Sie sind hier:
Interview

Gustav Gressel zum Ukraine-Krieg : Experte: Genug Soldaten, zu wenig Waffen

Datum:

Mit der Einnahme von Lyssytschansk hat das russische Militär die Kontrolle in der Region Luhansk übernommen. Was das für Kiew heißt, erklärt Experte Gressel bei ZDFheute live.

Militärexperte Gustav Gressel bei ZDFheute live

Beitragslänge:
27 min
Datum:

Russland hat mit der Einnahme von Lyssytschansk eines seiner zentralen Kriegsziele erreicht: Die Kontrolle in der Region Luhansk. Jetzt konzentrieren sich die Streitkräfte auf den Vormarsch in der Region Donezk, dem zweiten Teil des Donbass. Für den Kreml wäre diese Eroberung ein wichtiger militärischer Sieg.

Nächstes Ziel Moskaus: Slowjansk und Kramatorsk

Militärexperte Gustav Gressel vom Thinktank "European Council on Foreign Relations" geht davon aus, dass sich das russische Bombardement in den kommenden Wochen rund um die Städte Slowjansk und Kramatorsk noch verstärken wird. Die Situation dort sei "enorm angespannt", sagte er bei ZDFheute live. Seit 2014 seien die Städte militärisch ausgebaut worden.

Es gibt starke Stellungssysteme, die kann man gut verteidigen, aber natürlich sind das auch zwei größere Städte, die jetzt acht Jahre in relativem Frieden leben und die jetzt unter Beschuss kommen.
Gustav Gressel, Militärexperte

Gressel: Nach Eroberung durch Russland bleibt wenig übrig

Ein wichtiger Punkt bei der Analyse der Situation seien die russischen Waffen.

Russische Artillerie und russische Raketen sind nicht sehr präzise.
Gustav Gressel, Militärexperte

Die russischen Soldaten könnten damit nicht zwischen militärischen und nicht-militärischen Zielen unterscheiden. Gressel: "Das heißt, man schießt einfach hinein in die Städte, die man erobern will. Es bleibt auch nach der Eroberung recht wenig übrig." Beide Städte seien für die Ukraine wichtige Eisenbahnknotenpunkte. Dort würden Reserven ausgeladen, Nachschub werde angeliefert.

Insofern muss davon ausgegangen werden, dass sich das russische Bombardement in den nächsten Wochen noch verstärken wird.
Gustav Gressel, Militärexperte

ZDFheute Infografik

Wir integrieren Bilder und andere Daten von Drittanbietern, u.a. die Software von Datawrapper für die Darstellung von ZDFheute Infografiken. Mit Ihrer Zustimmung werden diese angezeigt und die genutzte IP-Adresse dabei an externe Server übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre zukünftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Mein ZDF“ jederzeit widerrufen.

Gressel: Genug Freiwillige, aber zu wenig Militärhilfe

Freiwillige seien nicht das Problem des ukrainischen Militärs, meint Experte Gressel. Davon gebe es jede Menge. Das Problem sei vielmehr, dass dringend mehr Militärhilfe nötig sei.

Die Ukraine hat genügend Soldatinnen und Soldaten, die kämpfen - etwa 700.000 Mann unter Waffen. Das Problem ist, hier fehlt die Feuerkraft, hier fehlt die mechanisierte Beweglichkeit, die Panzer, die Schützenpanzer, die Artillerie, um in einem offenen Gelände den Russen entgegenstehen zu können.
Gustav Gressel, Militärexperte

Nach dem Fall von Lyssytschansk ist die gesamte Region Luhansk unter russischer Kontrolle. Moskaus Truppen greifen jetzt verstärkt die Städte Slowjansk und Kramatorsk an.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Zur Verteidigung seien zwingend auch "gepanzerte, mechanisierte Einheiten" nötig: "Und das ist das Entscheidende derzeit, wo es bei der Ukraine hapert." Die Ukraine habe davon einfach zu wenig und die Kriegsverluste nach über vier Monaten, die seien auch auf ukrainischer Seite erheblich gewesen.

Und das schwächt die ukrainische Offensivkraft. Sollten sich diese Waffenlieferungen beschleunigen, dann hat die Ukraine durchaus die Chance, hier Gebiete wieder zurückzuerobern.
Gustav Gressel, Militärexperte

Rückzug aus taktischen Überlegungen

Lyssytschansk, das die Russen inzwischen eingenommen haben, hätte prinzipiell länger von der Ukraine gehalten werden können, schätzt Gressel die Lage ein. Das Problem habe im Süden, in Popasna, gelegen. Dort habe es einen "russischen Einbruch" gegeben, wobei wichtige Geländeanhöhen erobert worden seien. "Von dort haben sie den gesamten Nachschub und die Verkehrslinien, die nach Lyssytschansk reingehen einnehmen können. (...) Sie haben genau gesehen und genau gewusst, wo die Ukrainer sich bewegen."

Der Experte hält den Rückzug der Ukraine deshalb für eine kluge Lösung:

Das hätte (…) ein verhängnisvoller Kessel werden können. Und da haben die Ukrainer geschaut, dass sie - vor allem in der Nacht, russische Nachtsichtgeräte sind nicht besonders gut - ihre Truppen da rausbewegen und dass sie Lyssytschansk eher aufgeben, als sich da in exponierter Position zu bewegen.
Gustav Gressel, Militärexperte

Sehen Sie hier das komplette ZDFheute live:

Die Region Luhansk in der Ostukraine ist unter russischer Kontrolle. ZDFheute live zu Russlands Donbass-Offensive mit Militärexperte Gustav Gressel.

Beitragslänge:
40 min
Datum:

Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine

Putin auf Landkarte mit Russland, Ukraine, Georgien und Syrien
Story

Nachrichten | Politik - Putins Kriege, Putins Ziele 

Tschetschenien, Georgien, Syrien, Ukraine: Russland hat unter Putin schon in mehreren Ländern gekämpft. Zwischen den Kriegen gibt es Parallelen – hier die Hintergründe verstehen.

Ukraine, Donezk: Ein ukrainischer Soldat steht an der Trennlinie zu pro-russischen Rebellen in der Region Donezk. In der Ukraine-Krise haben die USA und Russland bei Gesprächen in Genf zunächst auf ihren bekannten Standpunkten beharrt.
Thema

Nachrichten | Thema - Alles zum Russland-Ukraine-Konflikt 

Russland führt Krieg gegen die Ukraine. Es gibt zahlreiche Sanktionen des Westens gegen Russland und in der Nato abgestimmte Waffenlieferungen an die Ukraine. Alle Nachrichten und Hintergründe.

Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.