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Türkei im Streit mit Frankreich - Karikaturen: Erdogan versteht keinen Spaß

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Auf Mohammed-Karikaturen reagiert Erdogan wieder mit Wut: Der türkische Präsident gibt sich als Sprecher der islamischen Welt und lenkt von innenpolitischen Problemen ab.

Recep Tayyip Erdogan am 03.11.2020 in Ankara
Im Zwist mit Macron und "Charlie Hebdo": Türkei-Präsident Erdogan.
Quelle: picture alliance / AA

Präsident Erdogan sitzt in Unterhose breitbeinig auf einem Sessel und lüftet, leicht angeheitert, den Rock einer verschleierten Dame und ruft aus "Oh, der Prophet" - unter der Überschrift: "Erdogan - privat ist er ganz lustig." Der reale Recep Tayyip Erdogan findet diese Art Humor des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" überhaupt nicht witzig, reagiert abschätzig auf den Satireangriff aus Paris.

Erdogan: Karikaturen nicht angesehen

"Ich habe mir diese Karikatur nicht mal angesehen. Wer bin ich denn?", kommentierte der türkische Präsident auf einer Veranstaltung seiner Regierungspartei AKP.

Ich habe es nicht nötig, mir das anzusehen und etwas über diese unverschämten Menschen zu sagen, die unseren liebsten Propheten derart verunglimpfen.
Der türkische Präsident Erdogan

Damit schlägt Erdogan den Bogen zu den Mohammed-Karikaturen, die "Charlie Hebdo" Anfang September erneut veröffentlicht hatte. Für den Präsidenten und seine Regierung sind die Titelblätter der französischen Satirezeitschrift und ihre Verteidigung durch die französische Regierung ein weiterer Beleg für die Islamfeindlichkeit des Westens. Darüber hinaus reagierte die türkische Justiz auf das karikierte Konterfei Erdogans - wie stets in solchen Fällen - sofort mit einem Strafverfahren wegen Präsidentenbeleidigung.

Warnung vom Auswärtigen Amt

Titelseite von Charlie Hebdo mit Erdogan
Titelseite von "Charlie Hebdo" mit Erdogan-Karikatur.
Quelle: dpa

"Das türkische Strafgesetzbuch fordert, dass Angriffe auf unser Land und unsere Werte verfolgt werden", erklärte der türkische Außenminister Abdülhamit Gül. "Die zuständigen Behörden haben daher die nötigen Schritte eingeleitet."

Regelmäßig gibt es in der Türkei Prozesse wegen Präsidentenbeleidigung. Zehntausende Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet, tausende Urteile gesprochen. Anlass kann dabei schon das Liken oder Weiterleiten von kritischen Posts auf Twitter oder Facebook sein. Zahlreiche deutsche Staatsbürger türkischer Herkunft wurden bereits bei der Einreise festgenommen und wegen Beleidigung des türkischen Staatsoberhaupts vor Gericht gestellt. Das Auswärtige Amt warnt auf der eigenen Webseite Türkeiurlauber vor der Gefahr, wegen Kommentaren, die in Deutschland von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, in der Türkei juristisch belangt zu werden.

Wut auf Macron und Frankreich

Der jüngste Streit folgt auf Tage wütender Proteste in der islamischen Welt gegen Frankreichs Präsidenten Macron. Der hatte angekündigt, den Kampf gegen islamistischen Extremismus fortzusetzen und hatte die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed verteidigt.

Auch beim Ärger um die Erdogan-Zeichnung von "Charlie Hebdo" bekräftigte die Regierung in Paris ihre Position. "Frankreich wird seine Prinzipien und Werte wie die Meinungs- und Publikationsfreiheit niemals aufgeben", erklärte Gabriel Attal, der französische Regierungssprecher. Erdogan hatte Macron Islamophobie unterstellt. Muslime würden in Frankreich benachteiligt und verfolgt und im Falle der Mohammed-Karikaturen bewusst beleidigt und erniedrigt.

Der Streit zwischen Frankreich und der Türkei über den Umgang mit dem Islam verschärft sich. Erdogan hat seine Landsleute zum Boykott französischer Produkte aufgerufen.

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Trotz aller Kritik verurteilte die türkische Regierung aber den Messerangriff in Nizza Ende Oktober, bei dem ein offenbar islamistischer Attentäter drei Menschen tötete. Aus Ankara hieß es dazu, man trauere mit Frankreich um die Opfer und erkläre sich solidarisch mit dem französischen Volk im Kampf gegen Terrorismus und Gewalt.

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