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Heizen mit Pellets und Co - Wie nachhaltig ist Energie aus Holz wirklich?

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Der Staat fördert Holzheizungen, da der Brennstoff als CO2-neutral gilt. Doch immer mehr Wissenschaftler widersprechen.

Wird unser Wald verheizt?

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Heizen mit Holz liegt im Trend, denn es gilt als nachhaltig und gemütlich. Trotz hoher Feinstaubemissionen fördert der Staat Holzheizungen, weil sie als klimaneutral gelten.

Doch genau das bestreiten Experten wie der Forstwissenschaftler Lutz Fähser: "Holzverbrennung bedeutet direkte Freisetzung von CO2". Der Brennstoff sei ineffektiv und erzeuge mehr Treibhausgas als Erdgas, Öl oder gar Kohle.

Hier ist eine ganze Sparte dabei, unsere Klimaziele zu konterkarieren.
Lutz Fähser, Forstwissenschaftler

Und die deutsche Wissenschaftsakademie Leopoldina sieht in der energetischen Nutzung von Waldholz "erhebliche ökologische Risiken".

Alte Wälder wichtig für Klimaschutz

Anstatt Holz für die Verbrennung zu entnehmen, könne man es daher auch im Wald belassen und damit möglicherweise einen "ebenso großen oder sogar größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten".

Nicht geerntete Bäume wachsen weiter und binden immer mehr CO2. Für die Artenvielfalt und den Klimaschutz wären mehr alte Wälder daher ein Segen, wie Studien zeigen.

Selbst wenn Bäume irgendwann absterben, speichern sie als so genanntes Totholz Wasser und kühlen den Wald. Die Zersetzung erfolgt zudem sehr langsam, wobei ein Teil des Kohlenstoffes zur Humusbildung im Boden beiträgt.

Politik auf dem Holzweg?

Dennoch scheitert Deutschland beim selbst gesteckten Ziel der Biodiversitätsstrategie, fünf Prozent der Wälder aus der Nutzung zu nehmen.

Deutschland verfehlt Waldschutzziele deutlich

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Ein Grund: Die Forstlobby behauptet, Naturwälder dienten nicht dem Klimaschutz und hat diese These im Klimaschutzgutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium verankert, das der Politik als Entscheidungshilfe dient.

Vorsitzender des Gremiums ist der Forstlobbyist Prof. Hermann Spellmann von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen. Totholz im Wald liegen zu lassen, mache aus Klimasicht keinen Sinn, da hierbei die gleiche Menge CO2 freigesetzt werde wie bei der Verbrennung.

Verbrennen dagegen sei klimafreundlich, denn "Gas oder Erdöl sind fossile Brennstoffe. Wenn die in der Erde blieben, hätten wir insgesamt weniger Emissionen". Was als Brennholz verbrannt werde, "würde ja dann später wieder gebunden im Wald und dann würde ein Kreislauf entstehen", sagt Spellmann.

Holz wächst nicht so schnell, wie es brennt

Die Klimaneutralität beruht auf der Annahme, dass verbrannte Bäume nachwachsen und das freigesetzte CO2 wieder binden.

Doch die Idee vom Kreislauf hat einen Haken: "Wenn ein Baum 100 Jahre wächst und in der Zeit CO2 fixiert, und wir ihn dann zu Kaminscheiten machen, und diese in ein paar Stunden verbrennen, wird der Kohlenstoff innerhalb dieser kurzen Zeit freigesetzt", sagt Prof. Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.

Dann braucht es im besten Fall wieder 100 Jahre, damit ein ähnlicher Baum an der gleichen Stelle steht.

Fachleute sprechen von der "CO2-Schuld". Das könne, wenn überhaupt, nur im kleinen Maßstab funktionieren. Doch in der Praxis gefährde die Brennholznachfrage weltweit Wälder, die für den Klimaschutz unentbehrlich sind.

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