Bartsch: Linksfraktion vor dem Aus - wegen Wagenknecht

    Bei Wagenknecht-Parteigründung:Bartsch sieht Linksfraktion vor dem Aus

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    Dietmar Bartsch bereitet sich auf das Ende der Linksfraktion im Bundestag nach der Gründung einer Wagenknecht-Partei vor. Es geht um 108 Mitarbeiter - und die Würde der Fraktion.

    Dietmar Bartsch
    Sahra Wagenknecht will eine neue Partei gründen. Dietmar Bartsch sieht deshalb die Linksfraktion im Bundestag vor der Auflösung.
    Quelle: dpa

    Angesichts der Pläne von Sahra Wagenknecht zur Gründung einer eigenen Partei bereitet sich die Linksfraktion im Bundestag auf ihre Abwicklung vor. "Ich rechne damit, dass wir den Fraktionsstatus im Januar verlieren werden, wenn die neue Partei real gegründet wird", sagte Fraktionschef Dietmar Bartsch dem "Tagesspiegel".
    Bartsch verwies darauf, dass 108 Menschen als Fraktionsmitarbeiter abgestellt seien. Sie würden ihren Job verlieren, wenn die Linke im Bundestag durch die Wagenknecht-Abspaltung ihren Fraktionsstatus verlieren würde.
    Er warf Wagenknecht und ihren Anhängern vor, "lax mit dem Schicksal von mehr als 100 Mitarbeitern" umzugehen.
    Am Montag stellt die Linken-Politikerin einen Verein vor – der könnte Grundlage für eine neue Partei sein. Die Linkspartei kritisiert das Vorgehen Wagenknechts heftig. 19.10.2023 | 1:51 min

    Bartsch appelliert an Fraktion: "Würde wahren"

    Vize-Fraktionschefin Gesine Lötzsch sagte der Zeitung, sie wolle um den Fortbestand der Fraktion kämpfen. "Mein Wunsch ist jetzt, dass wir so lange wie möglich eine Fraktion bleiben, um 108 Mitarbeiter zu schützen und die politische Arbeit aufrechtzuerhalten", sagte sie. "Dazu führe ich Gespräche." Lötzsch bezeichnete den Weg von Wagenknecht als "sehr bedauerlich". Sie habe lange versucht, die Abspaltung von Wagenknecht zu verhindern.
    Der Name des Vereins, aus dem eine neue von Wagenknecht gegründete Partei hervorgehen soll, lautet BSW. Bartsch richtete einen Appell an seine Fraktion:

    Wir müssen aktuell versuchen, unsere Würde zu wahren, den Fokus auf unsere Arbeit zu richten und auf die Menschen, die uns gewählt haben, nicht auf die BSW.

    Dietmar Bartsch, Linken-Fraktionschef

    Fraktionsstatus der Linken hängt an zwei Abgeordneten

    Um eine Fraktion im Bundestag bilden zu können, sind mindestens fünf Prozent der Abgeordneten nötig. Fraktionen erhalten aus dem Haushalt des Bundestags besondere Finanzmittel insbesondere zur Beschäftigung von Mitarbeitern.
    Die frühere Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht plant, eine eigene Partei zu gründen - und riskiert damit die Spaltung der Linken. 21.08.2023 | 3:03 min
    Stellt eine Partei im Bundestag weniger als fünf Prozent der Abgeordneten, kann sie sich dort zu einer Gruppe zusammenschließen - die allerdings weniger Geld erhält. Die Linke wird ihren Fraktionsstatus verlieren, wenn mehr als zwei Abgeordnete die Fraktion verlassen. Es wird damit gerechnet, dass dieser Fall als Folge der von Wagenknecht geplanten Parteigründung eintritt.

    Wagenknecht-Ankündigung am Montag erwartet

    Am Montag will Wagenknecht vor der Presse ihren Verein BSW vorstellen, aus dem die neue Partei hervorgehen soll.
    Der frühere Linken-Parteichef Bernd Riexinger bezeichnete im "Tagesspiegel" das drohende Ende der Fraktion zwar als bedauerlich - konnte ihm aber auch positive Seiten abgewinnen: "Als Gruppe könnten wir endlich wieder geschlossen auftreten und uns durch unsere parlamentarische Arbeit hervortun und nicht durch die ewigen Streitereien."

    "Bündnis Sahra Wagenknecht"
    :Partei-Neugründung: Was Wagenknecht plant

    Bei einer Lesung hat Sahra Wagenknecht offen über ihre neue Partei gesprochen. Sie wolle eine politische Leerstelle füllen. Es sei an der Zeit, Neues zu schaffen.
    Sahra Wagenknecht (Die Linke) bei ihrem Auftritt im Steintor Variete in Halle.
    mit Video
    Quelle: AFP, Tagesspiegel
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