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Dündar-Film zum Putschversuch - Wie eine Nacht die Türkei veränderte

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Exklusive Bilder, geheime Dokumente und Augenzeugenberichte: So zeichnet der im deutschen Exil lebende Journalist Dündar die Gräuel des gescheiterten Putsches vom Juli 2016 nach.

Die Bosporus-Brücke verbindet seit 47 Jahren Asien und Europa. Sie ist die Lebensader von Istanbul. Doch in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 2016 wird sie Schauplatz eines Massakers. Ein Putschversuch erschüttert die Türkei, als eine Handvoll Soldaten die Brücke besetzen und Zivilisten sich der Waffengewalt entgegenstellen. 352 Menschen sterben.

Bis heute stellen sich Fragen: Wer steckte hinter dem Putschversuch? Wie hat er die Türkei verändert. Welche Rolle spielte Erdoğan? Schließlich hatte der türkische Präsident kurz nach der Niederschlagung des Putsches einen erstaunlichen Satz gesagt: "Diese Unternehmung ist ein großes Geschenk Allahs."

Sehen Sie hier die exklusive ZDFinfo-Doku von Can Dündar "Die Türkei und der gescheiterte Putschversuch":

Die Nacht des 15. Juli 2016 verändert die Geschichte der Türkei. An diesem Tag kommt es zu koordinierten Angriffen von Teilen des türkischen Militärs, unter anderem in Istanbul.

Beitragslänge:
43 min
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Dündar: 2016 wurde Machtkampf in der Türkei entschieden

Für den türkischen Journalisten Can Dündar steht fest: Im Juli 2016 wurde ein langer Machtkampf zweier Männer entschieden, die einst Komplizen waren - der zwischen dem muslimischen Prediger Fethullah Gülen und dem Politiker Recep Tayyip Erdoğan.

Diese Feindschaft bezahlten Unschuldige mit ihrem Leben.
Can Dündar

Prediger Gülen gründete in der Türkei Schulen, Universitäten, Medienunternehmen und brachte seine Anhänger in juristischen Fakultäten, Militär- und Polizeiakademien unter. Mit der Gülen-Bewegung als Verbündetem gewinnt Erdoğan 2002 die Parlamentswahlen. Danach wird im ganzen Land säkulares Führungspersonal entlassen und durch Strenggläubige ersetzt.

Bruch zwischen Erdoğan und Gülen

Doch 2012 kommt es zum Bruch. Sein einstiger Weggefährte wird Erdoğan zu mächtig. Als er Gülen-Schulen schließen lässt, ist die Rache des Predigers gewiss. Gülen-Vertraute veröffentlichen geheime Telefonmitschnitte: Korruptionsvorwürfe gegen die Familie Erdoğans und seine Regierung.

Der Präsident schlägt zurück. Tausende Polizisten, Richter, Staatsanwälte und Journalisten werden verhaftet als angebliche Mitglieder einer Terrororganisation. Als auch die Armeespitze ins Visier von Nachforschungen gerät, planen Gülens Anhänger einen Putsch.

Analyse des Putschversuchs im Film

Dündar hat für seinen Film "Kampf auf der Bosporus-Brücke - Die Türkei und der gescheiterte Putschversuch" Augenzeugen befragt, interne Dokumente der Putschisten ausgewertet und hunderte Stunden Videomaterial gesichtet. Allein auf der Bosporus-Brücke hatten 18 Sicherheitskameras aus allen erdenklichen Perspektiven jedes Detail festgehalten.

So kann Dündar nachzeichnen, wie nichtsahnende Kadetten für den Putsch missbraucht wurden. Der Film belegt, wie Präsident Erdoğan den Polizeichef von Istanbul anweist, Zivilisten in die Feuerlinien zu schicken. Augenzeugen schildern, wie die Staatsmacht einen Lynchmob 40 Minuten gewähren ließ, nachdem sich die Putschisten ergeben hatten. Menschen wurden zu Tode getrampelt.

Der im deutschen Exil lebende türkische Journalist Can Dündar ist in der Türkei zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte vor fünf Jahren einen Artikel über illegale Waffenlieferungen der Türkei nach Syrien berichtet.

Beitragslänge:
1 min
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Ex-Botschafter: Türkei hat sich von Europa wegbewegt

Eine Woche nach dem Putschversuch ruft Erdoğan den Ausnahmezustand aus. Er dauert zwei Jahre. 130.000 Menschen wurden aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Mehr als 4.500 Richter und Staatsanwälte abgesetzt. 20.000 Soldaten aus der Armee ausgeschlossen, die Hälfte aller Generäle suspendiert.

Mit den Folgen dieses grausamen Machtkampfes müssen die Menschen in der Türkei bis heute leben, sagt Martin Erdmann, damals deutscher Botschafter in der Türkei.

Wir müssen feststellen, dass die Pressefreiheit ganz wesentlich eingeschränkt ist, dass die Judikative politisiert ist, dass die Rechtsprechung politisiert ist und dass die Eigenständigkeit der Universitäten sehr stark eingeschränkt ist.
Martin Erdmann, ehemaliger Botschafter in der Türkei

Die Türkei habe sich "in Riesenschritten von Europa wegbewegt".

Etwa drei Millionen sogenannte Deutschtürken leben in Deutschland. Darunter auch Kritiker des türkischen Präsidenten Erdogan. Viele von ihnen fühlen sich bedroht.

Beitragslänge:
28 min
Datum:

Dündar nach wie vor in Deutschland im Exil

Journalist Dündar selbst musste nach Deutschland fliehen, weil ihm türkische Behörden Spionage vorwerfen. In Abwesenheit wurde er zu 27 Jahren Haft verurteilt. Seinen Film über das wohl wichtigste Ereignis der jüngeren türkischen Geschichte hat Dündar aus dem Exil heraus gemeinsam mit dem ZDF-Politikmagazin Frontal 21 produziert.

"Viele türkische Journalisten und Medienschaffende werden in ihrem Land für ihre Arbeit verfolgt", sagt ZDF-Chefredakteur Peter Frey. "So ergeht es auch Can Dündar."

Zitat Peter Frey zu Doku von Can Dündar
Quelle: ZDF

"Kampf auf der Bosporus-Brücke - Die Türkei und der gescheiterte Putschversuch" läuft am Freitag, 22. Januar 2021, um 20:15 Uhr bei ZDFinfo und jederzeit in der ZDF-Mediathek.

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