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Klimawandel: Energieschleuder Digitalisierung

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Schulze legt Agenda vor - Klimawandel: Energieschleuder Digitalisierung

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Geht es so weiter wie bisher, wird die Digitalisierung zum "Brandbeschleuniger für den Klimawandel", sagt Umweltministerin Schulze. Mit einer Agenda will sie gegensteuern.

Bundesumweltministerin Svenja Schulz plant, die Digitalisierung umweltfreundlicher zu machen. Dabei geht es etwa um Serien-Streaming und Online-Shopping das Recycling von Smartphones.

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"Umweltschutz gehört in jeden Algorithmus. Denn ungesteuert wird die Digitalisierung zum Klimaproblem" - davor warnt Umweltministerin Svenja Schulze. Hintergrund sind die immer schneller wachsenden Datenmengen. "Mit den richtigen Leitplanken kann die Digitalisierung aber auch dabei helfen, den Klimawandel einzudämmen und das Artensterben zu stoppen", sagte Schulze bei der Präsentation ihrer "umweltpolitischen Digitalagenda" in Berlin. Zum Beispiel lasse sich mit Hilfe von Digitaltechnik "Mobilität anders organisieren". Insofern sei Digitalisierung bei richtiger Nutzung ein "Werkzeugkasten für eine nachhaltige Zukunft".

Bald so schädlich wie der Autoverkehr

Der global steigende Datenverbrauch werde andernfalls, also ungesteuert zum "Brandbeschleuniger für den Klimawandel" werden, sagte die SPD-Politikerin bei der Vorstellung in Berlin. Sie verwies auf Prognosen, wonach die Digitaliserung schon 2025 beim Treibhausgas-Ausstoß mit dem weltweiten Autoverkehr gleichziehen werde. Aktuell steuere die Digitalisierung etwa vier Prozent zum Treibhausgas-Ausstoß bei, sagte Manfred Fischedick vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie - in etwa so viel wie der Flugverkehr.

Die Digitalagenda, die Schulze auch auf europäischer Ebene vorantreiben will, sieht insgesamt 70 konkrete Maßnahmen vor. Die wichtigsten im Überblick:

Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Archivbild
Digitalisierung: So viel Treibhausgase wie beim Flugverkehr - Umweltministerin Schulze (Archiv)
Quelle: Carsten Koall/dpa
  • Beim besonders energieintensiven Streaming von Filmen müssten die Anbieter auf die Einstellung von Autoplay, also das automatische Starten einer Videodatei, als Standardfunktion verzichten werden. Auch müsse "nicht immer die höchste Auflösung eingestellt sein". Hier will Schulze mit den Dienste-Anbietern wie YouTube, Netflix und Amazon über Selbstverpflichtungen sprechen. Es müsse attraktiv für sie sein, mit Umweltfreundlichkeit zu werben.
  • Für Rechenzentren will die Ministerin "verbindliche Vorgaben für die Energieeffizienz" erarbeiten lassen. Zum Beispiel sollten diese künftig mit Ökostrom betrieben werden; die Abwärme müsse genutzt werden. Das Problerm dabei: Laut Schulze gibt es in Deutschland rund 50.000 Rechenzentren, und keiner wisse genau, wo sie stehen und wie leistungsfähig sie sind. Deshalb soll das Umweltbundesamt einen Überblick erstellen.
  • Auch das Online-Shopping will Schulze umweltfreundlicher machen, etwa indem schon auf Suchportalen wie Google oder Idealo Umweltaspekte mit berücksichtigt würden. EU-Vorgaben sollen für eine längere Lebensdauer von Smartphones und Tablets sorgen, Akkus und Displays sollen leichter austauschbar werden. Ziel sei ein "verpflichtender, digitaler Produktpass".
  • Damit die Lebensdauer von Smartphones und Tablets länger werden, sollen die Hersteller Software-Updates und Ersatzteile verpflichtend bereitstellen und den Austausch von Akkus oder Bildschirmen ermöglichen. Das lasse sich auf EU-Ebene regeln.

Pioneerarbeit, um Schalter umzulegen

Wir stehen hier noch ganz am Anfang eines langen Weges.
Umweltministerin Svenja Schulze

Mit Blick auf ihre Digitalagenda ist sich die Ministerin bewusst, dass dies erst der Anfang "eines langen Weges" sei. Ihr Vorstoß sei bislang der erste dieser Art in der EU, bei dem versucht werde, Umwelt- und Digitalisierungsexpertise zusammenbringen. Insofern "leisten wir echte Pionierarbeit".

Dafür hat sie sich außer den Behörden wie das Umweltbundesamt auch wissenschaftliche Einrichtungen wie das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie ins Boot geholt. Dessen Geschäftsführer Manfred Fischedick betonte die Dringlichkeit des Vorhabens: In diesem Jahrzehnt wird sich entscheiden, ob wir den Hebel noch umlegen und die Nachhaltigkeitsziele erreichen können.

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