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Gerechtigkeitsdebatte - Sozialer Ausgleich durch Erbschaftssteuer?

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Die Erbschaftssteuer ist umstritten. Tatsächlich greift Deutschland nur bei zehn Prozent aller Erbschaften zu. Studien sagen: Das sollte sich ändern.

Archiv: Frau öffnet ein Schließfach in einem Banktresor. Aufbewahrung von Geld und Dokumenten.
In Deutschland wird zwar viel vererbt, doch der Fiskus profitiert davon nur im begrenzten Maße. Symbolbild
Quelle: imago

Schon im Alten Ägypten und in der Römischen Kaiserzeit musste vom Erbe ein geringer Prozentsatz abgegeben werden. Später im Mittelalter spielte die Steuer keine große Rolle. In Deutschland wurde eine einheitliche Erbschaftssteuer 1906 eingeführt. Und seitdem gab es immer wieder Veränderungen bei deren Ausgestaltung - insbesondere zu der Frage, wie hoch Freibeträge für die Familie ausfallen dürfen.

Rund 300 Milliarden Euro werden laut Schätzungen pro Jahr heutzutage in Deutschland vererbt. Laut einer OECD-Studie machen die Einnahmen aus der Erbschafts- und Schenkungssteuer allerdings gerade einmal 0,52 Prozent des gesamten Steueraufkommens aus.

Statistisch wird in Deutschland minütlich rund eine halbe Million Euro vererbt. Häuser, Schmuck, Geld – sogar ganze Unternehmen. Kapital ohne eigene Anstrengung: Ist das gerecht?

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Zahlreiche Ausnahmen bei Steuerprogression

Die geringen Einnahmen aus dieser Steuer gehen der Studie zufolge vor allem auf großzügigen Steuerbefreiungen zurück, von der insbesondere die wohlhabendsten Haushalte profitieren.

Eigentlich ist, wie bei allen anderen Einkunftsarten, auch die Höhe der Erbschaftssteuer progressiv gestaffelt. Je höher die Summe, desto höher der Steuersatz - bis zu 50 Prozent. Allerdings gibt es zahlreiche Ausnahmen, die im Einzelfall dazu führen, dass trotz enormer Erbmasse der tatsächlich festgelegte Steuersatz erheblich sinkt oder gar auf Null fällt.

Erben können sich Steuer oft nicht leisten

Einige Ausnahmen greifen schon bei "normalen" Erbfällen. So spielt es beispielsweise bei der Vererbung eines Einfamilienhauses eine große Rolle, ob das Haus vom Erben weiter bewohnt wird. Dann verzichtet der Staat auf die Steuer. Das gilt allerdings nur bis zu einer Wohnfläche von 200 Quadratmetern. Jüngst machte Schlagzeilen, dass in Zeiten von stark gestiegenen Preisen manche Top-Immobilien am Tegernsee einen so hohen Wert hatten, dass die Erben die anfallende Steuer nur durch einen Verkauf des Hauses aufbringen konnten.

Christoph Ploß bei "maybrit illner"

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Fallstricke bei Vererbung von Unternehmen

Bei der Vererbung von Unternehmen wird es noch sehr viel komplexer. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Steuersatz nach unten zu drücken. So kann etwa eine Fortführung des Betriebes und die Beibehaltung des Lohniveaus zu einer Reduzierung der Erbschaftssteuer führen.

Zurecht gebe es diese Ausnahmen, sind sich fast alle Experten einig - wenn dadurch Unternehmen nicht zerschlagen werden müssen. In vielen Fällen stecke der Vermögenswert auch in Maschinen und liege nicht auf dem Firmenkonto. Dann könnte eine Erbschaftssteuer dazu führen, dass kleinere Betriebe verkauft werden müssten und Arbeitsplätze verloren gingen.

Viele Milliarden wollen die Ampelparteien investieren – unter anderem in die Energiewende. Aber wo soll das Geld herkommen ohne höhere Steuern, und ohne die Schuldenbremse zu verletzen?

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Reichere profitieren von Steuererleichterungen

Kritik gibt es dagegen an der Möglichkeit, dass auch einige besonders Hochvermögende von umfangreichen Steuererleichterungen profitieren können. Laut Berechnungen wird auf eine Erbschaft von 300.000 Euro in Deutschland im Schnitt zehn Prozent Erbschaftssteuer fällig. Bei extrem hohen Vermögenswerten von 30 Millionen Euro sind es dagegen nur zwei Prozent.

Zwar gibt es solche Nachlässe im Vergleich eher selten, aber sie fallen höher ins Gewicht. Dabei wäre - laut der OECD-Studie - eine Reform der Erbschaftssteuer und eine Reduzierung der Ausnahmemöglichkeiten ein geeignetes Instrument, um Vermögenskonzentration zu verringern und mehr Chancengleichheit innerhalb einer Gesellschaft zu erzeugen. Denn rund fünf Prozent der Menschen in Deutschland haben so viel Vermögen wie alle anderen 95 Prozent zusammen.

Wohlstand durch Arbeit ermöglichen

Hinzu kommt: Arbeitslöhne werden in Deutschland im internationalen Vergleich stark mit Steuern belastet, Erbschaften hingegen häufig verschont. Eine Analyse des Internationalen Währungsfonds kommt zu dem Schluss, dass es sinnvoll sei, vermögensbezogene Steuern zu erhöhen, um gleichzeitig den Faktor Arbeit entlasten zu können. Dadurch stiegen auch die Möglichkeiten, Wohlstand durch Arbeit - und nicht nur durch ein Erbe - zu erreichen.

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