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Kernkraft als Klimaretter? - Streit mit Frankreich um grünen Atomstrom

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Frankreich fordert den massiven Ausbau von Kernenergie. AKW seien klimafreundlich, weil sie kaum CO2 ausstoßen. Die Franzosen wollen den Bau neuer Reaktoren fördern.

Kernkraftwerk Flamanville in Frankreich
Kernkraftwerk Flamanville an der französischen Westküste
Quelle: ZDF

Frankreich will eine Renaissance der Atomenergie. Die französische Regierung plant milliardenschwere Investitionen in ihren Kraftwerkspark.

In einem Exklusivinterview erklärt der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno le Maire gegenüber dem ZDF-Magazin Frontal: "Das ist eine wichtige strategische Entscheidung. Es geht darum, 2050 die CO2-Neutralität zu erreichen. Gleichzeitig werde der Stromverbrauch in den kommenden Jahren stark ansteigen. "Um beides zu erreichen, haben wir uns entschieden, neue Atomkraftwerke zu bauen."

Taxonomie - umstrittenes Regelwerk

Die französische Regierung verlangt zudem, Atomstrom in ganz Europa als klimafreundlich und nachhaltig einzustufen - genauso wie Strom aus Sonne und Wind.

Interview mit Bruno le Maire, Wirtschafts- und Finanzminister Frankreich
Interview mit Bruno le Maire, Wirtschafts- und Finanzminister Frankreich
Quelle: ZDF/frontal

Darüber wird aktuell in der EU verhandelt. Taxonomie heißt das neue Regelwerk. Es soll Technologien als nachhaltig und unschädlich kennzeichnen, so dass Geld verstärkt in grüne Technologien geleitet wird. Investments in Atomstrom müssten dazu gehören, meint le Maire:

Das ist sehr wichtig, denn die Investitionen in neue AKW sind sehr kostspielig. Wir sprechen von zweistelligen Milliardenbeträgen.
Bruno le Maire, französischer Wirtschafts- und Finanzminister

Atomstrom als nachhaltig anzuerkennen sei richtig, denn Kernkraftwerke produzierten kein CO2. Außerdem sei das auch unter finanziellem Gesichtspunkt nötig. "Die Investoren brauchen hier Sicherheit." Wird die französische Forderung Wirklichkeit, könnte Frankreich in Zukunft EU-Subventionen für den Bau und Betrieb von AKW in Anspruch nehmen.

Die Strompreise steigen und steigen. Frankreich hat in der Vergangenheit stark auf Atomkraft gesetzt – Präsident Macron plant nun weitere Investitionen.

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Deutsche Umweltministerin gegen französische Pläne

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze läuft Sturm gegen die Idee vom grünen Atomstrom. In einem Brief an die EU-Kommission schreibt sie gemeinsam mit Dänen, Spaniern und Niederländern: "Viele Sparer und Anleger würden das Vertrauen in nachhaltige Finanzprodukte verlieren, wenn sie befürchten müssten, dass sie sich durch den Kauf Aktivitäten im Bereich der Kernenergie finanzieren würden".

Der Auftritt der amtierenden deutschen Umweltministerin vor wenigen Tagen in Glasgow war eine Kampfansage gegen Paris. "Atomkraft kann keine Lösung sein", sagte Schulze mit Blick auf den Kampf gegen die Erderwärmung; zu teuer und hochgefährlich.

Ist es möglich, 100 Prozent unseres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen zu gewinnen? Unternehmer Frank Thelen sieht die "Atomkraft der vierten Generation" als Lösung.

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Svenja Schulze: "Atomkraft teuer und hochgefährlich" 

Inzwischen haben sich allerding neun europäische Länder Frankreich angeschlossen. In einem öffentlichen Appell verlangen die unterzeichnenden Minister, Atomstrom als "grün" anzuerkennen. Atomstrom sei, so heißt es, "unsere wichtigste Waffe" im Kampf gegen den Klimawandel. Kritik am deutschen Atomausstieg wird laut. Gegenüber dem ZDF äußert sich der slowakische Wirtschaftsminister Richard Sulik drastisch:

Ich kann nicht verstehen, wie man so dumm sein kann, dass man seine eigenen Atommeiler abschaltet, die voll funktionsfähig sind.
Richard Sulik, slowakischer Wirtschaftsminister

Die Slowakei jedenfalls plant den Bau weiterer Reaktoren. Eine Mehrheit im Europäischen Rat gegen grünen Atomstrom ist nicht in Sicht. Und die Bundesregierung steckt in einer Zwickmühle.

Die EU-Kommission will verbindlich regeln, welche Investitionen als "grün“ gelten sollen. Um Co2-Emmissionen zu reduzieren, wollen einige EU-Länder verstärkt auf Atomkraft setzen, als Kompromiss könnte Gas und Atomkraft als "grün“ deklariert werden.

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Deutschland setzt auf Gas als "Brückentechnologie"

Deutschland möchte, dass Gas und Gaskraftwerke im Rahmen der Taxonomie als nachhaltig anerkannt werden - als Übergangslösung. Denn die Ampel-Koalitionäre setzen auf Gas zur Energiegewinnung als sogenannte Brückentechnologie. Doch dabei wird CO2 freigesetzt. Noch ist offen, wie der Streit um die Taxonomie ausgeht. Allerdings müssen sich alle 20 EU-Mitgliedsstaaten auf eine Linie einigen.

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist da skeptisch: "Deutschland hat seinen Widerstand nicht aufgegeben." Dass alle EU-Staaten ein grünes Label für Atomstrom ablehnen, glaubt Merkel nicht. "Das ist eine sehr hohe Hürde und voraussichtlich nicht der Fall." Der Franzose le Maire plädiert für einen Kompromiss. Frankreich und seine Verbündeten bekommen das grüne Label für Atom, die Deutschen für ihre Gaskraftwerke.

Wird es dem Osten Europas gelingen, die von Brüssel gesteckten Klimaziele zu erreichen? Andreas Klinner reist mit dem e-Auto von Kleszczow nach Tallinn.

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