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Equal Pay Day 2021 - Weit weg von gleichem Lohn für gleiche Arbeit

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Die Lohnkluft zwischen Frauen und Männern in Deutschland ist 2020 leicht gesunken. Sie ist aber noch immer eine der größten in Europa. Daran erinnert der heutige Equal Pay Day.

18 Prozent: so hoch ist der Gehaltunterschied zwischen Frauen und Männern - trotz Entgelttransparenzgesetz, das seit vier Jahren gilt. Doch das habe die falsche Zielgruppe, so Experten.

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Die statistische Lohnlücke lag 2019 bei 19 Prozent. Im Jahr 2020 ist sie auf 18 Prozent gesunken, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag bekannt gab. Symbolisch markiert in diesem Jahr deshalb der 10. März diese Lohnlücke.

Bis zu diesem Tag, dem Equal Pay Day, arbeiten Frauen quasi umsonst. Die Ursache dafür ist der Gender Pay Gap, der den geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern beschreibt. Doch ganz so einfach ist das mit den Zahlen nicht.

Unbereinigter und bereinigter Gender Pay Gap

Das Statistische Bundesamt erhebt zweierlei Gehaltslücken. Die 18 Prozent, von denen zumeist die Rede ist, sind der unbereinigte Wert. Dieser vergleicht den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, ohne die ursächlichen Faktoren zu berücksichtigen. Die Differenz ist deshalb so groß, weil zum Beispiel mehr Frauen als Männer in schlechter bezahlten Berufen und in Teilzeit arbeiten.

"Unterbrochene Erwerbsbiografien und Teilzeitarbeitsverhältnisse sind meist Ursache" für die Einkommenskluft von 18%, die Frauen hierzulande weniger verdienen, so Jasmin Arbabian-Vogel, Präsidentin des Verbandes Deutscher Unternehmerinnen.

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Der bereinigte Gender Pay Gap hingegen liegt unverändert bei sechs Prozent. Im Vergleich zur unbereinigten Lohnlücke misst er den Verdienstunterschied zwischen den Geschlechtern mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Berufserfahrungen.

In den ersten Berufsjahren haben wir relativ gleiche Entgelte. Erst mit der Familiengründung ändert sich das. Führung in Teilzeit ist eine Möglichkeit, die in der betrieblichen Welt leider noch nicht sehr verbreitet ist.
Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur, Goethe-Universität

EU-Vergleich: Deutschland hinkt bei Gender Pay Gap hinterher

Im europäischen Vergleich weist Deutschland einen der höchsten unbereinigten Gender Pay Gaps auf. Von insgesamt 34 Ländern landet die Bundesrepublik 2018 auf dem drittletzten Platz. Doch ein niedrigerer Gender Pay Gap bedeutet nicht zwangsläufig mehr Lohngleichheit in anderen Ländern. Vielmehr ist eine geringere Lücke oftmals darauf zurückzuführen, dass wesentlich weniger Frauen arbeiten als hierzulande.

Alice Schwarzer hat die Frauenbewegung seit den 1970er Jahren entscheidend mitgeprägt. Auch nach 50 Jahren ist für sie klar: Aufhören kommt noch lange nicht in Frage.

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Dabei wäre es mit einfachen Regelungen möglich, den Lohnunterschied hier in Deutschland zu verringern:

Deutschland hat gleichstellungspolitischen Aufholbedarf - Maßnahmen wie die Ausweitung der Partnermonate beim Elterngeld, die Einführung einer Familienarbeitszeit, der Ausbau der Kinderbetreuung und eine Reform des Ehegattensplittings würden den Gender Pay Gap nachhaltig senken.
Dr. Katharina Wrohlich, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

Entgelttransparenzgesetz ohne Wirkung

Die Bundesregierung habe schon viel getan für mehr Lohngleichheit, verlautet aus dem Bundesministerium für Familie: den gesetzlichen Mindestlohn eingeführt, die Kinderbetreuung ausgebaut, das Elterngeld und die Familienpflegezeit gesetzlich geregelt.

Bereits 2017 wurde das Gesetz zu mehr Lohntransparenz implementiert, das einen Beitrag zur Verringerung der Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern leisten sollte: durch den individuellen Auskunftsanspruch. Damit haben seither Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in größeren Betrieben das Recht zu erfragen, wie hoch das Gehalt vergleichbarer Kollegen ist.

Gerechtigkeit in weiter Ferne

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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sagte dem Handelsblatt, dass "der Auskunftsanspruch, den alle Beschäftigten haben", eher noch "zurückhaltend genutzt" werde. Laut Bundesregierung haben nur vier Prozent der Beschäftigten bisher eine solche Anfrage gestellt.

EU-Kommission bringt neuen Gesetzesentwurf auf den Weg

Nun startet die EU-Kommission mit einer Transparenzoffensive einen neuen Versuch, die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern zu überwinden. Damit sollen Arbeitgeber gezwungen werden, die Gehälter ihres Personals stärker offenzulegen als bisher. Für EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein logischer Schritt:

Für gleiche Bezahlung braucht man Transparenz. Frauen müssen wissen, ob ihre Arbeitgeber sie fair behandeln.
Ursula von der Leyen, Präsidentin EU-Kommission

Deshalb sollen Arbeitgeber zukünftig auch in Stellenanzeigen Angaben zum Lohnniveau machen. Außerdem sollen sie Bewerberinnen und Bewerber nicht danach fragen dürfen, was sie vorher verdienten. Der Gesetzesentwurf geht nun für weitere Debatten an das Europaparlament und die EU-Länder.

Erfolg bleibt abzuwarten

Doch ob ein weiteres Gesetz die bestehende Lohnlücke überwinden kann, ist fraglich. Aus Sicht von Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, sind hierfür andere Maßnahmen erforderlich.

Bisherige Gesetzgebungen wie das Entgeldtransparenzgesetz haben die Lohnlücke nicht geschlossen. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir uns für gleiche Bezahlung stark machen. […] Equal Pay Day - dieser Tag müsste dringend abgeschafft werden, weil wir endlich Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen haben.
Verena Bentele, Präsidentin Sozialverband VdK
Demonstranten mit dem Frauenpower- Symbol
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Internationaler Frauentag - Gleichberechtigung in der Corona-Krise 

Ungleiche Einkommen, Zunahme häuslicher Gewalt und Rückfall in alte Rollenmuster? Welche Auswirkungen Corona auf die Gleichberechtigung hat.

von Michaela Waldow
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