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Drei Monate seit Kriegsbeginn : Unerwartete Entwicklungen im Ukraine-Krieg

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Der Ukraine-Krieg hat einen unerwarteten Verlauf genommen - sowohl vonseiten Moskaus, Kiews und des Westens. Diese Entwicklungen der vergangenen drei Monate verwundern:

Ein Straßenarbeiter untersucht einen beschädigten russischen Panzer auf einer Autobahn nach Kiew
Der groß angelegte russische Angriff auf die Ukraine war überraschend, wie auch weitere Entwicklungen im Verlauf des Krieges. (Symbolbild)
Quelle: dpa

Die aktuelle Eskalation des seit 2014 andauernden russischen Krieges in der Ukraine dauert nun schon drei Monate an. In dieser Zeit gab es sowohl für die Konfliktparteien als auch für die Außenwelt eine Reihe von unerwarteten Entwicklungen.

Erstens: Russland startet eine groß angelegte Invasion

Die erste Überraschung war der tatsächliche Ausbruch der Eskalation. Viele in der westlichen akademischen und politischen Gemeinschaft waren überzeugt, dass Russland die Ukraine nicht angreifen würde, und zwar aus einer Reihe von politischen, militärischen und auch wirtschaftlichen Gründen.

In den Regionen Donezk und Luhansk stehen nach ukrainischen Angaben über 40 Städte unter russischem Beschuss. Präsident Selenskyj will keine territorialen Zugeständnisse machen.

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Die Argumente reichten von der Größe des ukrainischen Territoriums und der ukrainischen Streitkräfte bis hin zu den vorhersehbaren Reaktionen des Westens, zu denen auch lähmende Sanktionen gehören würden sowie zu den möglichen innerrussischen Auswirkungen.

Zweitens: Unerwarteter Widerstand der Ukraine

Zweitens haben die Ukraine als Staat und das ukrainische Volk viel mehr Widerstand geleistet, als man erwarten konnte. Die erbitterte Gegenwehr der Ukraine hat Russlands anfängliche Blitzkriegspläne, die darauf abzielten, die gesamte Invasion in nur vier bis fünf Tagen zu vollenden, schnell zunichte gemacht.

Stattdessen gelang es der Ukraine, die russische Offensive in der Region Kiew im Norden des Landes zu vereiteln, die Russen daran zu hindern, die Schwarzmeerküste einzunehmen, und sie sogar aus Charkiw zurückzudrängen - auch wenn sie dafür einen hohen Preis zahlen musste. Sowohl die ukrainische Armee als auch die Gesellschaft sind willens und in der Lage weiterzukämpfen.

In der Ukraine ist der Krieg auch fernab der Front allgegenwärtig: Sirenen warnen vor Luftangriffen, Soldaten müssen versorgt werden und immer kommen neue Flüchtlinge dazu.

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Drittens: Wie schwach die russischen Streitkräfte aufgestellt sind

Drittens hat auch die schwache Leistung der russischen Streitkräfte überrascht. Der Hauptgrund für die anfänglichen Schwierigkeiten lag in der falschen Planung, konkret in der Annahme, dass die Ukraine ohne nennenswerten Widerstand zusammenbrechen würde.

In der Zwischenzeit hat der Krieg jedoch noch eine Reihe weiterer entscheidender Mängel in der Funktionsweise der russischen Streitkräfte offenbart: schwache Führung, miserable Befehls- und Kontrollsysteme, katastrophale Logistik und Wartung, veraltete militärische Ausrüstung - insbesondere gegenüber modernen Panzerabwehrwaffen -, anfällige Kommunikation und niedrige Moral.

Trotz all dieser Faktoren könnte Russland in der Lage sein, den Widerstand der Ukraine durch Zermürbung zu brechen.

Schützenpanzer des Typs "Marder"

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von Mathis Feldhoff

Viertens: Die Geschlossenheit und der Wille zum Handeln des Westens

Viertens war die überraschend einhellige Reaktion des Westens auch für viele, einschließlich des Kremls, unerwartet. Die sechste Runde der EU-Sanktionen wird bereits verhandelt, die USA und andere NATO-Verbündete versorgen die Ukraine mit äußerst wertvollen nachrichtendienstlichen Informationen, darunter Berichten zufolge auch Echtzeit-Informationen über die Bewegungen der russischen Streitkräfte.

Viele westliche Länder versorgen die Ukraine nicht nur mit finanzieller und humanitärer Hilfe, sondern auch mit Waffen, zunehmend auch mit schweren Waffensystemen, obwohl letzteres noch im Januar dieses Jahres unvorstellbar war.

Fünftens: Russland ist massiv abhängig von westlicher Technologie

Die fünfte Überraschung ist die offenkundige massive Abhängigkeit Russlands von westlichen Technologien, die durch die Sanktionen und den Rückzug hunderter westlicher Unternehmen vom russischen Markt sichtbar wurde. Inzwischen ist Russlands ziviler Luftfahrtsektor ruiniert, vielen Werken der Rüstungsindustrie fehlen Mikrochips, die Autohersteller müssen Autos auch ohne importierte ABS und Airbags produzieren.

Viele weitere sich anhäufende Effekte werden erst in der Zukunft zu sehen sein. Dieses Ausmaß der Abhängigkeit von importierten Technologien kam wahrscheinlich auch für die russischen Entscheidungsträger überraschend.

Die Ukraine gilt als einer der größten Weizenexporteure der Welt. Durch den Krieg können die Landwirte ihrer Felder nur noch unter großen Schwierigkeiten bestellen. ZDF-Reporter Johannes Hano hat Bauern bei ihrer gefährlichen Arbeit begleitet.

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Welche Auswirkungen hat der Ukraine-Krieg auf künftige Konflikte?

Letztendlich erwiesen sich viele der Argumente, die gegen den Ausbruch eines Krieges sprachen, als berechtigt. Dennoch entschied sich Russland für einen Angriff. Das bringt Implikationen für zukünftige Konfliktszenarien mit sich. Da die meisten Prognosemodelle auf der Annahme rationaler Akteure basieren, ist es eine komplizierte Aufgabe, vorherzusagen, wann der Gegner einen Fehler machen wird - also in anderen Worten, wann er nicht als völlig rationaler Akteur handelt.

Russlands Angriff auf die Ukraine war objektiv betrachtet ein schwerer Fehler, der aufgrund der strategischen Fehleinschätzung der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit begangen wurde.

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