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Medikamente per App bekommen : Warum Lauterbachs E-Rezept nicht funktioniert

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Wer ein Rezept in der Apotheke einlösen will, soll das ab kommender Woche auch digital machen können: Mit dem "E-Rezept", per App. Doch in der Praxis wird das nicht funktionieren.

Ab September sollen alle Apotheken elektronische Arztrezepte annehmen können, so Gesundheitsminister Lauterbach. Die e-Rezepte sollen vorerst über eine App eingelöst werden.

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Doktor Ingo Ochlast braucht nur zwei Klicks. Der Berliner Arzt sitzt an seinem Rechner in seiner Praxis und stellt ein digitales Rezept aus. Eine Minute später kommt es auf dem Handy seines Patienten an, der dafür nicht mehr zu ihm in die Praxis kommen muss.

Mit dem digitalen Rezept, dem E-Rezept, sollen Patienten ab kommender Woche in die Apotheke gehen können. Dort zeigen sie dann nur noch ihr Handy vor und bekommen ihre Medikamente. Papierlos, wenn sie sich die entsprechende "E-Rezept-App" runtergeladen haben.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat das E-Rezept am Freitag in Berlin vorgestellt. Er spricht von einem neuen Spirit:

Gerade für ältere Menschen ist das E-Rezept ein Gewinn. Sie müssen nur noch in die Apotheke gehen und das Medikament ist schon da.
Karl Lauterbach, SPD

Elektronische Patientenakten sollen im Praxisalltag Ärzten helfen, nötiges Wissen zu erhalten. Von Datenschützern hagelt es für die Digitalisierung allerdings auch Kritik.

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Einloggen in Rezept-App ist sehr kompliziert

Soweit die Theorie. Doch in der Praxis wird das E-Rezept vorerst kaum funktionieren. Nur ein Bruchteil der Versicherten wird die Rezept-App so nutzen können, wie sich Lauterbach das vorstellt. Denn in die App muss man sich einloggen und das ist außerordentlich kompliziert.

Versicherte brauchen dazu eine elektronische Gesundheitskarte, auf der eine sechsstellige Zahl stehen muss. Zusätzlich dazu benötigt man eine PIN, die einem die Krankenkasse zugeschickt haben muss. Dafür wiederum müssen sich Versicherte identifizieren, was oft per Video in einer weiteren App geschieht - zum Beispiel so: Kamera des Smartphones einschalten, ins Handy gucken und zufällige Worte nachsprechen, die einem die App vorgibt.

Wer macht das schon? Sicherlich nicht "Oma Gerda" aus Bonn-Beuel Limperich. Deswegen wollten sie es in Schleswig-Holstein einfacher machen. Dort hätten Patienten ihr Rezept per Mail erhalten sollen. Doch das hält die Landesdatenschutzbeauftragte für unsicher. Ergebnis: Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein setzt das E-Rezept erst einmal aus.

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von Britta Spiekermann

Ärzte drucken jetzt QR-Codes auf Papier aus

Martin Tschirsich vom Chaos Computer Club ist Experte für das digitale Gesundheitswesen. Er schätzt: Von den 73 Millionen Versicherten in Deutschland könnten maximal 500.000 das E-Rezept vollumfänglich per App nutzen. Ein zentrales Problem sei nämlich nicht gelöst, sagt er ZDFheute:

Die Infrastruktur fürs Einloggen in die E-Rezept-App ist einfach nicht vorhanden, denn die Identifikation gegenüber der Krankenkasse wurde jahrelang vernachlässigt.
Martin Tschirsich, Chaos Computer Club

Versicherte könnten die App zwar trotzdem nutzen, sagt Tschirsich. Aber eben nicht papierlos. Rund 72,5 Millionen Versicherte würden das Rezept nicht in ihrer App empfangen. Ihnen würden Arzt oder Ärztin das Rezept nach wie vor ausdrucken - und zwar als QR-Code auf einem Blatt Papier.

Mit diesem Blatt Papier könne man dann in die Apotheke gehen, hier werde der QR-Code gescannt. Oder man könne den Code auch selbst in der E-Rezept-App scannen. Das Prinzip kennen Millionen Deutsche, die ihre Corona-Impfung in der Corona-Warn-App registriert haben. Nur: Zum Arzt gehen muss man trotzdem noch. Ganz analog.

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