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"Wir brauchen eine Strategie!"

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Experten zu Coronavirus - "Wir brauchen eine Strategie!"

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Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle steigt - das Virus hat Deutschland längst erreicht. Wie gut sind wir darauf vorbereitet? Experten fordern, das Gesundheitssystem zu stärken.

In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben sich weitere Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Aber nicht nur in Deutschland breitet sich das Virus weiter aus.

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"Der Coronavirus-Ausbruch ist eine Pandemie. Wann die WHO diese erklärt, ist nur eine politische Entscheidung", davon ist Alexander Kekulé, Virologe und Seuchenforscher der Universität Halle überzeugt. Noch betont Gesundheitsminister Jens Spahn aber, dass Deutschland "bestmöglich vorbereitet sei". Er stellt vor allem das große Netzwerk von Kompetenzzentren und Spezialkliniken heraus und lobt Krankheitswarn- und Meldesysteme sowie Pandemiepläne.

Ein Plan für Corona sieht anders aus als ein Plan für Influenza.
Professor Bernd Salzberger

Die mussten aktualisiert und angepasst werden, berichtet Professor Bernd Salzberger, Internist und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. "Ein Plan für Corona sieht anders aus als ein Plan für Influenza."

Im Universitätsklinikum Regensburg wurden Abläufe für den Ernstfall neu organisiert, sowie Vorräte an Medikamenten besorgt. Nur wenn alles gut durchgeplant sei, könnten Corona-Patienten gut und richtig versorgt werden.

Verbreitung vermeiden ohne zu verunsichern

Prof. Dr. med. Bernd Salzberger
Professor Bernd Salzberger
Quelle: ukr.de

Doch Experten sind sich einig: Das deutsche Gesundheitssystem wäre im Ernstfall überlastet. Unerkannte Coronavirus-Infektionen könnten sich in kurzer Zeit zu Epidemien entwickeln. "Wir müssen diese glimmenden Zigaretten austreten, bevor es zu einem Flächenbrand kommt", sagt Kekulé.

Kekulé fordert eine neue Strategie: Seit Wochen plädiert er dafür, alle an Grippe Erkrankten, die derzeit in Kliniken behandelt werden, auch auf das Coronavirus zu testen. Bereits am 12. Februar wendet er sich mit einer Empfehlung zur Bekämpfung des Corona-Virus - die dem ZDF vorliegt-, an das Robert-Koch-Institut. Kekulé beschreibt ausführlich Maßnahmen, mit denen eine epidemische Verbreitung vermieden werden könnte, "ohne Ressourcen zu binden oder die Bevölkerung zu verunsichern". Auf diese Empfehlung gab es bis heute keine Rückmeldung.

Absperrungen bringen nichts

Wenn man absperrt, gibt man zu, dass es eigentlich schon zu spät ist.
Alexander Kekulé, Virologe Universität Halle

Dabei zeigen die Vorfälle in Italien, dass mögliche Infektionsgebiete frühzeitig erkannt werden müssen. Das bloße Absperren von Gebieten, wie in Italien oder wie im Ernstfall auch die Stadt Berlin überlegt, bringe laut Kekulé nichts. "Das ist eine Verzweiflungstat. Wenn sie anfangen, auf der einen Seite abzusperren, laufen die Leute auf der anderen Seite raus. Weil die Leute nicht mit lauter Kranken eingesperrt sein wollen. Wenn man absperrt, gibt man zu, dass es eigentlich schon zu spät ist."

Zu oft seien in Italien zudem die Erkrankungen als Erkältungen angesehen worden, auch in Krankenhäusern. Daraus sollte auch Deutschland lernen, fordert Kekulé. In Deutschland seien bereits viele Labore für Untersuchungen auf Sars-CoV-2 vorbereitet. Da die Kapazitäten nicht für die Testung aller Atemwegsinfektionen ausreichten, schlägt Kekulé vor, nur besonders schwere Krankheitsverläufe auf das Virus zu untersuchen.

Experten: Gesundheitssystem muss gestärkt werden

Das ist doch illusorisch, dass die knapp 60 Betten auf den Sonderisolierstationen ausreichen.
Professor Kekulé

Das deutsche Kliniknetzwerk gehört zweifelsohne zu den besten in Europa. Allerdings gebe es nur wenige Spezialkliniken, die auf den Umgang mit Seuchen vorbereitet beziehungsweise dafür ausgerüstet sind. "Das ist doch illusorisch, dass die knapp 60 Betten auf den Sonderisolierstationen ausreichen. Selbst bei einem kleinen Ausbruch würde das nicht reichen", so Kekulé.

Alexander Kekulé
Professor Alexander Kekulé
Quelle: privat

Und dann würde eine Kette losgetreten werden: ohnehin schon volle Krankenhaus-Stationen müssten für die Corona-Infizierten leergeräumt werden, das Personal müsste in speziellen Trainings ausgebildet werden und bestimmte Atemschutzmasken, so genannte Respiratoren, angeschafft werden. Die sind aber längst ausverkauft. Ein Großteil nach China. Deswegen sei es allein schon aus psychologischen Gründen sehr wichtig, das Gesundheitssystem selbst zu stärken, damit dieses nicht in Panik gerate. Und im Ernstfall auch funktionieren könne.

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