Sie sind hier:

Ukrainische Gegenoffensiven : Russland weicht - aber nicht im Donbass

Datum:

Die Ukraine führt erfolgreiche Gegenangriffe in den Regionen Cherson, Charkiw und Saporischschja. Eine Rückeroberung des Donbass ist aber unwahrscheinlich.

Leben in Charkiw: zerstörtes Gebäude im Zentrum
Alltag in Charkiw: zerstörtes Gebäude im Zentrum
Quelle: Orlando Barria/epa

Obwohl es teilweise scheint, als ob die Ukraine in den 119 Tagen des Krieges ausschließlich in der Defensive war, haben ihre Truppen tatsächlich bereits eine Reihe von Gegenangriffen durchgeführt - mit wechselndem Erfolg.

Immer wieder ukrainische Gegenoffensiven

Während der Schlacht um Kiew gelang es durch ukrainische Gegenangriffe, Russland daran zu hindern, die Stadt einzukesseln. Im Mai drängten ukrainische Streitkräfte die russischen Truppen aus Charkiw zurück, bis die Stadt beinahe außer Reichweite der Artillerie lag. Dies verringerte den Druck auf die Stadt erheblich.

An der Front sehe es "nicht besonders rosig aus für die ukrainischen Kräfte", berichtet ZDF-Korrespondent Luc Walpot aus Kiew. Neben militärischer benötige das Land auch psychologische Unterstützung.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Im April gelang es in einem ukrainischen Gegenangriff Mykolajiw zu befreien. Seither wurden russische Verbände erheblich in Richtung Cherson zurückgedrängt. Anfang Juni näherten sich die ukrainischen Truppen bereits bis auf Artilleriereichweite an Cherson an und drängten die russischen Truppen langsam, aber stetig zurück.

Karte, Ukraine: Städte mit mehr als 400.000 Einwohner + Cherson (ca. 287.000)
Karte, Ukraine: Städte mit mehr als 400.000 Einwohner + Cherson (ca. 287.000)
Quelle: ZDF

Russland seinerseits hat sich für eine aktive Verteidigungsstrategie entschieden und schaffte es kürzlich, einen ukrainischen Brückenkopf am Fluss Inhulets zu zerstören. Aufgrund des Mangels an Bodentruppen wird Russland jedoch kaum in der Lage sein, die Gegenoffensive der Ukraine in der Region zu stoppen.

Westliche Artillerie macht den Unterschied

Dank des zunehmenden Eintreffens westlicher Langstreckenartilleriesysteme und der Tatsache, dass die Schwarzmeerflotte von den ukrainischer Küste Abstand halten muss, um nicht zum Ziel ukrainischer Anti-Schiffs-Raketen zu werden, wird die Schlangeninsel für Russland wahrscheinlich nicht zu verteidigen sein. Dort stationierte Bodentruppen können durch ukrainische Artillerie vernichtet werden, die weit hinter der Küstenlinie agiert.

Moderne westliche Artillerie in Verbindung mit detaillierten Informationen von westlichen Quellen über russische Ziele werden die Ukraine in die Lage versetzen, weitere Präzisionsschläge gegen die russischen Streitkräfte entlang der gesamten Frontlinie durchzuführen.

Im Donbass hat die Ukraine bereits eine Reihe kleinerer, gut getimter Angriffe gegen die Flanken der vorrückenden russischen Streitkräfte durchgeführt. Besonders erfolgreich waren diese Vorstöße in Richtung Isjum, wo die ukrainische Offensive die russischen Kommunikationswege gefährdet und damit die Logistik der russischen Streitkräfte stört.

Absehbare Grenzen der Offensiven

Trotz all dieser Erfolge ist das ukrainische Potenzial für Gegenangriffe jedoch aus mehreren Gründen limitiert. Der erste ist politischer Natur und hängt mit dem Status der beiden selbsternannten Volksrepubliken im Donbass zusammen.

Mit der einseitigen Anerkennung der Unabhängigkeit der beiden Gebiete am 21. Februar 2022 ist Russland auch die rechtliche Verpflichtung eingegangen, diese militärisch zu verteidigen, was Moskau den Vorwand liefern könnte, eine Mobilisierung im eigenen Land anzuordnen.

Sollte Russland beschließen, diese Gebiete zu annektieren, würde die Verpflichtung sie zu verteidigen noch stärker werden, da sie von da an für Moskau als russisches Kerngebiet gelten würden. Wahrscheinlich ist dies der maßgebliche Grund, warum der Kreml Berichten zufolge eine Angliederung des Donbass an Russland plant.

Montage: Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj vor einem Blick auf das zerstörte Mariupol

Nachrichten | In eigener Sache - Bleiben Sie auf Stand mit dem ZDFheute Update 

Das Aktuellste zum Krieg in der Ukraine und weitere Nachrichten kompakt zusammengefasst als Newsletter - morgens und abends.

Damit würde die Ukraine vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Versuch, diese Gebiete militärisch zurückzuerobern, würde eine offene, direkte Offensive gegen Russland selbst bedeuten. Was die anderen besetzten Gebiete betrifft, so hat Russland seine militärische Präsenz bisher nicht in diesem Sinne "legalisiert", obwohl der Kreml plant, auch diese Gebiete an Russland anzuschließen.

Die zweite Einschränkung ist ressourcenbedingt. Trotz der laufenden massiven Ausbildung neuer Militäreinheiten und des Zustroms westlicher Militärausrüstung wird die Ukraine priorisieren müssen, welche Gegenangriffe sie durchführt.

Sie versorgen Verwundete von der Front. Leicht haben es die Ärzte nicht. Die Russen schießen mit Munition, die sich selbst mit magnetischem OP-Besteck kaum herausoperieren lässt.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Der Versuch, Gebiete in der Region Cherson zurückzuerobern, erfordert kürzere und weniger anfällige Naschublinien als die Rückeroberung der Küste des Asowschen Meeres.

Außerdem leistet die lokale Bevölkerung in den Regionen Cherson, Saporischschja und Charkiw starken Widerstand gegen die russische Besatzung, während dies für den Donbass, insbesondere für die seit 2014 unter russischer Kontrolle stehenden Gebiete, weit weniger gilt.

Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

Rauch nach Explosionen in Kiew
Liveblog

Russland greift die Ukraine an - Aktuelles zum Krieg in der Ukraine 

Russlands Angriff auf die Ukraine dauert an. Es gibt Sanktionen gegen Moskau, Waffen für Kiew. Aktuelle News und Hintergründe zum Krieg im Blog.

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine

Putin auf Landkarte mit Russland, Ukraine, Georgien und Syrien
Story

Nachrichten | Politik - Putins Kriege, Putins Ziele 

Tschetschenien, Georgien, Syrien, Ukraine: Russland hat unter Putin schon in mehreren Ländern gekämpft. Zwischen den Kriegen gibt es Parallelen – hier die Hintergründe verstehen.

Garmisch-Partenkirchen, 26.06.2022: Demonstranten halten Plakate gegen den G7-Gipfel hoch

Nachrichten | heute journal - Auf "warme Worten" müssten Taten folgen 

Kein internationaler Gipfel ohne Proteste. In Garmisch-Partenkirchen appellieren Aktivisten an die Staatsoberhäupter, mehr für den Klimawandel zu tun. Auf Versprechen müssten endlich Taten folgen. …

26.06.2022
von Jutta Sonnewald
Videolänge
Elmau, 26.06.2022: G7-Staatsoberhäupter sitzen an Tisch und schauen in Richtung Kamera

Nachrichten | heute journal - G7: Ein Gipfel der Selbstvergewisserung 

Geschlossen und stark gegen Russlands Präsident Putin auftreten, das ist ein Ziel der G7-Staatschefs beim Gipfel in Elmau: Die Staatschefs diskutieren unter anderem über Waffenlieferungen und einen …

26.06.2022
von Thomas Reichart
Videolänge
Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.