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Bombardierung Dresdens 1945 - Erinnern mit Agenda

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Wie viele Menschen starben bei der Bombardierung Dresdens 1945? Die AfD macht die eigentlich geklärte Frage zum Streitthema - und stellt sich in eine Reihe mit Rechtsextremisten.

13./14.2.1945: Dresden wird durch britische und amerikanische Bombenangriffe zerstört.
Die zerstörte Innenstadt von Dresden 1945. Durch Fliegerangriffe zwischen dem 13. und 15. Februar kamen bis zu 25.000 Menschen ums Leben.
Quelle: ap

Zwischen dem 13. und 15. Februar 1945, kurz vor Kriegsende, bombardierten alliierte Luftstreitkräfte die Stadt Dresden. Jedes Jahr gedenken Tausende Menschen dieser Opfer. Im Bewusstsein der Stadt spielen die Ereignisse auch nach 75 Jahren noch eine große Rolle. Vor allem die Zahl der Opfer wird bis heute politisch instrumentalisiert.

Wie viele Opfer forderten die Bombenangriffe?

Seit März 2010 sollte es eigentlich keine grundsätzliche Diskussion mehr um die Opferzahl geben. Da veröffentlichte die eigens von der Stadt Dresden einberufene Historikerkommission ihren Abschlussbericht zu den Toten der Bombardierung Dresdens. Das Ergebnis der Kommission ist eindeutig:

"Bei den Luftangriffen auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945 wurden bis zu 25.000 Menschen getötet."

Opferzahlen, die darüber hinausgehen, verwerfen die Forscher als überhöht:

"Seit 1945 [existieren] zwei wesentliche Parallelüberlieferungen - einerseits Zahlenangaben der zuständigen Behörden in einer Größenordnung von 25.000 bis 35.000 getöteter Menschen, andererseits vielfach höhere Angaben, die von unterschiedlichen Akteuren mit differenzierten Motivationen vertreten werden."

Für ihre Untersuchung werteten die Forscher Dokumente aus mehr als 800 Archiven und Institutionen aus. Insbesondere hatten sie Zugang zu den über Jahrzehnte verschlossenen russischen Militärarchiven, wo ein substanzieller Teil der konfiszierten Unterlagen deutscher Behörden aus dem Jahr 1945 aufbewahrt werden.

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Auf welchen Quellen fußen die überhöhten Opferzahlen?

Die nationalsozialistische Propaganda brachte schon Tage nach dem Ereignis gefälschte Zahlen in Umlauf: Hunderttausende, vor allem Flüchtlinge, sollen dem "Bombenterror" zum Opfer gefallen sein. Am 7. März 1945 wies das Auswärtige Amt die deutschen Gesandten in der neutralen Schweiz etwa an, "eher 200.000 als 100.000 Todesopfer" in ihren Darstellungen zu verwenden.

Diese Zahlen fanden sich dann auch in den Korrespondentenberichten ausländischer Zeitungen wieder. Bücher wie Kurt Vonneguts "Slaughterhouse Five" verbreiteten eine Opferzahl von 125.000. Der Holocaust-Leugner David Irving arbeitet sich in mehreren einflussreichen Publikationen an der Opferzahl ab.

Damit waren die Zweifel gestreut, die gefälschten Quellen so in Umlauf gebracht, dass bis heute Menschen meist aus dem rechten und rechtsextremen Spektrum mit ihnen argumentieren können. Nachdem die NPD 2004 in den sächsischen Landtag eingezogen war, provozierten ihre Abgeordneten mit Reden über den sogenannten "Bomben-Holocaust" von Dresden. Aktuell bringen neurechte Publikationen wieder Zahlen von bis zu 250.000 Opfern in Umlauf und kritisieren ein "ideologisch verfälschtes Geschichtsbild zur massiven Verringerung der Opferzahlen", wie es das Magazin "Sezession" des neurechten Ideologen Götz Kubitschek formuliert.

Von wie vielen Opfern geht die AfD aus?

Auch einzelne AfD-Politiker versuchen, den Konsens bezüglich der Opferzahlen von Dresden gezielt aufzubrechen. AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla sagte dem "Spiegel", er gehe "von etwa 100.000 Opfern aus" und wundere sich, dass die Opferzahlen in den vergangenen Jahren immer wieder nach unten korrigiert worden seien.

Der Hobbyhistoriker Gert Bürgel publiziert seit Jahren eigene Ergebnisse zu den Opferzahlen. Er kritisiert vermeintliche Fehler der offiziellen Historikerkommission, missversteht deren Aussagen oft bewusst oder zitiert deren Ergebnisse verkürzt. Am Dienstagabend sprach er auf Einladung der AfD Dresden: "Eine Obergrenze von 25.000 Opfern kann nicht die Gesamtzahl aller Opfer sein", sagte Bürgel. Die Auseinandersetzung mit höheren Opferzahlen sei aber "geschichtspolitisch nicht gewünscht".

Im Interview: Matthias Neutzner, der als Mitglied der Dresdner Historikerkommission die Opferzahlen der Dresdner Bombennacht bewertete.

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Wie instrumentalisiert die AfD das Erinnern an die Opfer?

Damit gibt die AfD Personen und Meinungen eine Plattform, die von professionellen Forschern abgelehnt werden und die bislang nur von verfassungsfeindlichen Parteien wie der NPD vertreten wurden. "Endlich soll die Wahrheit gesagt werden dürfen. Die AfD macht es möglich", kommentierte ein Nutzer auf Facebook die Liveübertragung von Bürgels Vortrag.

Die AfD plant heute eine eigene Gedenkveranstaltung inklusive Kranzniederlegung und einen vom Dresdner Kreisverband organisierten Infostand, an dem über "die wahren Begebenheiten jenes Tages" informiert werden solle, kündigte Chrupalla an. Am offiziellen Gedenken der anderen Parteien will die Partei nicht teilnehmen.

Wie wird der Toten von Dresden gedacht?

Schon unmittelbar nach Kriegsende verarbeiteten Dresdner Bürger auf verschiedene Weise die traumatischen Erfahrungen der Bombardierung. Rudolf Mauersberger, Kantor des berühmten Dresdner Kreuzchores, führte schon im Sommer 1945 seine neu komponierte Trauermusik "Wie liegt die Stadt so wüst" auf.

Dresden - 75 Jahre nach der Bombennacht.

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In der DDR nutzte die SED-Führung das Gedenken an die Bombardierung auch zur Kritik an den USA und Großbritannien. Man zog eine direkte Parallele zwischen der Bombardierung Dresdens und Luftangriffen in der Zeit des Kalten Krieges.

Lange wurde in Dresden um den richtigen Umgang mit dem Gedenken gerungen. Erst 2010 gelang es, mit einer Menschenkette einen Konsens für den breiten bürgerlichen Protest gegen die Rechtsextremen zu finden, die seit Jahren den Gedenktag für ihre Propaganda missbrauchen. Zeitweise versammelten sich mehr als 6.000 Neonazis in der Stadt.

Mit den Jahren wurden es immer weniger, vor allem weil sich ihnen Tausende in den Weg stellten. Mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche wurde ein weiterer wichtiger Gedenkort geschaffen. Am Donnerstag wird auch Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier in Dresden sprechen.

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