhin sehr hoch - etwa bei 90 Prozent. Alle - abgesehen von rechtsextremen Kräften - würden den Kurs und die Regierung unterstützen.

Glücklicherweise reagieren sehr viele Menschen im Netz sehr schnell und kommentieren die Sache mit 'Russischer Troll' oder einer Richtigstellung. Das funktioniert ziemlich gut.
Marta Kozłowska

Aber, gibt Kozlowska zu bedenken: Der Wohnungsmarkt in Polen war auch schon vor dem Krieg angespannt. Der Platz für Geflüchtete wird enger werden. Und auch finanziell ist die Fluchtbewegung eine riesige Herausforderung: Erste Einschätzungen gingen davon aus, das die Aufnahme der Menschen fünf bis sechs Milliarden Euro pro Jahr kosten wird. Geld, das Polen nicht habe. Es werde viel Kraft und auch die Hilfe der EU brauchen, damit die Desinformation weiterhin so wenig Wirkung zeige.

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